Tarnorganisation
Erdogan-Partei AKP hetzt in der Schweiz gegen Kritiker

Seit dem Putschversuch gegen Erdogan sind liberale Türken auch in der Schweiz massiven Anfeindungen ausgesetzt. Hinter der Hetze gegen Andersdenkendestehen nationalistische Türken mit direkten Verbindungen in den Machtapparat Ankaras stehen.

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Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine an einem AKP-Parteitag

Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine an einem AKP-Parteitag

Keystone

Über eine Schweizer Lobbyorganisation der konservativen Regierungspartei AKP drohen türkische Nationalisten ihren Kritikern, organisieren Aufmärsche und Propaganda-Anlässe. Das zeigen Recherchen der «Sonntagszeitung». Gegen Aussen gibt sich die Organisation politisch unabhängig. Auch der Name tönt unverdächtig: Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) - ein Verein mit Sitz im Industriegebiet von Spreitenbach.

Laut den Statuten soll die Union die schweizerisch-türkischen Beziehungen und «die Erhaltung von Kulturwerten» fördern. Als Präsident fungiert der Aargauer Nationalist Murat Sahin. Nach dem Putschversuch schwörte er Erdogan auf Facebook seine bedingungslose Treue: «So lange ich atmen kann, werde ich mit meinem ganzen Dasein dort stehen, wo du mir befiehlst und zusammen mit dir auf diesem Weg kämpfen.»

Sahin agiert gemäss «Sonntagszeitung» als Bindeglied zwischen der Schweiz und der Türkei. Er verkehrt seit Jahren mit dem nächsten Umfeld von Machthaber Erdogan. Bilder zeigen ihn, wie er im Mai 2015 unbemerkt von der Öffentlichkeit mit dem heutigen Ministerpräsidenten und AKP-Chef Binali Yildirim persönlich Kebab isst. Nicht in der Türkei, sondern in Aarburg.

Yildirim tauscht sich regelmässig mit seinen Schweizer Kampfgefährten aus. Nur einen Monat vor der Putsch-Nacht hielt er per Telefonschaltung eine Ansprache bei einem Ramadan-Fest der UETD in Winterthur. Für das Fest reiste auch Metin Külünk an, AKP-Abgeordneter und langjähriger Erdogan-Vertrauter aus Istanbul.

Den UETD-Verein gibt es in der Schweiz seit knapp vier Jahren. Zuletzt marschierten ihre Anhänger am Tag nach dem Putsch vor dem türkischen Konsulat in Zürich auf. An der Spitze: Chef Murat Sahin. Über Mikrofon drohte er den Anhängern des islamischen Predigers Gülen und rief: «Euer Ende ist gekommen. Ihr könnt euch nicht mehr in euren Löchern verkriechen.»

Insider beobachten, dass sich die Erdogan-Truppe um die UETD seit dem Putschversuch nochmals deutlich radikalisiert hat. Eine junge Türkin aus Zürich warnt: «Die UETD importiert die türkische Innenpolitik in die Schweiz.» Am Sonntag will die deutsche UETD in Köln gegen den Putsch demonstrieren. Die Polizei erwartet 30'000 Menschen und befürchtet Ausschreitungen.

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