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Endlich ein Prestigesieg für den gebeutelten Preisüberwacher

Seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren musste sich der Preisüberwacher Stefan Meierhans viel Kritik anhören. Gegen die Post feiert er einen ersten richtigen Erfolg – ein trügerischer?

Antonio Fumagalli
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Bot der Post die Stirn: Preisüberwacher Meierhans.Urs Lindt/freshfocus

Bot der Post die Stirn: Preisüberwacher Meierhans.Urs Lindt/freshfocus

«Was sagen Sie zu Stefan Meierhans’ Frisur» fragte der «Blick am Abend» im Frühjahr 2009 prominente Coiffeure (und erhielt von ihnen durchzogene Antworten). Der Preisüberwacher der Schweiz war ein knappes halbes Jahr im Amt – aufgefallen war er bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich durch sein ungewohntes Äusseres.

Post: 4 Briefmarken für jeden Haushalt

Die Preise für den Versand von A- und B-Post-Briefen sowie von Inlandpaketen werden bis im März 2016 nicht erhöht. Im Jahr 2014 gibt die Schweizerische Post zudem jedem Haushalt vier Gratisbriefmarken im Wert von je einem Franken ab. Darauf hat sie sich mit dem Preisüberwacher geeinigt. Das ausgehandelte Preis- und Massnahmenpaket komme sowohl Privat- wie auch Geschäftskunden zugute, teilten Post und Preisüberwacher gestern je in einem Communiqué mit. (SDA)

Auch inhaltlich musste sich Meierhans einiges anhören. Er bringe den erforderlichen Leistungsausweis nicht mit, könne sich nicht durchsetzen, sei in Bundesbern zu wenig vernetzt und ohnehin nur dank Doris Leuthards Gnaden – sie gehören beide der CVP an – überhaupt ins Amt gehoben worden.

Mit seinem über die Medien kommunizierten und in der Folge völlig zerzausten Vorschlag, die Billag abzuschaffen, trug Meierhans sein Eigenes zur angekratzten Reputation bei. Kurz: Die Fussstapfen seines umtriebigen und parteiübergreifend geschätzten Vorgängers Rudolf Strahm waren in den Augen seiner Kritiker eine Nummer zu gross.

Lange Verhandlungen

Seither sind fünf Jahre vergangen und spätestens gestern konnte Preisüberwacher Meierhans einen publikumswirksamen Erfolg verbuchen. Entgegen ihrer Absicht erhöht die Schweizerische Post die Preise für den Versand von A- und B-Post-Briefen bis Ende März 2016 nicht. Zudem darf sich jeder Haushalt über vier Gratisbriefmarken freuen (siehe Box).

Ein Befreiungsschlag? «Natürlich freut es mich, dass wir uns auf einen Kompromiss einigen konnten. Aber ich möchte das nicht in eine Reihenfolge einordnen», sagt Meierhans auf Anfrage.

Der Einigung mit der Post sind langwierige Verhandlungen vorausgegangen. Meierhans konstatierte damals, dass die Gewinne in Bereichen, wo kein Wettbewerb herrscht, zu hoch seien. Doch von einer Preisreduktion wollte der gelbe Riese nichts wissen, woraufhin der Preisüberwacher ein formelles Verfahren eröffnete. Dieses wird mit der Einigung nun zur Makulatur.

Sogar seine zuvor grössten Kritiker zollen Meierhans dafür nun Respekt: «Er hat ganz offensichtlich an Durchschlagskraft gewonnen», sagt This Jenny. Es habe etwas Zeit gebraucht, aber nun etabliere er sich immer besser, so der Glarner SVP-Ständerat.

öV-Preise unter Druck

Mit dem Erfolg steigen nun aber auch die Erwartungen an Meierhans. Seit längerem setzt er sich gegen Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr ein und konnte dabei auch Zwischensiege verbuchen. Sagt das Volk am 9. Februar wie erwartet Ja zum Ausbau der Bahninfrastruktur, dürften die Ticketpreise mittelfristig aber erst recht unter Druck geraten.

Auch der «Hochpreisinsel Schweiz» hat der Preisüberwacher den Kampf angesagt. Doch gerade im Pharma-Bereich sind die Widerstände gross. Einfacher wird es für Meierhans mit dem gestern verkündeten Sieg nicht.