Brandschutz

Einen Tag nach dem Londoner Grossbrand: Wäre ein solches Inferno auch in der Schweiz möglich?

Einen Tag nach dem verheerenden Grossbrand in einem Londoner Wohnblock ist die Brandursache noch immer nicht geklärt.

Einen Tag nach dem verheerenden Grossbrand in einem Londoner Wohnblock ist die Brandursache noch immer nicht geklärt.

Einen Tag nach dem Wohnhaus-Inferno in London stellt man sich die Frage: Wie wäre der Brand bei uns verlaufen? Die Schweiz hat dem Stand der Technik angemessene Brandschutzvorschriften. Diese gewährleisten ein hohes Sicherheitsniveau, sagt die Generalsekretärin der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Natürlich wird sich kein Experte zitieren lassen, dass «so etwas in der Schweiz nicht möglich» wäre. Erstens weiss man immer noch nicht genau, was in London im Grenfell Tower wirklich passiert ist; und zweitens haben Katastrophen an sich, dass sie sich immer anders ereignen, als man erwartet hat.

Was man aber sagen kann, ist, dass die Sicherheits-Standards in Sachen Brandschutz in der Schweiz sehr hoch sind. Föderalismus und Kantönligeist gibt es hier nicht: Die Brandschutz-Vorschriften gelten schweizweit.

Bilder vom Grossbrand im Grenfell Tower in London: 

Das zeigen die Zahlen: 2014 zählte man in der Schweiz laut der Schadenstatistik der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (vkf) 0,22 Brandtote/100 000 Einwohner. Das Center of Fire Statistics gibt an: Grossbritannien 0,5, Frankreich 0,4, Holland 0,4. Russland hat 7,0, die USA 1,0, Singapur kommt ebenfalls auf 0,2.

«Für grössere Bauten ist ein ausgearbeitetes Brandschutzkonzept Bestandteil des Baubewilligungsgesuchs», sagt Christina Troglia, Generalsekretärin der Aargauischen Gebäudeversicherung, «es muss den Brandschutzvorschriften entsprechen und die bauliche Umsetzung wird von uns genehmigt und kontrolliert.»

Dieses Video zeigt die lodernden Flammen im Londoner Wohnblock.

Gebäude, die höher sind als 30 Meter, gelten dabei als «Hochhäuser». Für sie gibt es eigene, strengere Vorschriften. Das betrifft Massnahmen, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern, aber auch Rettungswege für die Bewohner und Zugangswege für die Feuerwehr.

Rauchfreie Treppenhäuser

Wichtig ist, dass das Treppenhaus von Hochhäusern «einen eigenen Bauabschnitt» bildet. Neue Hochhäuser müssen obligatorisch mit einer sogenannten «Rauchdruckanlage» ausgerüstet sein. Sie garantiert, dass im Brandfall das Treppenhaus rauchfrei bleibt und die Bewohner das Haus sicher verlassen können. In der Fassade von Hochhäusern darf kein brennbares Material verbaut werden. Und die Wohnungen müssen so gebaut sein, dass sie 90 Minuten lang «Feuerwiderstand» leisten.

«Flucht- und Rettungswege können als Verkehrswege genutzt werden. Sie sind jederzeit frei und sicher benützbar zu halten. Sie dürfen ausserhalb der Nutzungseinheit keinen anderen Zwecken dienen.» So steht es in der Brandschutznorm der vkf. Brandschutzkonzepte sind aber immer nur so gut, wie sie gelebt werden. Wenn die vorgesehenen Fluchtwege von Bewohnern als Abstellzonen zweckentfremdet werden, nützen die Vorschriften nichts.

Wenn das Gebäude fast fertig ist

Aus Sicht der Gebäudeversicherer die gefährlichste Phase ist aber nicht der Routine-Betrieb. Am späten Abend des 10. April 2013 brannte der Campusneubau der FHNW in Windisch. Das Gebäude war kurz vor der Fertigstellung.

Bilder vom Brand auf dem Campusneubau der FHNW in Windisch:

Als Brandursache vermutet werden Lappen, die mit einem leichtentzündlichen Öl getränkt waren. Das Öl brauchte man für Parkettarbeiten. Es wurde der bis jetzt grösste Brandschadenfall der Aargauischen Gebäudeversicherung: 25 Millionen Franken. Wie viel davon von wem gezahlt werden muss, ist noch Gegenstand gerichtlicher Abklärungen.

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