Genf
Elektrisch und autonom fahren – der Autosalon zeigt: Die Zukunft ist noch nicht eingetroffen

Heute Donnerstag eröffnet der 87. Genfer Automobil-Salon. Die Messe zeigt, wie wir in Zukunft mobil unterwegs sind.

Philipp Aeberli
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Es herrscht wieder Zuversicht in der Branche. Der Autosalon in Genf öffnet heute Donnerstag seine Tore.

Es herrscht wieder Zuversicht in der Branche. Der Autosalon in Genf öffnet heute Donnerstag seine Tore.

Keystone

Woher nehmen sie nur diese Energie? Nein, nicht die Autos, die in Genf um die Wette strahlen, sondern die Menschen, die dahinter stehen. Denn die Vertreter der Autobranche haben es derzeit nicht leicht. Das Vertrauen in die Giganten wurde durch den VW-Abgasskandal nachhaltig erschüttert, man diskutiert über Verbote von Diesel- und sogar Benzinmotoren und im kalifornischen Silicon Valley forscht man fleissig, um den traditionellen Herstellern schon bald das Wasser abzugraben.

Trotzdem: Am 87. Automobil-Salon, der heute Donnerstag die Türen fürs Publikum eröffnet, ist man zuversichtlicher als in den vergangenen Jahren. Und das nicht nur, weil die Entwicklung bei den Hightech-Unternehmen wie Google und Apple in den USA etwas verlangsamt voranzugehen scheint, sondern auch, weil die traditionellen Autobauer sich ihres Weges sicherer zu sein scheinen. Man ging zögerlich an Themen wie Elektromobilität oder autonomes Fahren heran. Doch das dürfte sich nun als richtige Strategie herausstellen. Dass die Zukunft rein elektrisch und dereinst auch völlig autonom fahren wird, daran zweifelt am Salon 2017 zwar kaum jemand. Doch entscheidend ist der Weg dahin.

Die Neuheiten am Genfer Autosalon – von futuristisch bis nostalgisch:

Das ist der neue Renault Trezor Concept.
28 Bilder
Der Trezor von innen.
Eadon Grenn Black Cuilin.
Scuderia Cameron Glickenhaus – Manifattura Automobili Torino.
Sin Cars R1.
Dendrobium.
Spyker C8 Predator Spyder.
Nissan Qashqai.
Renault ZOE E-Sport Concept.
Volkswagen I.D. Buzz.
Volkswagen I.D. Buzz.
Italdesign Pop.Up Airbus.
Italdesign Zerouno.
Touring Superleggera Artega Scalo.
Zenvo TS1 GT.
Morgan EV3.
Koenigsegg Regera.
Koenigsegg Arega RS Gryphon.
Catecar Dragonfly.
Techrules GT96.
Segula Hagora Pulse.
Ford GT 66.
Mansory Rolls Royce Dawn.
Mclaren 720s.
Es herrscht wieder Zuversicht in der Branche. Der Autosalon in Genf öffnet heute Donnerstag seine Tore.
Honda Neuv.
Mercedes-Benz concept X-Class.
Rinspeed Oasis.

Das ist der neue Renault Trezor Concept.

Keystone

Kompass zeigt klare Richtung

Der Salon Genf war schon immer eine Art Kompass in der Automobilwelt. Der Kompass zeigt dieses Jahr zwar in Richtung E-Mobil – aber nicht komplett. Neue Elektroautos, die man tatsächlich kaufen kann, sind selten. Stattdessen setzt man auf Plug-in-Hybride, deren Batterien sowohl über den Verbrennungsmotor als auch am Stromnetz geladen werden können. Solche Modelle sind inzwischen bei fast allen Herstellern verfügbar oder in Planung.

Sogar bei Ferrari dürfte in naher Zukunft elektrische Unterstützung zum Thema werden. Der neue Volvo XC60 und der Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid, die vorgestellt werden, sind besonders zu erwähnen. Der Schritt hin zu Plug-in-Hybriden ist konsequent: Die Firmen wissen, dass die künftigen gesetzliche Auflagen zum CO2-Ausstoss und zum Verbrauch gar nicht anders zu erreichen sind. So werden wir in naher Zukunft noch viele weitere Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge antreffen. Mit rund 50 Kilometern rein elektrischer Reichweite und der vollen Flexibilität eines klassischen Verbrenners führen sie die Kunden schrittweise an ein rein elektrisches Fahren heran.

Gut zu wissen: Lieber mit der Bahn zum Autosalon

Der 87. Internationale Autosalon öffnet heute für das Publikum und dauert bis zum 19. März. Er ist jeweils von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet, an den Wochenenden von 9 Uhr bis 19 Uhr.
Es wird dringend empfohlen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen – zumindest vom Genfer Stadtzentrum aus. Die SBB bieten ermässigte Kombi-Tickets an. Wer bereits einen Eintrittsgutschein für den Auto-Salon hat, kann ebenfalls ein ermässigtes Bahnbillett kaufen.
Eine reguläre Tageskarte für den Salon kostet 16 Franken, ermässigt 9 Franken.

