Tiefenlager
«Es ist eine Frage der Gewichtung»

Informationen und Diskussion in der Mehrzweckhalle Bözen zum geplanten Endlager für radioaktive Abfälle im Bözberg-Gebiet.

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Diskussion um Tiefenlager Bözberg-West

Diskussion um Tiefenlager Bözberg-West

Aargauer Zeitung

Obwohl die Thematik von hoher Aktualität ist und sehr viele Menschen in den Bezirken Brugg und Laufenburg ganz direkt betrifft und obwohl hochkarätige Referenten auftraten, hielt sich der Aufmarsch in Grenzen.

Vielleicht 50 Personen fanden sich im Mehrzweckraum Bözen ein, um sich hier Gedanken über das geplante «geologische Tiefenlager» zu machen, dessen Standort möglicherweise in das Gebiet Bözberg zu liegen kommt. Eingeladen hatte der Verein «Attraktiver Standort Bözberg-West».

Sicherheit vor allem

Werner Bühlmann, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Energie, skizzierte das Vorgehen, das schliesslich zu einer Standortwahl führen soll. In drei Etappen will man die Standort-Evaluation abschliessen, ebenso - ungefähr bis zum Jahr 2020 - das Bewilligungsverfahren. Im Moment steht der Aufbau einer regionalen Partizipation an. Mitmachen sollen Behörden- und Verbandsvertreter sowie weitere Interessenten.

Markus Fritschi, Mitglied der Geschäftsleitung Nagra, erklärte zunächst, ein Tiefenlager sei die einzige realisierbare Lösung für das Problem der radioaktiven Abfälle. Über allem müsse die grösstmögliche, sehr langfristige Sicherheit der Lagerung stehen. Weiter erläuterte er die geologischen Eigenschaften des Bözberg-Gebiets und erwähnte dabei insbesondere den Opalinuston, den man hier antrifft.

Heinz Rütter von Rütter und Partner sprach von den Untersuchungen, die seine Firma zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen eines Tiefenlagers für die Region angestellt hat. In Umfragen hatte sich die betroffene Bevölkerung aus Würenlingen, aus dem Wellenberg-Gebiet, aus dem Zürcher Weinland und aus ausländischen Standorten zu Veränderungen geäussert, zu Chancen und Risiken, die sich aus einem End- oder Zwischenlager-Standort ergeben. Ausserdem war die volkswirtschaftliche Bedeutung studiert worden, die sich zum Beispiel aus Abgeltungszahlungen ergibt, aus der ganzen Wertschöpfung sowie aus dem Angebot an Arbeitsplätzen.

Heinz Oftinger vom Verein «Attraktiver Standort Bözberg-West» leitete über zur Diskussions- und Fragerunde und betonte, es gehe dabei nur um die Entsorgungsproblematik, nicht um die grundsätzliche Frage, ob Atomkraft zu fördern sei oder nicht. Die Anwesenden zeigten sich sehr gesprächsfreudig, sodass gar nicht alle Votanten zu Wort kommen konnten.

Einzelne Voten

«Ist es bei der Standort-Evaluation von Bedeutung, ob eine Region schon andere Lasten für die Allgemeinheit trägt?» Antwort: «Ja, das muss einbezogen werden. Allerdings stellt sich hier wie bei fast allen andern Aspekten die Frage der Gewichtung. Fest steht, dass die Sicherheit oberste Priorität hat.»

«Die Abfälle werden doch mit baulichen Massnahmen eingelagert. Wie sicher sind diese? Beton- und Stahlbauten müssen doch schon nach kurzer Zeit saniert werden.» - «In dieser Frage ist die Nagra sehr weit; sie tritt auch international in beratender Funktion auf. Vorgesehen sind diverse Sicherheitsbarrieren zunächst baulich-technischer Art, dann aber auch durch die geologische Umgebung. Die Natur selbst hilft beim Schutz.» (pbe)

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