Urs Egger
Entwicklungshilfe, Politik und Braukunst

Die FDP will ihre jetzigen drei Sitze im Zürcher Stadtrat mit Martin Vollenwyder, Andres Türler und neu mit Urs Egger verteidigen. Egger ist, was verblüffen mag, Chef einer Entwicklungshilfeorganisation.

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Urs Egger

Urs Egger

Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

Er ist sportlich, an einer Bierbrauerei beteiligt, Präsident der Stadtzürcher FDP und als Stadtratskandidat nominiert - und er ist Geschäftsführer einer Entwicklungshilfeorganisation. Die Berufstätigkeit von Urs Egger sorgte schon bei seiner Wahl im Juni 2004 an die Spitze der städtischen FDP, als Nachfolger von Doris Fiala, für Aufsehen. «Ein Entwicklungshelfer als FDP-Präsident», titelte damals eine Zeitung beinahe etwas ungläubig.

Organisator, nicht Helfer

Nun, als klassischen Entwicklungshelfer sieht sich Egger selber nicht, wie er in einem Gespräch meint: «Der Begriff trifft auf mich nicht zu.» Bei Swiss-contact, einer Stiftung, die vor 50 Jahren von der Schweizer Wirtschaft gegründet worden ist und durchaus liberalen Ideen zugetan ist, und der er seit 1995 vorsteht, versteht sich Egger in erster Linie als Organisator, der den lokalen Partnern in verschiedenen Ländern hilft, auf einen grünen Zweig zu kommen.

«Hilfe zur Selbsthilfe» ist kein leeres Schlagwort. Die Fachleute von Swisscontact schauen sich eine Wertschöpfungskette an und versuchen herauszufinden, wo der Wurm steckt, wenn es nicht vorwärts geht.

Besonders engagiert ist die Organisation in der Berufsbildung. So hat sie mitgeholfen, in Sumatra und Sri Lanka Berufsschulen für verschiedene Tätigkeiten im Baubereich einzurichten. In der Katastrophenhilfe ist man nicht direkt involviert, hat aber nach dem Tsunami beim Wiederaufbau von Kleinfirmen Hilfe geleistet. Tätig ist Swiss-contact unter anderem in Afrika, in Indonesien, Bangladesh, Nepal, Bolivien oder Peru.

Mehrere hundert Mitarbeitern

Als studierter Agraringenieur wäre Egger an sich prädestiniert, in landwirtschaftlichen Projekten mitzuarbeiten. Doch als Chef über zwei Dutzend Mitarbeiter in der Schweiz und 400 im Ausland - sowie rund 600 Experten im Seniorenalter, die, vom Bäcker bis zum Top-Manager, ihr Wissen ehrenamtlich zur Verfügung stellen - dirigiert er mehr vom Büro aus als aus dem Feld. Trotzdem ist Egger immer wieder auf den ausländischen Schauplätzen anzutreffen. «Es ist wichtig, mit den Mitarbeitenden immer wieder auch persönlichen Kontakt zu pflegen», betont er.

Fussballer und Bierbrauer

Zu den Hobbys des Politikers gehört natürlich Fussball - Egger hat einst im Zweitligaverein FC Seefeld gespielt, heute ist er Präsident des Vereins. «Wir werden von Kindern, die bei uns Fussball spielen wollen, förmlich überrannt», sagt er. Ausserdem dient er seit 2002 dem Stadtzürcher Fussballverband als Präsident.

Speziell ist sein Engagement bei der Bierbrauerei ECM Bräu GmbH, die er zusammen mit zwei Gesinnungsfreunden betreibt. Jede zweite Woche werden im Zürcher Seefeld 1000 Liter Bier hergestellt, die unter anderem im Restaurant seiner Ehefrau ausgeschenkt werden. Ein grosses Geschäft sei das nicht, lacht Egger, man könne die Kosten grad so decken. Aber es mache Spass, als Nischenplayer zu wirken, so der Hobby-Brauer. Er sei ja auch erblich vorbelastet: Urgrossvater und Grossvater waren beide Bierbrauer gewesen.

Kein Sonntagsspaziergang

Wenn er jetzt darauf abzielt, den Stadtratssitz der zurücktretenden Kathrin Martelli zu verteidigen, weiss er, dass das kein Sonntagsspaziergang ist. Er muss ein breites Wählersegment ansprechen und hofft, bei der bürgerlich denkenden Wählerschaft und in der politischen Mitte zu punkten.

Wenn ihm schon vorgeworfen worden ist, er habe sich bisher kaum ein Profil verschafft und sei in der Öffentlichkeit zu wenig präsent, entspricht das durchaus seiner Arbeitsweise. «Ich muss im Gemeinderat nicht zu allem und jedem reden», gibt er zu verstehen, es werde ohnehin zuviel geschwatzt. Er setze sich lieber in der Geschäftsprüfungskommission ein, wo echte Arbeit geleistet werde. Aber man werde schon noch mehr von ihm hören.

Als 53-Jähriger, der auch über Führungserfahrung verfügt, wird er noch einiges tun müssen, um politisch Erfolg zu haben. Nicht nur bei der Verteidigung der drei FDP-Sitze im Stadtrat, sondern auch im Gemeinderat: Die FDP strengt sich an, ihre Deputation im Gemeindeparlament zu verstärken.

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