Energiestadt
Energiestadt strebt Vorbildfunktion an

Sorgsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen ist bereits Programm: Die jahrhundertealte Zähringerstadt nimmt ihre Zukunft fest in den Griff und markiert heute Wege zum Umwelt- und Klimaschutz. Der erste Lohn: Beförderung in den Kreis der «Energiestädte».

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Von Peter Rombach

Der Label-Prozess erlaubte kein lässiges Sonnenbaden und verlangte klar strukturiertes Aufarbeiten und Dokumentieren von Daten, schonungsloses Analysieren, Darstellen von Perspektiven. Gemeinsam mit der badischen Nachbarstadt wollten Stadtammann Franco Mazzi und sein «Bauminister» Oliver Tschudin grenzüberschreitend die Auszeichnung erobern.

European Energy Award Gold

Die Verleihung des Labels «Energiestadt» ist nur eine Auszeichnung auf Zeit. Stadtammann Franco Mazzi von Rheinfelden weiss, dass die erste Bewährungsphase bis März 2013 dauert. Bis dahin müssen Projekte wie neue Wärmeverbünde oder mehr Grün im Stadtbereich realisiert werden.

Die Ziele des Gemeinderats spielen eine zentrale Rolle: Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energieträgern und Abwärme im Stadtgebiet bis 2020 auf 40 Prozent, Reduktion des Energiebedarfs für Raumwärme und Wasser um 25 Prozent. 2007 aktualisierte der Gemeinderat den Energieplan der Stadt. Für «Bauminister» Oliver Tschudin ist das die Basis, um eine neue Energiekommission zu installieren und den Euro-pean Energy Award zu erreichen. (ach)

Das edle Ansinnen scheiterte allerdings an der Bürokratie und unterschiedlichen Rechtsstrukturen. Das badische Rheinfelden erfüllt frühestens Ende nächsten Jahres die Voraussetzungen, um im «European Energy Award», vergleichbar mit dem Schweizer Energiestadt-Label, punkten zu können. Kurios dabei: Ennet am Rhein gibt es flächendeckend Tempo-30-Zonen, energetische Sanierung von öffentlichen Gebäuden und nach der Gartenschau 2007 neue Grün- und Festplatz-Bereiche. Pech im Label-Prozess: Gemeinderat und Administration hatten immer ad hoc über Projekte und deren Realisierung entschieden.

Folglich fehlt eine «papierene» Planung, die nun zeitaufwändig nachgeholt werden muss. Das bestätigt Hans W. Krusche, Leiter Stadtbauamt im badischen Rathaus. «Um jetzt im Energiestadt-Projekt zu punkten, müssen wir das bereits Geleistete dokumentieren, obwohl wir schon längst Energiemanagement und energetische Gebäudesanierung betreiben.» Im schweizerischen Rheinfelden kam allerdings die Theorie - und damit das Papier - vor der Praxis, was sich im Label-Prozess dann zeitlich sehr vorteilhaft auswirkte.

Eine Reihe von Wärmeverbünden funktioniert, die teils aus Verbrennungen in Holzschnitzelanlagen, teils aus Abwärmenutzungen von der Saline Riburg oder der Kläranlage Augarten gespeist werden. Solarfelder wie auf dem Dach der Schulanlage Engerfeld oder neuerdings auf dem am Samstag der Öffentlichkeit präsentierten Dienstleistungszentrum B15 beweisen, dass innovative Ideen in Betriebsalltage einfliessen.

Solch ein Umfeld, mit viel privatem Engagement durch Unternehmen, ermöglichte es der Stadt auch dank eigenen Leistungen, den Pfad bis zum Label «Energiestadt» erfolgreich zu absolvieren. Der Aargauer Regierungsrat Peter C. Beyeler begrüsste an der offiziellen Label-Verleihung Rheinfelden als 19. Energiestadt im Kanton und lobte die «Umsetzung von Ideen».
In Energiefragen müsse man vorwärtsschauen, kreativ wirken: «Energie-Effizienz ist heute ein Thema, an dem niemand mehr vorbeikommt.» Der Baudirektor befürwortete «nicht fossil beheizte Gebäude» und Photovoltaik-Anlagen. Mit seinem Förderprogramm weise der Kanton den richtigen Weg in Richtung Minergie-Standard, denn bislang würden Gebäude fast 40 Prozent des allgemeinen Energieverbrauchs verschlingen. «Eine Sanierung ist gut für die Umwelt und steigert den Wohnkomfort.»

Am Beispiel der jüngsten Energiestadt im Kanton verdeutlichte Beyeler, Staat und Kommunen sollten sich als «Vorreiter» profilieren. Der Begriff «Minergie» im Bauwesen löse mittlerweile Sympathie aus. «Wir müssen dafür sorgen, dass energieeffizientes Verhalten zum Trend wird», so Regierungsrat Beyeler. Und er lobte die kantonale Initiative «Für eine Energiepolitik mit Weitsicht», die eine Steigerung des Anteils an erneuerbaren Energien anstrebe. «Dies ist ohne Komforteinbussen möglich.» Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi kündigte auch für die Zukunft eine «innovative Energiepolitik» an und versicherte angesichts der Label-Verleihung, im Fricktal auch eine Vorbildfunktion zu erfüllen.

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