Leher
Es fehlen noch 21 Lehrer

Noch im April klagten die Aargauer Schulen über Lehrermangel. Nun hat sich die Situation entspannt. Lediglich 21 Stellen sind noch unbesetzt. Damit sind die Probleme der Volksschulen jedoch keinesweges gelöst. Nach Berechnungen des ALV fehlen den Aargauer Schulen in drei Jahren rund 1000 Lehrpersonen.

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Schule Klingnau

Schule Klingnau

Keystone

Von Sven Zaugg

Die Massnahmen gegen den akuten Lehrermangel in den aargauer Schulen haben erste Früchte getragen. Lediglich 21 Vollzeitstellen sind noch unbesetzt. Irène Richner vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) zeigt sich ob der Trendwende erleichtert, spricht jedoch von einem Kraftakt: «Entsprechende Lehrpersonen zu finden, war mit weitaus grösseren Anstrengungen verbunden als im letzten Jahr.»

Noch im April klagten die Aargauer Schulen über grosse Schwierigkeiten Lehrpersonen zu rekrutieren. Das bestätigt auch ein Blick in die aktuelle Statistik des BKS. Im Frühling waren nicht weniger als 245 Stellen unbesetzt. Zum Vergleich: 2009 wies die Statistik zum gleichen Zeitpunkt 209 unbesetzte Stellen aus.

Inserateoffensive in Deutschland und Österreich

Für die Trendwende existieren indessen mehrere Gründe. Zum einen wurden die vorhandenen Personalressourcen erhöht, indem Lehrpersonen mit Teilpensen zu einer Pensenerhöhung und pensionierte Lehrpersonen zur Weiterbeschäftigung oder Wiedereinstellung motiviert wurden.

Ebenfalls Früchte getragen, hat die laut BKS als «Notfallmassnahme» kommunizierte Inserateoffensive in Deutschland und Österreich. Daraufhin bewarben sich über hundert deutschsprachige Lehrpersonen für eine Stelle im Aargau. Wie viele deutsche oder österreichische Lehrkräfte künftig an den hiesigen Schulen unterrichten, ist noch unklar. Die Zahlen werden zurzeit ausgewertet.

Ein Reformpaket mit Schwachstellen

Damit ist jedoch das Problem keineswegs gelöst, genügend Lehrkräfte für die kommenden Jahr zu rekrutieren. Mit ein Grund für den Lehrermangel ist die Unzufriedenheit der Lehrpersonen im Kanton Aargau. Ein aktuelle Umfrage des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) lässt aufhorchen. Während 32 Prozent der Schweizer Lehrpersonen angeben, unzufrieden zu sein, sind es im Aargau sogar 48 Prozent.

Das Interesse am Lehrerberuf sei dramatisch gesunken, konstatiert etwa Niklaus Stöckli, Präsident des argauischen Lehrerverbands (ALV). Das hat einerseits mit dem tiefen Einstiegslohn zu tun, andererseits leistet das Gros der Lehrpersonen massiv Überstunden. Das umstrittene Reformpaket «Stärkung der Volksschule Aargau», welches sich bei der Aargauer Regierung in der Vernehmlassung befindet, soll diesem Negativtrend entgegenwirken.

Laut Stöckli weist das Reformpaket jedoch erhebliche Schwachstellen auf. Es sieht vor, dass belastete Gemeinden und Schulen in den Genuss zusätzlicher Ressourcen kommen sollen. Aber: «Woher sollen die zusätzlichen Ressourcen kommen, wenn die benötigten Lehrpersonen schlicht nicht da sind», kritisiert Stöckli.

ALV-Initiative wird am 5. August eingereicht

Nach Berechnungen des ALV fehlen den Aargauer Schulen in drei Jahren rund 1000 Lehrpersonen. Besonders gravierend ist, dass die Zahl der Studierenden trotz Krise (zu) tief bleibt. Deshalb hat der ALV im April die Volksinitiative «Für eine Schule mit Lehrpersonen» lanciert; bereits sind knapp 6000 Unterschriften zusammengekommen. Am 5. August wird der ALV die Initiative beim Kanton deponieren.

Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) ist sich der unbefriedigenden Situation an den Aargauer Schulen bewusst. «Wir überarbeiten bereits das Lehrer-Lohndekret, damit wir wieder attraktiver werden», sagt er. Zudem würden die Schulleitungen bei der Rekrutierung von Lehrpersonen unterstützt. «Doch die Kritik des ALV muss ich zurückweisen. Der Verband hat sich zu fest auf die Lohnfrage konzentriert.» Das sei nicht das Einzige was zähle, findet der Bildungsdirektor.

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