Jobtouristen
Einen Tag Stuntman oder Koch sein

Eine Online-Plattform ermöglicht es, den nie realisierten Traumberuf auszuüben. «Jobtourist» ist heute online gegangen.

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In der Schule wollen die Kinder Tierärztin, Stuntman, Pilot oder Tänzerin werden, in Realität werden sie Buchhalter, Bibliothekarin oder Maurer. Jetzt gibt es die Möglichkeit, doch noch seinen Traumberuf auszuüben. Der Verein jobtourist.net vermittelt so genannte Jobtours. Dabei offerieren Berufsleute ein- oder mehrtägige Erlebnisse in ihrem Beruf. Bereits haben sich auf der Homepage rund 25 Personen mit einem Angebot registriert. Das Spektrum ist gross: Coiffeur, Alpkäserin, Gärtner, Fotograf und Jungunternehmer. Auch spektakuläre Berufe sind auf der Homepage zu finden wie Stuntman, Motorfluglehrer oder Tätowierer.

Ziel ist ein möglichst authentisches Erlebnis, wie Initiantin Sophie Everett betont: «Wir ermuntern die Jobcoachs, dass der Jobtourist selber Hand anlegen kann.» So kann beim Tätowierer das Stechen auf synthetischer Haut geübt oder beim Lamazüchter ein Trekking begleitet werden. Für die Initianten ist wichtig, dass die Jobtours nicht zu Gruppenreisen werden. In der Regel werden nur ein bis zwei Personen den Profi begleiten. Die Preise einer Tour sind je nach Beruf unterschiedlich und reichen von 35 bis 1300 Franken. «Wir von Jobtourist lassen es dem Anbieter offen, wie viel er verlangt. Je nach Beruf entstehen Nebenkosten und die Infrastruktur muss bereitgestellt werden», sagt Everett.

Tomatensuppe war der Auslöser

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, Berufe zu Touristenangeboten zu machen? «In einem Restaurant machten wir uns Gedanken, welche Traumferien wir buchen würden, wenn Geld keine Rolle spielte», erklärt Everett. «Mein Freund meinte darauf, er würde einen Tag dem Koch über die Schultern blicken wollen, der seine Tomatensuppe zubereitet hat.» Da es aber eine solche Möglichkeit bisher nicht gab, entwickelten die beiden die Plattform Jobtourist. Witzig dabei, exakt der Koch, dessen Tomatensuppe der Auslöser für das Projekt war, bietet zur Lancierung eine Jobtour an.

Wunsch ist eine globale Plattform

Auch wenn Jobtourist nach einem Ferienangebot klingt, richtet es sich nicht an typische Touristen. Vielmehr soll es eine kurze Bildungsreise werden. «Wir hoffen auf Leute ab 35 oder älter, die ihren Kindheitstraum erfüllen wollen», so Everett. Ab 18 Jahren kann man eine Jobtour buchen. In einem weiteren Schritt könnten auch ausländische Touristen angesprochen werden, die die Schweiz zum Beispiel bei der Arbeit eines Käsers von einer ganz besonderen Seite kennen lernten. Eine räumliche Ausdehnung von der Deutschschweiz in den gesamten deutschsprachigen Raum ist bereits in Planung. Und wer weiss, vielleicht gibt es das Angebot einst global, zum Beispiel mit Schafescheren in Neuseeland.

Konkrete Angebote sowie die Möglichkeit, eine Jobtour zu buchen, sind seit heute online. Im Vorfeld leistete das junge dreiköpfige Team aus Bern viel Planungs- und Rekrutierungsarbeit. «Unser Ziel war es, bis zum Start 100 Profile im Angebot zu haben. Das haben wir leider nicht erreicht», sagt Everett. Dennoch ist sie zufrieden mit dem breiten Spektrum und überzeugt von dessen Attraktivität.

www.jobtourist.net