Wahlen

Ende der Gemütlichkeit in der Urschweiz

Die SVP ist auch in der Innerschweiz im Aufwind – trotzdem droht im Kanton Obwalden ein Sitzverlust. Fünf Parlamentarier aus den Kantonen Nidwalden, Obwalden und Uri stellen sich am 23. Oktober zur Wiederwahl.

Politik in den Schweizer Urkantonen Uri, Obwalden und Nidwalden war seit 1848 vor allem eines: langweilig. Und vorhersehbar. Entweder katholisch konservativ (ab 1971 CVP) oder FDP. So einfach war das. Wobei die CVP klar die stärkste Kraft und die FDP ihr Juniorpartner war. Es war darum nicht weniger als ein Erdrutsch, als die CVP 2007 im Kanton Obwalden ihren Nationalratssitz verlor. Im durch und durch katholischen Kanton Obwalden, wo der Nationalratssitz seit 1848 nur gerade zwei Jahren nicht in der Hand der CVP oder ihrer Vorgängerpartei der KVP war. Der Sieg des SVP-Kandidaten Christoph von Rotz sprengte die CVP-Dominanz.

Der Überraschungscoup der SVP von 2007 hallt in Obwalden immer noch nach. Und hat die CVP langfristig geschwächt. Obwohl sie im Kanton immer noch stärkste Partei ist, stellt sie im Herbst keinen Gegenkandidaten für die Nationalratswahl. Zwar hatte sie mit Jürg Berlinger einstimmig einen Kandidaten des rechten Parteispektrums vorgeschlagen, doch Berlinger kam bei den anderen Parteien so schlecht an, dass er sich wieder zurückziehen musste, weil die CSP drohte, einen dritten Kandidaten aufzustellen – was wohl die Wiederwahl von von Rotz gesichert hätte. «Die CVP hat in Obwalden derzeit nicht die Kraft, einen eigenen, starken Kandidaten dagegenzusetzen», sagt Francesco Welti, Chefredaktor der «Obwalden und Nidwalden Zeitung».

SVP gerät unter Druck

Nun wird es also spannend in Obwalden. Denn mit dem Rechtsanwalt Karl Vogler schickt die CSP einen Kandidaten ins Rennen, der von FDP, SP und CVP unterstützt wird. Und setzt so die SVP massiv unter Druck. «Rein rechnerisch müsste es Vogler reichen, entscheidend wird aber sein, wer die Wähler mobilisieren kann. Und hier ist von Rotz stark», sagt Welti. So habe von Rotz während seiner ersten vier Jahre in Bern viel stärker als seine Vorgänger die Nähe zu den Wählern gesucht, run-de Tische organisiert, Gemeinden besucht. Und für diesen Einsatz will von Rotz im Herbst belohnt werden. Sein politischer Leistungsausweis ist allerdings eher mager.

Völlig offen ist die Situation in Nidwalden, wo die Wähler einen Ersatz für FDP-Nationalrat Edi Engelberger finden müssen. Die Parteien halten sich noch zurück. Die FDP hatte einen Kandidaten, der sich wieder zurückzog. Die SVP will, nennt aber noch keine Namen. Die CVP konzentriert sich auf die Wiederwahl ihres Ständerats. Klar ist einzig, dass der Grüne Conrad Wagner antritt – wohl ohne Chancen. Doch schon der Fakt, das überhaupt eine Wahl stattfindet ist in nicht unbedingt selbstverständlich. Noch vor vier Jahren brauchten die Nidwaldner gar nicht erst an die Urne zu gehen. Edi Engelberger war damals der einzige Nationalratskandidat, Hans Hess, CVP, der einzige Ständeratskandidat. Damit waren beide automatisch in einer stillen Wahl gewählt.

Umkämpfter Kanton Uri

Dieselbe Situation gab es 2007 auch im Kanton Uri. Gegen die übermächtigen Hansheiri Inderkum, CVP-Ständerat, und Gabi Huber, FDP-Nationalrätin, hatte sich kein Kandidat vorgewagt. Im Gegensatz zum Kanton Nidwalden gibt es im Kanton Uri aber keine stillen Wahlen. Das heisst: Jeder Bürger ist wählbar, egal ob er kandidiert oder nicht, darum gehen die Bürger auch an die Urne, wenn nur ein Kandidat zur Verfügung steht. Diesen Herbst tritt Polit-Grandseigneur Inderkum aber nicht mehr an.

Und die Parteien formieren sich zum Kampf. Die SP hat bereits ihren Anspruch angemeldet, die CVP will den Sitz unbedingt verteidigen. Noch unklar ist, ob die SVP auch mitmischt. Nicht teilnehmen am Gerangel um den freien Ständeratssitz wird die FDP. Sie hat mit Polit-Schwergewicht und Fraktionspräsidentin
Gabi Huber ihren Sitz in Bern auf
sicher.

Auch wenn nicht sicher ist, ob die SVP ihren bisher einzigen Sitz in den Urschweizer Kantonen Uri, Ob- und Nidwalden halten kann, die Partei ist jetzt auch hier auf dem Vormarsch. «Die Entwicklung hat einfach später eingesetzt», sagt Francesco Welti. Doch weil in den kleinen Kantonen nur wenige Sitze zu holen sind, kann schon ein Sitzverlust dramatisch viel ausmachen. Klar ist aber, dass die Zeiten der reinen Parteiwahl vorbei sind.

Meistgesehen

Artboard 1