Brandschutz
Einen Tag nach dem Londoner Grossbrand: Wäre ein solches Inferno auch in der Schweiz möglich?

Einen Tag nach dem Wohnhaus-Inferno in London stellt man sich die Frage: Wie wäre der Brand bei uns verlaufen? Die Schweiz hat dem Stand der Technik angemessene Brandschutzvorschriften. Diese gewährleisten ein hohes Sicherheitsniveau, sagt die Generalsekretärin der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Christoph Bopp
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Einen Tag nach dem verheerenden Grossbrand in einem Londoner Wohnblock ist die Brandursache noch immer nicht geklärt.

Einen Tag nach dem verheerenden Grossbrand in einem Londoner Wohnblock ist die Brandursache noch immer nicht geklärt.

AP

Natürlich wird sich kein Experte zitieren lassen, dass «so etwas in der Schweiz nicht möglich» wäre. Erstens weiss man immer noch nicht genau, was in London im Grenfell Tower wirklich passiert ist; und zweitens haben Katastrophen an sich, dass sie sich immer anders ereignen, als man erwartet hat.

Was man aber sagen kann, ist, dass die Sicherheits-Standards in Sachen Brandschutz in der Schweiz sehr hoch sind. Föderalismus und Kantönligeist gibt es hier nicht: Die Brandschutz-Vorschriften gelten schweizweit.

Bilder vom Grossbrand im Grenfell Tower in London:

Die Hochhaus-Ruine am Mittwochnachmittag.
44 Bilder
Hier kämpfen Feuerwehrleute noch gegen das Feuer.
Ein Feuerwehrmann bei den Bergungsarbeiten im zerstörten Gebäude.
Ein geborgener Leichnahm wird auf einer Bahre abgeführt.
Feuerwehrleute steigen im komplett zerstörten Erdgeschoss ins Hochhaus ein.
Eine Drohne fliegt am niedergebrannten Hochhaus vorbei.
Ein Bild der Zerstörung am Londoner Hochhaus.
Erschöpfte Feuerwehrleute nach ihrem Einsatz.
Grenzenlose Trauer bei Betroffenen nach dem Inferno.
Eine Frau trauert nach dem Hochhaus-Grossbrand.
Ein Anwohner schützt sich mit einer Maske vor dem Rauch.
Fussgänger auf einer Brücke bei London vor dem Hochaus.
Notfallgegenstände werden an betroffene Personen abgegeben.
Anwohnerin Georgina steht nach dem Brand schockiert auf dem Balkon.
Noch immer dringen viel Rauch und Flammen aus dem Gebäude.
Die Feuerwehr ist seit Stunden im Einsatz.
Diese Feuerwehrleute legen eine Pause ein, um wieder zu Atem zu kommen.
In diesem Londoner Hochhaus brach am frühen Mittwochmorgen ein verheerender Brand aus.
Die Feuerwehr ist seit Stunden im Einsatz.
In diesem Londoner Hochhaus brach am frühen Mittwochmorgen ein verheerender Brand aus.
Beim Brand eines Hochhauses in London sind laut der Feuerwehr mehrere Menschen ums Leben gekommen.
Nach Angaben eines Augenzeugen sind in der Nacht Menschen aus dem brennenden Hochhaus gesprungen.
Londoner Hochhaus-Inferno
Die Polizei wurde eigenen Angaben zufolge kurz nach 01.00 Uhr Ortszeit alarmiert.
Die Feuerwehr und Rettungssanitäter vor Ort
Eine dichte Rauchwolke steigt über London auf
Das Hochhaus, genannt Grenfell Tower, hat 27 Stockwerke
Nach Zeugenberichten haben viele Menschen verzweifelt im brennenden Hochhaus in London an den Fenstern gestanden und um ihr Leben geschrien.
Feuerwehrleute warten auf ihren Schichtbeginn
Menschen waren im Innern des Hauses eingeschlossen

Die Hochhaus-Ruine am Mittwochnachmittag.

Victoria Jones

Das zeigen die Zahlen: 2014 zählte man in der Schweiz laut der Schadenstatistik der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (vkf) 0,22 Brandtote/100 000 Einwohner. Das Center of Fire Statistics gibt an: Grossbritannien 0,5, Frankreich 0,4, Holland 0,4. Russland hat 7,0, die USA 1,0, Singapur kommt ebenfalls auf 0,2.

«Für grössere Bauten ist ein ausgearbeitetes Brandschutzkonzept Bestandteil des Baubewilligungsgesuchs», sagt Christina Troglia, Generalsekretärin der Aargauischen Gebäudeversicherung, «es muss den Brandschutzvorschriften entsprechen und die bauliche Umsetzung wird von uns genehmigt und kontrolliert.»

Gebäude, die höher sind als 30 Meter, gelten dabei als «Hochhäuser». Für sie gibt es eigene, strengere Vorschriften. Das betrifft Massnahmen, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern, aber auch Rettungswege für die Bewohner und Zugangswege für die Feuerwehr.

Rauchfreie Treppenhäuser

Wichtig ist, dass das Treppenhaus von Hochhäusern «einen eigenen Bauabschnitt» bildet. Neue Hochhäuser müssen obligatorisch mit einer sogenannten «Rauchdruckanlage» ausgerüstet sein. Sie garantiert, dass im Brandfall das Treppenhaus rauchfrei bleibt und die Bewohner das Haus sicher verlassen können. In der Fassade von Hochhäusern darf kein brennbares Material verbaut werden. Und die Wohnungen müssen so gebaut sein, dass sie 90 Minuten lang «Feuerwiderstand» leisten.

«Flucht- und Rettungswege können als Verkehrswege genutzt werden. Sie sind jederzeit frei und sicher benützbar zu halten. Sie dürfen ausserhalb der Nutzungseinheit keinen anderen Zwecken dienen.» So steht es in der Brandschutznorm der vkf. Brandschutzkonzepte sind aber immer nur so gut, wie sie gelebt werden. Wenn die vorgesehenen Fluchtwege von Bewohnern als Abstellzonen zweckentfremdet werden, nützen die Vorschriften nichts.

Wenn das Gebäude fast fertig ist

Aus Sicht der Gebäudeversicherer die gefährlichste Phase ist aber nicht der Routine-Betrieb. Am späten Abend des 10. April 2013 brannte der Campusneubau der FHNW in Windisch. Das Gebäude war kurz vor der Fertigstellung.

Bilder vom Brand auf dem Campusneubau der FHNW in Windisch:

Am 10. April 2013 brannte es im Campus-Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz.
8 Bilder
Das Gebäude stand kurz vor der Fertigstellung.
Die alarmierte Feuerwehr war rasch vor Ort.
Sie stiess im mehrstöckigen Verbindungstrakt zwischen den beiden Hauptgebäuden auf den Brandherd.
Etliche Scheiben gingen in der Gluthitze zu Bruch.
Personen wurden nicht verletzt. Ein Feuerwehrmann war aber wegen Erschöpfung zusammengebrochen.
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch.
Kopie von Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch (10. April 17)

Am 10. April 2013 brannte es im Campus-Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Regina Grob

Als Brandursache vermutet werden Lappen, die mit einem leichtentzündlichen Öl getränkt waren. Das Öl brauchte man für Parkettarbeiten. Es wurde der bis jetzt grösste Brandschadenfall der Aargauischen Gebäudeversicherung: 25 Millionen Franken. Wie viel davon von wem gezahlt werden muss, ist noch Gegenstand gerichtlicher Abklärungen.