Coronavirus

Einkaufsverbot für über 65-Jährige: Tessiner pilgern nun nach Uri

Vor Urner Lebensmittelhändlern werden vermehrt Tessiner Kontrollschilder gesichtet.

Vor Urner Lebensmittelhändlern werden vermehrt Tessiner Kontrollschilder gesichtet.

In Uri werden gehäuft Einkaufstouristen aus dem Tessin beobachtet. Am Gotthard werden die Kontrollen wohl verschärft.

Was in Uri nur für wenige Tage galt, setzt der Kanton Tessin wegen der Coronavirus-Ausbreitung seit gut zwei Wochen rigoros durch: Menschen über 65 dürfen nicht mehr selber einkaufen gehen. Im Eingangsbereich der Tessiner Geschäfte steht Security-Personal, das die Kunden nach ihrem Alter fragt. Wer die Grenze von 65 überschreitet, wird zurückgewiesen. Die Polizei kann sogar Ausweiskontrollen durchführen.

Ähnlich wie in Uri seinerzeit passt das jetzt auch nicht allen Tessinern. Mario Molo, ein bekannter Anwalt aus Lugano, überlegt sich gar, den Regierungsbeschluss mit dem Einkaufsverbot für über 65-Jährige vor Gericht anzufechten. Denn laut Bundesrat Alain Berset ist dieses nicht mit Bundesrecht vereinbar. Doch all dies würde viel Zeit dauern, denn eine aufschiebende Wirkung hätte eine Beschwerde nicht.

Kein Weg zu lange für Einkaufserlebnis

So lange wollen einige Senioren offenbar nicht warten. Und aus diesem Grund scheuen offenbar einige über 65-Jährige nicht einmal längere Autofahrten, um doch zum Einkaufserlebnis zu kommen. Dies zumindest stellen Leser der Luzerner Zeitung fest: Sie machten in den vergangenen Tagen immer wieder die Beobachtung, dass besonders viele Tessiner nun Einkaufsläden in Uri benutzen. Insbesondere Mitarbeiter machten sich nun Sorgen.

Dass nun viele Tessiner in Uri einkaufen, ist auch der Urner Polizei bekannt, wie auf Anfrage bestätigt wird. «Wir haben dies bereits unseren Tessiner Kollegen mitgeteilt», sagt Gusti Planzer, Mediensprecher der Kantonspolizei Uri. Allerdings erweist sich der Handlungsspielraum als eingeschränkt: «Dieses Verhalten ist nicht verboten aber aus unserer Sicht in höchstem Mass unangebracht», sagt Planzer. «Die vom Bundesrat zum Schutz vor dem Coronavirus beschlossenen Massnahmen sind klar, verständlich und einschneidend. Sie sind aber notwendig und nur wirksam, wenn jeder und jede diese auch umsetzt.» Planzer appelliert zum einen an die Eigenverantwortung. «Die konsequente Umsetzung ist aber auch eine Frage der Solidarität: Solidarität zwischen den Generationen und den kranken Menschen.»

Auch auf Urnerboden büssen Patrouillen

Ansonsten stellt die Polizei den Urnern ein gutes Zeugnis in Sachen Verantwortung aus – obwohl es am sonnigen Wochenende auch Auffälligkeiten gab: So erwies sich der Urnerboden als (zu) beliebtes Ausflugsziel. «Aufgrund des schönen Wetters waren viele Personen, insbesondere Velo- und Motorradfahrer, unterwegs», berichtet Mediensprecher Planzer. Am Wochenende sei eine Polizeipatrouille auf dem Urnerboden im Einsatz gestanden und habe dort im Gespräch mit der Bevölkerung für die Einhaltung der Corona-Vorgaben gesorgt. Auch repressive Mittel wurden eingesetzt, wie Planzer sagt. So wurden Ordnungsbussen verteilt, dies unter anderem wegen der Missachtung eines Fahrverbots.

Kantonsweit habe sich die Urner Bevölkerung grösstenteils an die Massnahmen gehalten. «Einige Gruppierungen von Jugendlichen und Grillierern mussten auf die Vorgaben der Covid-19-Verordnung hingewiesen werden», so Planzer. Zehn Ordnungsbussen wurden basierend auf der Verordnung an Jugendliche und junge Erwachsene ausgesprochen, welche bereits durch die Polizei auf die Massnahmen aufmerksam gemacht worden waren. «Die Urner Gewerbebetriebe halten sich gut an die Vorgaben.» Auch werde die Polizeipräsenz von sehr vielen Personen geschätzt. Eine augenfällige Beobachtung macht Planzer zudem: «Das Verkehrsaufkommen beträgt zirka 20 bis 25 des normalen Verkehrsaufkommens.»

Einkaufscenter Urnertor. Offen sind nur die Geschäfte für die Grundversorgung

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