Tourismus
Erstmals übernachten mehr Schweizer Touristen in Deutschland als umgekehrt

In der Schweiz leben 8 Millionen Menschen. In Deutschland sind es rund 82 Millionen. Trotz dieser Grössenverhältnisse werden im Jahr 2012 aller Voraussicht nach erstmals mehr Schweizer Gäste in Deutschland übernachten als Deutsche in der Schweiz.

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In den ersten acht Monaten dieses Jahres ist die Anzahl Logiernächte von Deutschen in der Schweiz gemäss dem Schweizer Bundesamt für Statistik um 14,5 Prozent eingebrochen (2011: minus 10,5 Prozent). Gleichzeitig waren bis Ende Juli 11,2 Prozent mehr Übernachtungen von Schweizern in Deutschland zu verzeichnen, schreibt das deutsche Statistische Bundesamt (2011: plus 13,8 Prozent). Halten diese Trends bis Ende Jahr an, wird die kleine Schweiz den grossen Nachbarn in Sachen Logiernächte überholen. Aufgerechnet auf das ganze Jahr werden dann rund 5,3 Millionen Schweizer in deutschen Betten übernachtet haben und nur 4,5 Millionen Deutsche in Schweizer Unterkünften (siehe Grafik).
Wichtiger als Briten und Franzosen
Diese Entwicklung ausschliesslich mit dem veränderten Wechselkurs erklären zu wollen, scheint zu kurz zu greifen. Der Schweizer Run auf Deutschland hat nämlich schon lange vor der Euro-Franken-Kurs-Debatte begonnen: «Deutschland konnte sein Image als Reiseland in der Schweiz stark verbessern, insbesondere nach der Fussballweltmeisterschaft 2006», sagt Harald Henning, Leiter der Auslandvertretung Schweiz bei der Deutschen Zentrale für Tourismus. Die Zahl der Übernachtungen aus der Schweiz habe sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt.
Im Ranking der für Deutschland weltweit wichtigsten Auslandmärkte belegt die Schweiz Platz zwei - nur die Niederländer übernachten noch öfter in Deutschland. Länder wie Frankreich, Grossbritannien oder die USA lassen die Schweizer hinter sich. «Die Schweizer Gäste sind für das Reiseland Deutschland sehr wichtig und stellen eine der Hauptzielgruppen dar», so Henning.
Mehr Marketing in Deutschland
Für die Schweizer Touristiker ist Deutschland - trotz des Einbruchs in den letzten Jahren - noch immer der mit Abstand wichtigste Markt: Vom Januar bis August 2012 generierten deutsche Touristen über 24 Prozent der Logiernächte aller ausländischen Gäste. Zum Vergleich: Die Nummer zwei in der Schweiz, die Briten, kommen gerade mal auf einen Anteil von 8,3 Prozent. Angesichts dieser Zahlen wird klar, dass das Tourismusland Schweiz auf die Deutschen angewiesen ist. Um das Ruder herumzureissen, hat Schweiz Tourismus 2012 zusätzliche Mittel im Markt Deutschland investiert.
«Wichtig ist jetzt, auf diesem Markt zu zeigen, dass es in der Schweiz touristische Angebote mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis gibt», sagt Véronique Kanel, Mediensprecherin von Schweiz Tourismus. Die Deutschen, sowie die Niederländer seien Gäste, die am stärksten preisempfindlich seien, so Kanel weiter.