Initiative
Eltern fürchten eine «Sexualisierung» ihrer Kinder

Heute wird die eidgenössischen Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» lanciert. Die Intianten wollen sicherstellen, dass ihre Kinder «unbekümmert» aufwachsen können.

Karen Schärer
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Ein Stein des Anstosses: Der Sexkoffer, die an Basler Schulen verteilt wurde.

Ein Stein des Anstosses: Der Sexkoffer, die an Basler Schulen verteilt wurde.

Keystone

Das Bild auf der Einladung zur heutigen Medienkonferenz zur Lancierung der eidgenössischen Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» zeigt eine heile Welt: Ein Regenbogen spannt sich über zwei lachende Kinder, die Seifenblasen nachschauen. Der Regenbogen schirmt die Kinder ab, als halte er ihre Kindheit rein.

So werben die Initianten für ihre Kampagne

So werben die Initianten für ihre Kampagne

Zur Verfügung gestellt

Ebendies wollen auch die Initianten der sogenannten Schutzinitiative. Sie wollen sicherstellen, dass ihre Kinder «unbekümmert» aufwachsen, wie es Benjamin Spühler, Präsident des Basler Elternkomitees, kürzlich formulierte. Im vergangenen Jahr hatten Unterrichtsmaterialien für die Sexualkunde mit expliziten Zeichnungen in mehreren Kantonen dazu geführt, dass Eltern dieses unbekümmerte Aufwachsen gefährdet sahen.

Die Angst vor dem Plüschpenis

Die skandalisierende Berichterstattung der Boulevardmedien über den sogenannten «Sexkoffer» im Kanton Basel-Stadt sorgte für Aufregung: Die Basler Regierung wolle Kindergärtler mit Plüschpenissen aufklären, hiess es. Die Richtigstellung durch die Behörden, dass nämlich die Koffer mit den Imitaten von männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen erst in der Oberstufe zum Einsatz kommen, fand kaum Beachtung.

Ein Leitfaden für die Sexualkunde sorgte für rote Köpfe, hiess es doch darin unter anderem, dass bereits Kindergärtler wissen sollen, dass Berührungen an gewissen Körperstellen angenehm sein können. Ein Elternkomitee formierte sich, und mehrere Eltern reichten Dispensationsgesuche für den Sexualkundeunterricht für ihre Kinder ein.

Petition fand grossen Zuspruch

Parallel dazu sammelte ein Petitionskomitee «Gegen die Sexualisierung der Volksschule» unter der Leitung von alt SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer schweizweit Unterschriften. Innert dreier Monate kamen über 90000 Unterschriften zusammen. Die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) stellte in ihrer Stellungnahme zu den Forderungen der Petition klar, dass mit dem Lehrplan 21 keineswegs Sexualkundeunterricht im Kindergarten eingeführt werden solle.

Auch die EDK ist der Ansicht, dass die «primäre Verantwortung für die Sexualerziehung der Kinder und Jugendlichen» bei den Eltern liege. Die Schule unterstütze die Eltern bei dieser Aufgabe mit einem «alters- und stufengerechten Sexualkundeunterricht ab Ende der Primarschulzeit».

SVP-Frehner präsidiert Komitee

Nicht nur Ulrich Schlüer zeigte sich mit der EDK-Antwort unzufrieden. Die Basler Eltern waren mit ihren Dispensationsgesuchen beim Bundesgericht abgeblitzt. Nun soll eine Volksinitiative sie zum Ziel führen: Die genauen Inhalte verraten die Initianten zwar erst heute. Doch klar ist: Zentral ist die Forderung, dass es keinen Sexualkundeunterricht im Kindergarten und in den frühen Primarschuljahren geben darf. Und dass Eltern das Recht haben sollen, ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht fernzuhalten.

Noch hat sich keine Partei geschlossen hinter die Anliegen der Initianten gestellt. Doch die besorgten Eltern haben sich Unterstützung von erfahreneren Politakteuren gesichert: Mitglieder verschiedener Parteien sitzen im Initiativkomitee. Präsidiert wird dieses von SVP-Nationalrat Sebastian Frehner (BS). Ulrich Schlüer ist übrigens im Initiativkomitee nicht dabei. Er sagt: «Wir haben mit unserer Petition hervorragende Arbeit geleistet, indem wir diese Initiative ausgelöst haben.»