Herr Steinmann, Norwegen fördert wie kein anderes Land in Europa Elektroautos. Wieso nicht die Schweiz?

In der Konjunkturkrise haben einige Automobil-Nationen angefangen Elektroautos zu fördern – als Konjunkturmassnahme. Norwegen hat sich aufgrund seines hohen Anteils an Wasserkraft dazu entschieden. Wir sagen aber: Was das Auto der Zukunft ist, wissen wir noch nicht. Es kann ein effizientes Benzin- oder Diesel-Auto sein, ein Biogas-Auto, ein Elektro-Auto oder gar ein Wasserstoff-Auto sein. Wir wollen jetzt nicht schon ein Förderprogramm für eine bestimmte Technologie auf die Beine stellen. Es ist noch zu früh. Elektro-Autos, die heute erst 130 bis 150 Kilometer weit fahren können, sind noch nicht das höchste der Gefühle.

Aber für die Schweiz wären sie doch prädestiniert?

Ja, als Zweitauto vermutlich. Aber wollen wir nun einen grossen Boom für Zweitautos auslösen? Mobility und andere Carsharing-Ideen decken diese Bedürfnisse auch ab. Gerade in den Städten wollen die Menschen kein Zweitauto, auch weil sie in der Garage keinen Platz haben. Deshalb glaube ich nicht, dass es sich im Moment lohnt, Elektro-Autos zu fördern. Zudem kostet es Steuergelder und bedeutet weniger Einnahmen für den Staat. Wir müssen die Technologieentwicklung in den Schweizer Forschungsanstalten fördern. In fünf bis zehn Jahren werden wir dann hoffentlich die Klarheit haben, welchen Weg wir verfolgen sollen.

Können Sie das Carsharing erläutern?

Bei den Ski ist es schon so, bei den E-Bikes kommt es auf. Der Trend geht weg vom Besitzen hin zum Nutzen. Mobility ist vielleicht auch der erste Weg dahin, dass die Menschen – gerade in den Städten – Mobilität nutzen, anstatt sich ein oder zwei Autos inklusive Elektro-Auto anschaffen. Die Städter brauchen also mehr Zugang zur Mobilität über Carsharing. Das ist ein realistisches Zukunftsszenario. Solche Carsharing-Konzepte könnten in den Städten und Agglomerationen im Rahmen von «Energiestädten» gefördert werden.

Müsste man nicht auch Anreize für Unternehmen schaffen?

Wir machen das mit dem Programm «Energie Schweiz» bereits. Und das wäre auch ein Geschäftsmodell für die Stromanbieter, gerade bezüglich Elektromobilität und Carsharing.

Und eine staatliche Förderung für Carsharing?

Die Städte sind näher bei den Bürgern. Sie können sich überlegen, was in den Quartieren sinnvoll ist. Gerade, wenn eine 2000-Watt-Gesellschaft angestrebt wird wie in Zürich.