Asyl

Empfangszentrum: Die erste und vielleicht letzte Station in der Schweiz

Im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel sind 400 Menschen untergebracht, die auf Asyl hoffen. So unterschiedlich die Herkunftsländer, so verschieden die Geschichten: Das Hoffen und das Warten verbindet die Menschen im EVZ Basel.

«Zigaretten, Bruder, Zigaretten»,sagt der Mann zum Securitas-Angestellten, der im Hosensack des Asylsuchenden etwas ertastet hat. Die 400 Asylsuchenden, die im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel untergebracht sind, müssen sich jedes Mal abtasten lassen, wenn sie hineinwollen. Das Areal wenige Meter vor dem Grenzübergang nach Deutschland ist umzäunt und mit Stacheldraht gesichert.

Auch innerhalb des EVZ können sich die Bewohnerinnen und Bewohner nicht zu jeder Zeit frei bewegen. So wird der Schlaftrakt im oberen Stock jeden Morgen um 8.15 Uhr geschlossen. Diese Massnahme diene dazu, dass die Asylbewerber eine gewisse Tagesstruktur beibehalten, sagt EVZ-Basel-Chef Roger Lang, dessen gelb geblümte Krawatte Freundlichkeit signalisiert. Geschlafen wird zu zwölft, auf Kajütenbetten mit metallenen Gestellen. Vor jedem Schlafzimmer steht ein Abfallkübel. Wie Wächter säumen sie den düsteren Gang.

Beliebter Küchendienst

Im Parterre putzen Erwachsene und Kinder den Boden. Andere falten Handtücher oder helfen in der Küche. Der Küchendienst sei beliebt, denn so sei man gut fünf Stunden beschäftigt und dürfe sich nachher den Teller selbst füllen, erzählt Lang.

Den anderen wird geschöpft. 90 Minuten dauert es, bis alle ihr Essen gefasst haben. «Wir sind hier an einem neuralgischen Punkt», sagt Lang bei der «Fass-Strasse». Ein Drängeln kann in der hungrigen Menge schnell zur Eskalation führen. Gitterabschrankungen, wie sie an Grossanlässen eingesetzt werden, sollen die Asylsuchenden zu gesittetem Anstehen bewegen.

An das Warten müssen sich die Asylbewerber vom ersten Moment an gewöhnen. Gleich neben dem Eingang sitzen mehrere Neuankömmlinge in einem kargen Zimmer. Hier müssen sie erste Formulare ausfüllen. Ein junger Mann studiert eine Weltkarte an der Wand. 15 Jahre alt sei er und stamme aus Afghanistan. Er sei alleine hier und soeben aus Zürich ins EVZ Basel gebracht worden. Mehr will er nicht sagen; vielleicht kann er auch nicht, auf Englisch.

Eine ältere Frau mit Kopftuch sitzt in sich versunken neben dem Afghanen auf einem Plastikstuhl. Ein Anwesender gibt sich als ihr Sohn zu erkennen. Er lebe als vorläufig Aufgenommener bereits neun Jahre in der Schweiz. Nun seien auch seine Eltern aus Tschetschenien in die Schweiz gekommen. «Die Lage in Tschetschenien ist nicht so gut, wie immer dargestellt wird», hält er fest und drängt, dies müsse rapportiert werden.

Warten auf den Asylentscheid

Einen Schritt weiter als die frisch Angekommenen ist ein junges Paar mit einem einjährigen Buben, das im Aufenthaltsraum auf der niedrigen Fensterbank sitzt. Sie seien seit zwei Wochen im EVZ Basel, gibt die 23-jährige Serbin in gebrochenem Deutsch zu Protokoll. Am Vortag hätten sie das erste Interview gehabt und nun warteten sie auf den Asylentscheid. Diesen wird die Familie nun rasch erhalten, gehört sie doch zu den Gesuchstellern, die der Bund seit dieser Woche aufgrund von verschwindend kleinen Asylchancen prioritär behandelt.

Eine Gruppe Russen und Georgier steht beieinander. Unter ihnen ein Arzt, ein Busfahrer, ein Schuhmacher. Einer kann gut Deutsch; er hat neun Jahre in Deutschland gearbeitet. Ging ein Jahr nach Russland zurück und ist nun wieder «ein Flüchtling», wie er sagt. Seine vier Kinder sind ebenfalls im EVZ; sie sind irgendwo am Spielen. Ins Gespräch schaltet sich ein Marokkaner ein. Er habe Lymphkrebs, keine Versicherung und keine Ersparnisse. Man müsse ihn aus humanitären Gründen aufnehmen, sagt der 47-Jährige und fügt an: «Ich hoffe auf Hilfe.»

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