In Grabs SG sind am Sonntag zwei Kinderleichen in einem ausgebrannten Auto gefunden worden, in der Nähe lag ihr schwer verletzter Vater. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann seine Töchter getötet hat.

Für die Tat habe er absolut kein Verständnis, hält Oliver Hunziker fest. «Es ist eine Tragödie für alle Beteiligten. Kinder sind hier zu unschuldigen Opfern eines Elternkonfliktes geworden.»

Für den Präsidenten der Elternorganisation VeV (www.vev.ch), bei der Väter (und seltener Mütter), deren Trennung oder Scheidung konfliktreich ist, Rat finden, ist es jedoch «kein Wunder», dass es zu solchen Familiendramen kommt. «Manchmal sehe ich Männer an unseren Treffs, bei denen mir der Gedanke kommt: hoffentlich macht der keinen ‚Seich‘. Es ist fast erstaunlich, dass so etwas wie in Grabs nicht häufiger passiert», sagt der VeV -Präsident.

Jeder zehnte Scheidungsfall ist hoch konfliktiv

Er kennt unzählige Geschichten von geschiedenen Vätern, die um den ihnen zustehenden Kontakt zu ihren Kindern kämpfen. Hunziker schildert, wie Väter nach einer Scheidung oftmals aus einer Familie «gekippt» werden, wie die Ex-Frau den Kontakt zu den Kindern unterbindet - auch wenn der Vater gemäss Gerichtsurteil die Kinder vierzehntäglich zu sich nehmen dürfte. «Das ist ein unvorstellbares Leid für einen Vater und es braucht extrem gute Nerven, in einem solchen Fall ruhig zu bleiben», sagt Hunziker.

Oliver Hunziker präsidiert die Elternorganisation «Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter» (VeV Schweiz). Hunziker ist Gründer von «Zwüschehalt», dem ersten Väterhaus der Schweiz. Als Mit-Initiant der Aktion «Schick en Stei» sorgte Hunziker 2011 dafür, dass die Vorlage über die gemeinsame elterliche Sorge nicht verschoben wurde. Hunziker ist Vater zweier Söhne und seit 2004 von seiner Frau getrennt lebend.

Zur Person Oliver Hunziker

Oliver Hunziker präsidiert die Elternorganisation «Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter» (VeV Schweiz). Hunziker ist Gründer von «Zwüschehalt», dem ersten Väterhaus der Schweiz. Als Mit-Initiant der Aktion «Schick en Stei» sorgte Hunziker 2011 dafür, dass die Vorlage über die gemeinsame elterliche Sorge nicht verschoben wurde. Hunziker ist Vater zweier Söhne und seit 2004 von seiner Frau getrennt lebend.


Erhebungen dazu, wie häufig die Besuchsregelungen durch Mütter torpediert und nicht eingehalten werden, gibt es nicht. Hunziker spricht von 10 bis 15 Prozent der Scheidungsfälle, die hoch konfliktiv seien. Zu dieser Kategorie zählen die Fälle, in denen der Vater die Alimente nicht zahlt, in denen Mütter falsche Missbrauchsvorwürfe erheben, oder ihre Kinder nicht herausgeben.

Ungleichgewicht zwischen Elternteilen

Zeigt sich die Ex-Frau unkooperativ und hat sie das alleinige Sorgerecht, sitzt der Vater am deutlich kürzeren Hebel. Ruft der Vater die Polizei, wenn die Mutter das xte Mal die Kinder nicht herausgibt, komme diese nicht zur Hilfe. «Die Polizei sagt, sie könne nichts tun. Denn die Mutter missachtet nur eine gerichtliche Verfügung. Bringt hingegen der nicht obhutsberechtigte Vater die Kinder am Sonntagabend nicht zurück, ist das ein Straftatbestand», zeigt Hunziker das Ungleichgewicht zwischen den Elternteilen auf. Er hofft, dass das geteilte Sorgerecht diesbezüglich etwas bringt: «Es macht rein juristisch einen Unterschied, ob ein sorgeberechtigter Elternteil versucht, seinen Kontakt zum Kind zu verteidigen, oder ein nicht sorgeberechtigter Vater.»


Die Hintergründe des Dramas vom Wochenende sind noch nicht publik. Die Mutter der beiden Mädchen hatte am Sonntagnachmittag die Polizei alarmiert, nachdem der von ihr  getrennt lebende Mann die gemeinsamen Töchter im Altern von zwei und fünf Jahren unberechtigterweise bei einem Verwandten abgeholt hatte. Kurz danach erhielt die Polizei eine Meldung, dass in einer Waldlichtung ein Auto brenne. Darin fand die Polizei die beiden verkohlten Kinderleichen. Der Vater lag mit schweren Verbrennungen in der Nähe. Der mutmassliche Täter verstarb später im Spital.

www.zwueschehalt.ch