Zusammenarbeit mit Kanton Aargau
«Es geht auch ohne Staatsvertrag»

Die Regierungsräte Christoph Eymann und Urs Wüthrich halten an der Zusammenarbeit mit dem Aargau fest.

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Urs Wüthrich

Urs Wüthrich

bz Basellandschaftliche Zeitung

David Weber und Thomas Dähler

Nach dem Volksverdikt ist ungewiss, wie weit der Kanton Aargau den Bildungsraum mittragen kann. Wäre es nicht besser, sich vom Aargau als Partner zu trennen?

Christoph Eymann: Der Kanton Basel-Stadt mit dem wohl exotischsten Schulmodell hat ein Interesse, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Aus der Sicht aller vier Kantone bleibt die Zusammenarbeit sinnvoll, weil wir in der Realität einen gemeinsamen Wirtschaftsraum bilden und auch zusammen eine gemeinsame Fachhochschule betreiben - auch wenn wir den Aargauer Volksentscheid selbstverständlich respektieren.

Urs Wüthrich: Für das Baselbiet kommt hinzu, dass wir mit dem Aargau ein gemeinsames Gymnasium haben. Das zeigt, wie eng die Verflechtungen mit denjenigen Gebieten des Aargaus sind, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Zu viert hat zudem unsere Stimme auf eidgenössischer Ebene mehr Gewicht.

Sind die beiden Basel bereit, bei der Arbeit für einen gemeinsamen Bildungsraum zeitliche Verzögerungen in Kauf zu nehmen, weil der Aargau zuerst seine Position neu finden muss?

Wüthrich: Ich habe nicht den Eindruck, dass das Tempo gebremst wird. Wir halten den Zeitplan ein. Die Aargauer Volksabstimmung beeinflusst unseren Weg nicht. Wir haben in den Kantonen eigenständige Vernehmlassungen durchgeführt und bündeln am Schluss lediglich die vier eigenständig gezogenen Schlussfolgerungen.

Trotzdem: Die Verbindlichkeit ist ohne Staatsvertrag geringer. Wäre es nicht möglich, in den beiden Basel etwas schneller voranzugehen und zwischen Baselland und Basel-Stadt allein eine Vereinbarung oder gar einen Staatsvertrag abzuschliessen?

Eymann: Dass es weniger Verbindlichkeit gibt, ist in der Tat so. Wir wollen mit Baselland auch eng zusammenarbeiten. Aber wir wollen eine separierende Haltung den andern gegenüber vermeiden. Es geht auch ohne Staatsvertrag.

Also doch Verzögerungen?

Eymann: Möglicherweise dauert es schon ein wenig länger bis zum Endresultat. Aber das ist immer noch besser, als das Endresultat nicht zu erreichen.

Wüthrich: Wichtig ist, dass wir uns in der gleichen Richtung bewegen. Wir werden in unserem Kanton die geplanten Veränderungen einleiten. Aus einer formellen Vereinbarung entsteht kein Mehrwert.

Eymann: Wichtig ist, dass wir die unmittelbar anstehenden Schritte zeitgleich einleiten. Wir wollen, dass die Parlamente im Frühjahr 2010 gleichzeitig über die Vorlagen entscheiden können. Das ist anspruchsvoll, aber es hilft mit, den bestehenden Drive aufrecht zu erhalten. Wir wollen nachher auch die Umsetzungsschritte zusammen koordinieren.

Ist es nicht so, dass jetzt nur Harmos weiterlebt, der gemeinsame Bildungsraum aber tot ist?

Eymann: Nein. Harmos setzt nur bei den Strukturen an. Wichtiger sind aber die Inhalte, die die Qualität der Schule verbessern - etwa die Frühförderung, die drei Niveaus und ihre Durchlässigkeit oder aussagekräftige Abschlusszeugnisse.

Wüthrich: Die Aufregung, die Harmos in diesem Land auslöst, lässt sich eigentlich nur rechtfertigen, wenn wir gleichzeitig auch inhaltliche Fortschritte erzielen. Wo sonst in der Schweiz gibt es zwischen vier Kantonen eine derart enge inhaltliche Zusammenarbeit?

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