Erdbeben

Es fehlt an Geld und politischem Druck

Neun von zehn Häusern wurden gebaut, bevor man sich mit Erdebensicherheit befasste. Sie nun nachzubessern, gilt oft als nicht finanzierbar.

Daniel Haller

«Ein Erdbeben wie jenes von 1356 ergäbe heute in Basel ein Schadenbild wie jenes in der japanischen Stadt Kobe 1995», erklärt Roland Bader, Leiter der Abteilung Baubewilligungen und Baukontrolle Basel-Stadt. Grund: «In der Schweiz gibt es bei der Erdbebenvorsorge durch bauliche Massnahmen grosse Defizite», stellt das Bundesamt für Wasser und Geologie fest. Bader präzisiert: «Eine Agglomeration wie Basel erdbebensicher zu machen, ist eine Generationen-Aufgabe und dauert 80 bis 100 Jahre.»

«Lifeline»-Gebäude zuerst

Angesichts der übergrossen Aufgabe haben sich die Kantone der Nordwestschweiz als Erstes darauf konzentriert, jene Bauwerke zu sanieren, die nach einem Beben zwecks erster Hilfe noch voll funktionstüchtig sein sollten: Spitäler, Feuerwehrmagazine, Brücken und Polizeistationen. Schulen zählen nicht zu diesen Lifeline-Gebäuden mit erster Priorität, obschon Beben in China und Italien die Tragik aufzeigten, wenn voll besetzte Klassenzimmer einstürzen. Rolf Klaus, Leiter des Sicherheitsinspektorats in der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, spricht dabei von einer «schwierigen Diskussion».

Die Sanierung von Schul- oder Verwaltungsgebäuden steht dabei vor dem gleichen Problem wie die Sicherheits-Nachbesserung privater Häuser: Während Erdbebensicherheit bei einem Neubau für
weniger als ein Prozent der Bausumme zu haben ist, übersteigen die Kosten für Nachbesserungen oft die vorhandenen Mittel.

Celine Pittet, Leiterin der Fachgruppe Solothurn, merkt dazu an: «Hochwasser erleben wir alle paar Jahre, entsprechend gross ist der politische Druck. Bei Erdbeben herrscht dagegen das Motto: ‹Das erlebe ich sowieso nie.›»

Von http://www.bafu.admin.ch/erdbeben/ kann man Schriften wie «Erdbebenertüchtigung von Bauwerken», «Erdbebengerechter Entwurf von Hochbauten» oder «Erdbebenprävention der Kantone» herunterladen. Die informativste kantonale Website ist http://www.so.ch/departemente/bau-und-justiz/erdbebenvorsorge.html.

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