Nepal

Einst lehrten Schweizer die Nepalesen das Käsen – helfen Sie heute auch?

Die Schweiz leistet in Nepal seit Jahrzehnten Entwicklungshilfe.

Die Schweiz leistet in Nepal seit Jahrzehnten Entwicklungshilfe.

Die Schweiz war eines der ersten Länder, die Nepal in seiner Entwicklung unterstützten. Trotz vielseitiger Hilfe gilt das Land bis heute als rückständig und politisch instabil.

Mit Käse und Teppichen hat alles begonnen. Schweizer Entwicklungshelfer lehrten die Nepalesen in den 50er-Jahren das Handwerk, um die beiden Produkte herzustellen – stets mit dem Ziel, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern. So sollte die Käse-Produktion die Wirtschaft in den gebirgigen Regionen des Landes stärken. Der Schweizer Käser Sepp Dubach zeigte den Bauern vor Ort, wie man aus verderblicher Milch ein lagerbares Produkt fabriziert – und so auch besser verkaufen kann.

Die Herstellung und der Export von traditionellen Teppichen sollten hingegen der Selbstversorgung der tibetanischen Flüchtlingsgemeinde in Nepal dienen, die keinen Zugang zum lokalen Arbeitsmarkt fand.

Modernisierung steht still

In den 70er-Jahren folgten grössere Infrastrukturprojekte, wie etwa die Lamosangu-Jiri-Strasse, die das Everest-Gebiet besser mit der Hauptstadt Kathmandu verband. Schulen wurden in dieser Region neu gebaut, der Wald aufgeforstet. Die Wirkung bleibt begrenzt: Noch heute lebt fast ein Viertel der Bevölkerung mehr als vier Stunden Fussweg von einer Strasse entfernt, wie die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in einem aktuellen Bericht festhält. Vom entlegensten Dorf dauert der Fussmarsch 13 Tage, bis der Reisende zu einer Strasse kommt.

Auf den Ausbau der Infrastruktur folgten weitere Programme zur technischen und fachlichen Ausbildung – in der Hoffnung, beispielsweise die Modernisierung der Landwirtschaft voranzutreiben oder die Käser zu lehren, wie sie ihre Geräte selbst reparieren können. Gemäss eines 2008 erschienenen Berichts der Helvetas und der Deza haben die Bemühungen nicht in allen Bereichen gefruchtet. Ob ausgebildet oder nicht: Viele Arbeiter zieht es ins Ausland, nach Indien oder in die Golfstaaten.

Schweizer Pioniere

Eine Konstante ist in der über 60-jährigen Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Nepal zu beobachten: Sie stand stets unter dem Einfluss der politischen Entwicklung. Die Entsendung eines sogenannten «Forward Teams» in den 50er-Jahren war nur auf die explizite Einladung der regierenden Kaste möglich, welche die Entwicklung im eigenen Land vorantreiben wollte. Auf der Suche nach Kartografen stiess der Maharadscha auf Experten der ETH: Sie sollten Nepal vermessen, um das Land und seine Ressourcen besser zu erschliessen.

1990 dann der Wandel weg von der Monarchie. Der König erliess eine neue Verfassung, welche demokratische Wahlen erlaubte. Allerdings schafft es die politische Elite nicht, Stabilität herzustellen. Auf ein Kabinett folgt das nächste. Bis heute.

Aus der Unzufriedenheit erwuchs in den 90er-Jahren die maoistische Bewegung, die gegen die politischen Strukturen ankämpfte. Während des Bürgerkriegs setzte sich die Schweiz für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Und sie baute mit dem Regime und seinen maoistischen Gegnern einen Dialog auf, der 2006 zu neuen Wahlen führte.

Nachhilfe für Maoistenführer

Die Schweizer Entwicklungspolitik widmete sich also nicht nur materiellen Zwecken, sondern gab auch politische Nachhilfe: Nepal, das sogar im Vergleich zur Schweiz ein Vielfaches an Sprachen, Ethnien und Dialekten kennt, sollte sich vom Zentralismus wegbewegen und föderalistische Strukturen aufbauen. Zu Workshops wurden Delegationen aller politischen Färbungen nach Bern eingeflogen – unter ihnen der berüchtigte Maoistenführer Prachanda. Zwar schuf daraufhin das Parlament 2008 die Monarchie ab. Politische Stabilität konnte trotz Schweizer Hilfe bis heute aber nicht hergestellt werden.

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