Opel-Kauf durch PSA ist ein Thema

Die neue Zuversicht in der Branche dürfte daher rühren, dass man zwar nicht weiss, wann es so weit sein wird, man aber weiss, in welche Richtung der Weg geht. Und man ist bereit, diese Richtung einzuschlagen. Die Opel-Übernahme durch PSA Peugeot Citroën kann man vor diesem Hintergrund sehen: Damit kauft sich PSA viel neues Know-how ein für die Entwicklung von künftigen E-Autos. Aus dieser Optik scheint der Kaufpreis von 1,3 Milliarden Euro günstig: Mercedes-Benz will in den nächsten Jahren zehn Milliarden Euro investieren, um die Mobilität von morgen voranzutreiben. Unter dem Namen «EQ» soll die ganze Modellpalette elektrifiziert werden. Mit dem vollelektrischen «Vision EQ» und dem «Concept AMG GT» wurden in Genf heute schon zwei Beispiele dafür präsentiert. «Mercedes hat vor rund 130 Jahren das Automobil erfunden. Nun machen wir uns daran, es neu zu erfinden», meint der Projektverantwortliche bei Daimler, Axel Harries.

Auch VW setzt auf die Mobilität der Zukunft. Als markenübergreifendes Konzept zeigt der Konzern in Genf «Sedric», ein Ausblick auf das «Self Driving Car» der Zukunft.

Was in Genf aber auch klar sichtbar wird: Alternative Antriebe und neue Technologien sind zwar in aller Munde, auf der Strasse aber noch nicht dominant. Immer mehr Hersteller drängen in den aussichtsreichen Markt und lancieren laufend neue Modelle, wie etwa den Alfa Romeo Stelvio oder den DS7 Crossback. Der Grund ist klar: In diesem Segment gibt es noch gutes Geld zu verdienen. Hersteller sprechen von Rekord-Absätzen. Gut möglich, dass ihre Energie, derart beschwingt in die Zukunft zu blicken, aus diesen Zahlen herrührt.

Genfer Weltpremieren: Neun Modelle, die in den vergangenen 112 Jahren am Autosalon ihren ersten grossen Auftritt hatten:

Opel 412 PS Laubfrosch (1925) 1925 zeigte Opel das Modell 4/ 12 PS, mit dem Spitznamen «Laubfrosch». Dank eines 4-Zylinder-Motors fuhr das Auto bis zu 70 km/h. Neu waren der elektrische Anlasser und der Rückwärtsgang.
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Maybach Zeppelin (1931) Von 1921 bis 1940 stellte Maybach in Deutschland ca. 2300 Autos her, darunter 300 «Zeppelin» – ein Spitzenmodell der Marke. Mit 150 PS konnte dieser Luxuswagen bis zu 150 km/h erreichen.
Chrysler Airflow (1934) 1934 warb Chrysler – ohne grossen Erfolg – mit dem ersten Stromlinienfahrzeug, dem «Airflow». Davor spielte die Stromlinienform bei den Autobauern kaum eine Rolle.
Fiat 500 Topolino (1937) FIAT-Inhaber Giovanni Agnelli gab 1933 ein kleines, sparsames, für viele erschwingliches Auto in Auftrag. In Turin entsteht der «500». Er bekommt den liebevollen Spitznamen «Mäuschen».
Borgward Hansa (1949) Der deutsche Borgward Hansa, der am in Genf als Weltpremiere präsentiert wurde, kommt 1950 als Limousine mit Automatikgetriebe heraus, für «ein Fahren ohne Kupplung und ohne Gangschaltung ».
Alfa Romeo 33 Coupé Prototyp (1969) Das Designstudio Pininfarina liess sich beim Entwurf des Coupés von Ferrari inspirieren. Das Modell hat eiförmige Kotflügel, sogenannte Schmetterlingstüren und ein durchsichtiges Dach.
Lamborghini LP 500 Prototyp (1971) Von 1974 bis 1978 produzierte Lamborghini das Auto unter dem Namen Countach LP400. Es fährt mit V12-Motor und hat 375 PS. «Countach» heisst im Dialekt des Piemonts etwa «nicht übertreffbar».
Mercedes A-Klasse (1995) Die A-Klasse ist bis heute ein Erfolgsmodell. Ihr Start verlief allerdings harzig, nachdem ein Fahrzeug in Schweden beim «Elchtest» umkippte. Danach baute Daimler serienmässig ESP ein.
Renault Zoe (2012) Der «Zoe» fährt ausschliesslich mit Strom. Er hat einen 65 kW starken Elektromotor und erreicht 135 km/h. Bei der Premiere in Genf wurde eine Reichweite von 210 Kilometern angegeben.

Opel 412 PS Laubfrosch (1925) 1925 zeigte Opel das Modell 4/ 12 PS, mit dem Spitznamen «Laubfrosch». Dank eines 4-Zylinder-Motors fuhr das Auto bis zu 70 km/h. Neu waren der elektrische Anlasser und der Rückwärtsgang.

zvg

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