Luftfahrt
Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Co-Pilot wollte Asyl in der Schweiz

Ein Flugzeug der Ethiopian Airlines ist am Montagmorgen entführt worden. Der Entführer war ein 31-jähriger Co-Pilot. Er wurde nach der Landung verhaftet. Die 200 Passagiere sind wohlauf. Der Flughafen musste vorübergehend abgeriegelt werden.

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Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot
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Beim entführten Flug handelt es sich um den ET702 der Ethiopian von Addis Abeba. Das Flugzeug landete um 6.05 Uhr am Montagmorgen in Genf.
Kurz vor 8 Uhr: Die rund 200 Passagiere verlassen das Flugzeug. Polizisten einer Spezialeinheit nehmen sie in Empfang.
Das Fenster beim Co-Piloten ist offen, er wollte Asyl in der Schweiz und kletterte mit einem Seil runter
Das entführte Flugzeug kreiste länger über dem Flughafen Genf, bevor es landen durfte.

Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot

Keystone

Ein 31-jähriger Co-Pilot hat am Montagmorgen ein Flugzeug der Ethiopian Airlines entführt. Der Flug ET702 war auf dem Weg von Addis Abeba nach Rom.

Der Co-Pilot - ein äthiopischer Staatsangehöriger mit Jahrgang 1983 - nutzte einen kurzen Gang des Chefpiloten auf die Toilette aus, wie Eric Grandjean, Mediensprecher der Genfer Polizei, am Montag vor den Medien am Flughafen Genf Cointrin sagte.

Die entführte Maschine sollte um 04.40 Uhr in Rom landen. Der Co-Pilot entführte das Flugzeug und dirigierte es in die Schweiz nach Genf. Dort landete die Maschine um 06.05 Uhr.

An Bord der Maschine befanden sich 202 Passagiere. Sie haben von der Entführung lange nichts mitbekommen, wie Polizeivertreter an einer Medienkonferenz in Genf erklärten. Sie hätten gedacht, dass sie in Mailand landen würden.

Der Entführer, der unbewaffnet war, habe dem Kontrollturm kurz vor der Landung darüber informiert, dass es sich um eine Entführung handle und er der Entführer sei. Die Maschine wurde darauf von zwei Kampfflugzeugen begleitet.

Die Behörden seien lange unsicher gewesen, ob die Maschine ein technisches Problem habe oder tatsächlich entführt wurde, so der Polizeivertreter.

Aus dem Cockpit-Fenster geklettert

Der 31-jährige Äthiopier kletterte nach der Landung mit Hilfe eines Seils aus dem Cockpit-Fenster und wurde verhaftet. Er gab an, sich in seinem Land in Gefahr zu befinden und politisches Asyl beantragen zu wollen.

Schon über Saudi-Arabien sandte das Flugzeug um 02.00 Uhr ein Notsignal «7500», das Entführung bedeutet. Im Mitschnitt des Funkgesprächs zwischen dem Co-Pilot und dem Flughafen Genf ist zu hören, wie er Asyl forderte.

Die Passagiere hätten medizinische und psychologische Betreuung erhalten. Einige von ihnen seien auch zu den Vorfällen durchsucht und befragt worden.

Die Flugzeugentführung legte den Flugverkehr am Flughafen Genf zum Wochenstart lahm. Wegen des aussergewöhnlichen Ereignisses durften zunächst keine anderen Flugzeuge starten oder landen. Ungefähr 15 Flüge mussten umgeleitet werden. Zahlreiche Flüge wurden annulliert.

Die Situation war um 8 Uhr wieder unter Kontrolle. Um 8.20 Uhr konnte die ersten Maschinen wieder abheben, um 8.45 Uhr konnte die erste Maschine landen. Sämtliche Langstrecken-Flüge seien gesichert, sagte Bertrand Stämpfli, Mediensprecher des Genfer Flughafens, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Flughafen Genf rechnet damit, dass sich der Flugverkehr im Laufe des Morgens normalisiert.(rsn)