Der Amerikaner Thomas Gullickson ist seit Oktober päpstlicher Botschafter in der Schweiz und polarisiert mit konservativen Positionen. Deshalb fordern verschiedene Gruppierungen die Absetzung des Nuntius. «Der religiöse Frieden in der Schweiz ist in Gefahr», sagt Markus Arnold, Theologe und Studienleiter des Religionspädagogischen Instituts der Universität Luzern. Er gehört der Allianz «Es reicht!» an und hat den Brief an Schneider-Ammann verfasst.

Ebenfalls einen Brief hat der Katholische Frauenbund (SKF) geschrieben. «Bei Bischof Haas hatte die Intervention des Bundesrates beim Heiligen Stuhl Wirkung gezeigt», sagt Simone Curau-Aepli vom Frauenbund. Damals musste der umstrittene Churer Bischof Wolfgang Haas nach der Demarche des Bundesrates seinen Platz räumen.

Diese Eskalationsstufe hat der Fall Gullickson noch nicht erreicht. Aktuell hat sich das Aussendepartement (EDA) der Angelegenheit angenommen. Das zeigen Recherchen der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

An dieses Amt haben die beiden Bundesräte die Schreiben der aufgewühlten Gläubigen weitergeleitet. Da es sich beim Nuntius um den Botschafter des Heiligen Stuhls, also einen diplomatischen Vertreter handelt, ist das EDA für ihn zuständig.

Das Amt hatte auch die Ernennung von Gullickson anerkannt und könnte ihm den Status auch wieder aberkennen. Doch wie Recherchen zeigen, plant das Amt «keine Massnahmen». Vorerst.

«Ein unbelastetes Klima zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft ist für den Bundesrat ein wichtiges Anliegen», sagt EDA-Sprecherin Carole Wälti. Und fügt an: «Gerade in diesem Bereich müssen allfällige Demarchen aber immer sorgfältig geprüft werden.»

Nuntius Gullickson wird demnach in nächster Zeit unter besonderer Beobachtung stehen.