Abstimmungskampf

Er hat den Mutterschaftsurlaub miterfunden – doch vom Vaterschaftsurlaub will er nichts wissen

Pierre Triponez: «Persönlich lehne ich einen gesetzlich vorgeschriebenene Vaterschaftsurlaub ab.» (Archiv)

Pierre Triponez: «Persönlich lehne ich einen gesetzlich vorgeschriebenene Vaterschaftsurlaub ab.» (Archiv)

Anfang Jahrtausend entwickelte Pierre Triponez, damaliger Berner FDP-Nationalrat, die Vorlage für einen bezahlten Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen mit. Er war damit hauptverantwortlich für den Durchbruch der Mutterschaftsversicherung 2014. Zu Papi-Ferien hat der 73-Jährige aber eine andere Meinung.

Er war für den Durchbruch der Mutterschaftsversicherung hauptverantwortlich: Anfang Jahrtausend fungierte Pierre Triponez, damaliger Berner FDP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes, überraschend als Brückenbauer in Richtung Linke und Gewerkschaften. Gemeinsam mit den Nationalrätinnnen Jacqueline Fehr (SP/Zürich), Thérèse Meyer (CVP/Freiburg) und Ursula Haller (SVP/Bern) entwickelte er die Vorlage, die einen bezahlten Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen für alle erwerbstätigen Mütter vorsah und je zur Hälfte von Arbeitgebern und -nehmern finanziert werden sollte.

Am 26. September 2004 nahm die Stimmbevölkerung die Vorlage an, gegen die die SVP das Referendum ergriffen hatte – der seit 1945 bestehende Verfassungsauftrag, eine Mutterschaftsversicherung einzuführen, war endlich umgesetzt.

Ebenfalls bereits seit Jahren kämpfen die Befürworter eines Vaterschaftsurlaubes für eine bezahlte «Papizeit». Wie bei der Mutterschaftsversicherung soll dem Ansinnen eine Volksabstimmung zum Durchbruch verhelfen: Am Dienstag übergaben über 140 Organisationen unter dem Dach des Vereins «Vaterschaftsurlaub jetzt!» der Bundeskanzlei 107'106 beglaubigte Unterschriften.

Wie aber positioniert sich der Vater des Mutterschaftsurlaubs zu Papi-Ferien, zumal diese laut Initianten ja analog finanziert werden sollen? «Persönlich lehne ich einen gesetzlich vorgeschriebenene Vaterschaftsurlaub ab», stellt Pierre Triponez auf Anfrage der «Nordwestschweiz» klar und zerstreut so die Hoffnungen der Initianten, er lasse sich im Abstimmungskampf erweichen.

«Überrissener Sozialausbau»

Als nicht mehr aktiver Politiker – Triponez schied 2011 aus dem Nationalrat aus – wolle er sich nicht eingehender zur Thematik äussern, sagt der 73-Jährige. Beim 10-Jahr-Jubiläum der Einführung der Mutterschaftsversicherung vor zwei Jahren hatte sich Triponez in einem Intervies an die überraschten Gesichter erinnert, die er nach seinem damaligen Vorschlag für einen Mutterschaftsurlaub gesehen habe. Denn: «Ich war nie Befürworter eines überrissenen Sozialausbaus.» (dbü)

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