Die Eritrea-Reise von Schweizer Politikern wird nicht nur im afrikanischen Land selbst sondern auch in der etritreischen Diaspora aufmerksam beobachtet. So etwa vom englischsprachigen Newsportal «Tesfanews», das auf einem Server in Scottsdale, Arizona, gehostet wird. Das Portal titelt: «Impressionen eines Besuchs von Schweizer Politikern in Eritrea».

Landschaftsaufnahme aus Eritrea, fotografiert und der «Nordwestschweiz» zur Verfügung gestellt von der Aargauer Politikerin Yvonne Feri.

Landschaftsaufnahme aus Eritrea, fotografiert und der «Nordwestschweiz» zur Verfügung gestellt von der Aargauer Politikerin Yvonne Feri.

Es sei ein «controversial trip», eine kontroverse Reise, welche die vier Schweizer Politiker nach Eritrea führe, so «Tesfanews» am Montag. Es greift damit die Diskussion auf, die in der Schweiz geführt wird. Thomas Aeschi (SVP, ZG), Susanne Hochuli (GP, AG), Yvonne Feri (SP, AG) und Claude Béglé (CVP, VD) wird vorgeworfen, sich zum Spielball des eritreischen Regimes zu machen. Ständerätin Pascale Bruderer (SP/AG) hatte die Reise aus Angst, zu Propagandazwecken missbraucht zu werden, abgesagt.

Auszug aus dem englischsprachigen Eritrea-Newsportal «Tesfanews»:

Auszug aus dem englischsprachigen Eritrea-Newsportal «Tesfanews».

Eine unabhängige Berichterstattung ist in Eritrea selbst nicht möglich, wie zum Beispiel Reporter ohne Grenzen darlegt. Ist auch «Tesfanews» ein Propaganda-Mittel des Regimes oder gar seiner Gegner?

«Tesfanews» berichtet kritisch über Länder der Region, über Eritrea selbst sind keine regimekritischen Töne zu lesen. In einem Artikel steht geschrieben: «Die Eritreer lesen mit Erstaunen, dass der eritreische Staat der Sklaverei, der Vergewaltigung und Verbrechen an der Menschlichkeit angeklagt wird.» 

Zitiert wird im «Tesfanews»-Artikel Thomas Aeschis Aussage «Eritrea ist nicht die Hölle». Er stammt aus seinem Blog, den der «Blick» publiziert hatte. Die Schweizer Delegation, die privat unterwegs ist, wird als «Gruppe der Freunde von Eritrea» bezeichnet.

Nacherzählt wird in einem anderen Artikel auch die Geschichte des Schweizer Frauenarztes und Honorarkonsul von Eritrea, der Wettinger Toni Locher, wie er 1971 erstmals in das ostafrikanische Land reiste und sich seither für Eritrea engagiert.

Das Newsportal greift für seine Berichterstattung vor allem auf Texte Schweizer Medien zurück, die es ins Englische übersetzt.

Eritrea ist hierzulande im Fokus der Politik, weil deren Bevölkerung am meisten Asylanträge in der Schweiz stellt. Hochuli, Feri, Aeschi und Béglé wollen sich vor Ort ein eigenes Bild der Lage machen. Organisiert wird ihre Reise vom Honorarkonsul Toni Locher. Er gilt als Regime-Freund.

Die Reise ins Landesinnere

Gegenüber der az sagte Natinalrätin Yvonne Feri am Montag über Whatsapp: «Ich habe Gespräche geführt mit diversen Leuten. Diese erzählen sehr offen über das Land und die Politik.»

Die SP-Politikerin hat den Eindruck, das Land stecke in einer starken Entwicklungsphase. «Auf dieses Jahr hin wurden zum Beispiel neue Banknoten gedruckt, die alten wurden ausgewechselt.» Zudem seien die Mindestlöhne erhöht worden. Feri schickt ein Foto, das ein Dorf ausserhalb der Hauptstadt Asmara zeigt. «Hier waren wir ohne Honorarkonsul Toni Locher unterwegs.» Dass die Gruppe vom Wettinger Arzt begleitet wird, der seit 2002 im Dienst des eritreischen Regimes steht, war auf Kritik gestossen. So bezweifelten SP-Ständerätin Pascale Bruderer und die Flüchtlingshilfe, dass mit Reiseleiter Toni Locher und den Gesprächen mit der Regierung eine unabhängige Einschätzung der Lage in Eritrea möglich sei.