Tiefenlager
Endlager-Diskussion: Droht nun die Studienflut?

Schaffhausen hat im Alleingang eine Studie in Auftrag gegeben, die für Verwirrung sorgt. Sie zeigt Nachteile eines Tiefenlagers für die betroffene Region auf. In der Region ist man über Schaffhauser Tiefenlager-Studie befremdet.

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Schädlich für das Image?

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Dieter Minder, Peter Belart

Mit ihrer Studie erfüllt die Schaffhauser Regierung einen im «Gesetz gegen Atommüll-Lagerstätten» vom 4. September 1983 formulierten Auftrag. Paragraf 1 verlangt: «Die Behörden des Kantons Schaffhausen sind verpflichtet, mit allen rechtlichen und politischen Mitteln darauf hinzuwirken, dass auf Kantonsgebiet keine Lagerstätten für radioaktive Abfälle errichtet und keine vorbereitenden Handlungen vorgenommen werden.»

«Das bringt uns nicht weiter»

«Wir halten uns an den Sachplan», sagt Hanspeter Lienhart, Präsident des Forums Lägern Nord. Das Forum wird, wie im Sachplan vorgesehen, an der Sozioökonomischen Studie mitarbeiten. Über das Verhalten des Kantons Schaffhausen zeigt sich Lienhart «leicht befremdet». Er warnt davor, jetzt in eine Studienmanie zu verfallen: «Das bringt uns nicht weiter.» Denn für Lienhart ist unabdingbar, dass die Studien für die sechs möglichen Endlagerregionen miteinander vergleichbar sein müssen.

Für Markus Baumgartner, Standortmoderator für das mögliche Endlagergebiet Zürcher Weinland, handelt es sich um eine rein politische Studie. «Sie lässt keinerlei Vergleiche mit den anderen Regionen zu.» Dies hauptsächlich deshalb, weil die Arbeiten für Studien des Sachplanes erst jetzt anlaufen. Dabei werden die Regionen mitbestimmen können, was untersucht werden soll. «Die ökologischen Erkenntnisse sind wichtig, aber über allem steht die Sicherheit», betont Baumgartner.

Ganz ähnlich sieht das SVP-Grossrat Jörg Hunn, Riniken: «Es ist schlecht und der Sache nicht dienlich, wenn ein Einzelner solche Schritte unternimmt.» Egal, wie die Studie ausfällt, beeinflusse sie doch das ganze Auswahlverfahren.

Gerry Thönen von der «Plattform Bözberg» findet es wichtig und richtig, dass sich die einzelnen Regionen einbringen können. Dies sei aber im Rahmen des vorgesehenen Sachplan-Verfahrens möglich. «Wir können unsere Anliegen einbringen.» Im Moment gehe es nicht um gesellschaftliche und ökonomische Aspekte, sondern einzig und allein um die Sicherheitsfrage.

Standortqualität wahren

Der Brugger Stadtrat Christoph Brun (Grüne) sagt klar: «Selbstverständlich tragen wir die Verantwortung für den Abfall, den wir produzieren. Wir müssen hier eine Lösung finden.» Er hält es aber nicht für problematisch, regionale Aktivitäten zu entfalten. «Die Region muss für ihre Werte und ihre Interessen einstehen. Da kann eine Studie wie diejenige von Schaffhausen zu vertiefteren Einsichten führen.» Im Moment sind ihm keine vergleichbaren Absichten bekannt, aber man müsse den Gedanken prüfen. «Klar ist: Die Standort-Attraktivität würde durch ein Endlager erheblich verschlechtert.»