XXL-Parkplätze
Es braucht mehr Raum für immer grössere Autos

Es betrifft nicht nur die SUVs: Autos werden immer grösser. Dumm nur, dass die Parkplätze nicht mitgewachsen sind. Doch bei XXL-Parkplätzen sehen in der Schweiz nur Migros und Coop Handlungsbedarf.

Sermîn Faki
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XXL-Parkplätze beim Migros Ladedorf in Langendorf.

XXL-Parkplätze beim Migros Ladedorf in Langendorf.

Hanspeter Bärtschi

Es betrifft nicht nur die SUVs: Autos werden immer grösser. Ein Forscher hat die in Deutschland zugelassenen Wagen auf ihre Masse hin ausgewertet und festgestellt, dass auch Klein- und Mittelklassewagen im letzten Jahrzehnt 19 Zentimeter länger und 15 Zentimeter breiter geworden sind. Dumm nur, dass die Parkplätze nicht mitgewachsen sind. Daher fordern Experten gemäss dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» grössere Parkfelder.

Hierzulande sieht man offenbar noch kein Problem mit den Parkfeldgrössen. Im Bundesamt für Strassen heisst es, man habe keine ähnlichen Beobachtungen gemacht. Auch in Zürich, der grössten Stadt des Landes, ist die Grösse der Parkplätze kein Thema. «Allenfalls muss jemand mit einer Busse rechnen, wenn sein Wagen über das Parkfeld hinausragt», so eine Sprecherin der Stadtpolizei.

Nicht mehr Bussen verteilt

Die Stadt Bern kann ebenfalls nicht sagen, ob die immer grösseren Fahrzeuge ihre Lenker bei der Parkplatzsuche vor Probleme stellen. Beim städtischen Tiefbauamt verweist man auf die Norm für neue Parkfelder: Ein Einzelparkfeld in Längsrichtung müsse demnach 1,9 Meter breit und fünf Meter lang sein. Ein Familienauto ist gern mal etwas grösser. Die Berner Polizei weiss jedoch nichts über eine Zunahme der Bussen wegen Parkfeld-Übertretungen zu berichten.

Allerdings verzeichnen die Versicherungen mehr Parkschäden: «2007 wurden uns 25498 Schäden gemeldet», sagt Jürg Thalmann von der Mobiliar. «Im letzten Jahr waren es 33415.» Fast ein Drittel mehr also. Thalmann gibt jedoch zu bedenken, dass Mobiliar in dieser Zeitspanne auch viele neue Kunden gewonnen habe. So begründet man auch bei der AXA Winterthur die gestiegenen Parkschäden mit der Zunahme an versicherten Fahrzeugen.

Mindestens drei Meter Platz

Die grossen Detailhandelsketten Migros und Coop haben jedoch auf das Wachstum der Autos reagiert – mit der Schaffung von XXL-Parkplätzen. Die Migros Genossenschaft Aare etwa stellt im Einkaufzentrum Ladedorf im solothurnischen Langendorf 87 solcher Felder zur Verfügung. «Sie sind mindestens drei Meter breit», sagt Stephan Bieler, Leiter der regionalen Einkaufszentren. Die Normalgrösse betrage im Ladedorf 2,70 Meter.

Laut Bieler entsprechen die extrabreiten Parkplätze einem Kundenbedürfnis: Sie garantierten leichteres Einparken, höheren Komfort beim Ein- und Ausladen – und eben mehr Platz für grössere Fahrzeuge. «Autos sind eine grosse Investition», sagt er. «Kratzer wegen zu enger Parkfelder mag man sich da nicht holen.» Nach Möglichkeit setze die Migros Aare auf grosse Parkplätze. Ebenso die Migros Ostschweiz. Im Einkaufszentrum Rosenberg in Winterthur stellt sie ganze 300 XXL-Parkfelder zur Verfügung und wirbt damit auf ihrer Website.

Auch Coop ist für das Thema Parkfeldgrösse sensibilisiert, wie Sprecher Urs Meier sagt: Das Gesamtkonzept für den Neubau oder die Renovation von Tiefgaragen enthalte neben breiteren Fahrgassen und besserer Beleuchtung auch eine Anzahl von Familienparkplätzen, wie die extra-breiten Felder bei Coop heissen. Dass man dadurch weniger Plätze schafft, stört ihn nicht: «Die Kunden sind zufriedener, wenn ihr Einkauf schon auf dem Parkplatz gut anfängt», so Meier. Die von den Gemeinden geforderte Mindestzahl an Plätzen werde zudem immer zur Verfügung gestellt.