Erpressungsversuch
Er vertrat die Opfer des «Heilers» von Bern: Das ist Alain Bersets Anwalt

Eine Frau versuchte Alain Berset zu erpressen. Der Bundesrat liess sich von Patrik Eisenhut vertreten. Der Anwalt avancierte über das Wochenende zu einer gefragten Auskunftsperson.

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Alain Bersets Anwalt Patrik Eisenhut im Gespräch mit dem Schweizer Radio und Fernsehen.

Alain Bersets Anwalt Patrik Eisenhut im Gespräch mit dem Schweizer Radio und Fernsehen.

Screenshot SRF

Der Weg ist kurz. Das Anwaltsbüro von Patrik Eisenhut liegt keine 500 Meter weg vom Bundeshaus. Dort wirkt ein bekannter Klient: Alain Berset. Der Bundesrat wurde von einer Frau erpresst, wie die «Weltwoche» am Samstag publik machte.

Sie drohte, Fotos und einen E-Mail-Verkehr öffentlich zu machen, falls Berset ihr nicht 100’000 Franken überweise. Der Innenminister schaltete Anwalt Patrik Eisenhut ein. Dieser kontaktierte die Frau, doch sie pochte auf die Geldforderung – worauf Berset Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft einreichte. Die Frau wurde rechtskräftig per Strafbefehl wegen versuchter Erpressung verurteilt. Sie kassierte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Franken. Damit kommt es nicht zu einem Gerichtsprozess.

Über den Inhalt der E-Mails ist nichts bekannt. Er wurde im Strafbefehl eingeschwärzt, weil bei Berset und bei der Frau sowohl privat als auch beruflich gewichtige Geheimhaltungsinteressen bestehen. Dies geht aus dem Strafbefehl hervor, welcher der Redaktion von CH Media vorliegt. Strafmildernd wirkte, dass die Frau schliesslich einen Teil ihrer Behauptungen als unwahr zurücknahm.

Die Politschweiz rätselt nun, mit was für Informationen die Frau versuchte, den Bundesrat in die Enge zu treiben. Eisenhut sagte, die Bilder seien von beeindruckender Harmlosigkeit. Ein Sprecher Bersets erklärte, beim Erpressungsversuch gehe es um unwahre und ehrverletzende Behauptungen über das Privatleben des Bundesrats von vor acht Jahren. Es gebe keine verfänglichen Fotos und auch sonst keine ihn belastenden Informationen.

Täter musste Genugtuung zahlen

Patrik Eisenhut, geboren im Jahr 1964, absolvierte in Bern ein Jusstudium und erlangte 1995 das Anwaltspatent. Mit seinem Mandat für Berset hat er mediales Interesse auf sich gezogen. Eisenhut hat Erfahrung mit Aufsehen erregenden Fällen. Er vertrat vor sieben Jahren die Opfer des sogenannten «Heilers» von Bern, der absichtlich 16 Menschen mit HIV infiziert hatte. Der Täter wurde in letzter Instanz zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Den Opfern musste er eine Genugtuung von je 100'000 Franken entrichten, bei einer geschädigten Person waren es 90'000. Nach dem erstinstanzlichen Urteilsspruch des Regionalgerichts Bern-Mittelland sagte Eisenhut der Zeitung «Bund»: «Wir sind erleichtert für die Betroffenen. Unsere Mandaten haben eine sehr schwierige Geschichte erlebt. Nun muss der Angeklagte endlich seine Verantwortung übernehmen.»

Eisenhut deckt ein breites juristisches Feld ab. Zu seinen Praxisschwerpunkten zählen zum Beispiel das öffentliche und private Arbeitsrecht, das Familien- und Erbrecht, aber auch das allgemeine Strafrecht oder das Schuld-, Betreibungs- und Konkursrecht. Auf der Homepage der Kanzlei beschreibt er sein Credo. Unter anderem hält er fest: «Vorbeugen ist besser als heilen. Ich berate lieber vorgängig als nachträglich zu prozessieren.» Er sei sich der seelischen und zeitlichen Belastung für die Beteiligten bewusst und arbeite gerne meditativ. In einem medial exponierten Fall gelang es ihm zum Beispiel, beim Streit um eine faktische Entlassung einer Führungsperson bei einer Krankenkasse eine aussergerichtliche Einigung zu erzielen.