Hans-Martin Jermann

Die Landräte Thomas de Courten (SVP) und Christoph Buser (FDP) sind beide Nichtraucher. Trotzdem kämpfen sie leidenschaftlich gegen die Rauchverbots-Initiative der Lungen- und Krebsliga, über die am 17. Mai abgestimmt wird. Wenn sie angenommen wird, ist Rauchen in Baselbieter Beizen künftig nur noch in unbedienten Fumoirs erlaubt.

Für die beiden bürgerlichen Parlamentarier schiessen die Initianten weit übers Ziel hinaus. Ihr Anliegen, Nichtraucher vor den negativen Folgen des Passivrauchens zu schützen, werde mit der im Herbst 2008 verabschiedeten und demnächst in Kraft tretenden Bundeslösung erfüllt, findet de Courten. Diese sieht ebenfalls ein Rauchverbot in Gastro-Betrieben vor.

Auf Gesuch hin sollen aber klar gekennzeichnete Raucherlokale erlaubt werden; dort dürfen nur Mitarbeitende beschäftigt werden, die der Arbeit in qualmendem Umfeld ausdrücklich zustimmen. Deswegen sehen indes die Befürworter schärferer Regelungen den Schutz vor Passivrauchen nicht konsequent umgesetzt - und fordern auf kantonaler Ebene, dass nur in unbedienten Fumoirs geraucht werden darf.

Thomas de Courten schüttelt den Kopf: «Die Bundeslösung müsste von den Initianten eigentlich als Erfolg gefeiert werden.» Dass dies offensichtlich nicht der Fall ist, wertet der SVP-Landrat als Zeichen dafür, dass sich die Rauchverbots-Befürworter in ihrem missionarischen Eifer verrannt haben und den mündigen Bürger auf den Pfad der Tugend zwingen wollen.

Er fragt sich, wer in dieser allgemeinen Verbotshysterie als nächstes dran ist: die Fettleibigen, die Spieler, die Hundehalter, die Harassenläufer? Klar ist für den Rünenberger Politiker, dass diesen Tendenzen zur Verbotsgesellschaft Einhalt geboten werden muss.

Landratskollege Buser sieht es ähnlich: Dass Rauchen der Gesundheit schade, sei unbestritten. Es frage sich aber, weshalb für Tabak - der für Erwachsene frei erhältlich ist - noch eine besondere Schutzklausel nötig sei. «Gäste und Mitarbeitende können doch selbst entscheiden, ob sie sich in einem Raucherlokal aufhalten wollen oder nicht», findet Buser, der bei der Wirtschaftskammer in der KMU-Förderung tätig ist.

Liberalen Grundsätzen verpflichtet, will es de Courten auch den Wirten überlassen, mit welchem gastronomischen Konzept - Raucherlokal oder Nicht-Raucherlokal - sie es im Markt probieren. Ein totales Rauchverbot gewähre die Wahlfreiheit weder Gästen, Service-Mitarbeitenden noch Wirten; letztere würden dadurch gar in ihrer Existenz bedroht, ist de Courten überzeugt.

Demgegenüber verweisen die Verbots-Befürworter auf Erfahrungen aus nordeuropäischen Ländern. Dort habe das Rauchverbot dem Gastgewerbe nicht den Todesstoss versetzt - im Gegenteil: Langfristig wird gar ein Anstieg der Arbeitsplätze prognostiziert.

De Courten winkt ab: Die Beizen-Struktur im ländlichen Raum der Schweiz sei nicht mit jener in Irland oder Schweden vergleichbar. «Wäre ‹rauchfrei› wirklich so ein Verkaufsschlager, wie dies die Anti-Tabak-Missionare behaupten, dann gäbe es bei uns schon heute viel mehr Rauchfrei-Beizen.»