Pratteln

Einen Deckel für die Autobahn in Pratteln

Planung: Links das Dorf, rechts im Vordergrund das Längiquartier. Dazwischen wird das Gewerbe- und Wohngebiet Salina Raurica gebaut. MZ-Archiv

Pratteln

Planung: Links das Dorf, rechts im Vordergrund das Längiquartier. Dazwischen wird das Gewerbe- und Wohngebiet Salina Raurica gebaut. MZ-Archiv

Die Autobahn soll zwischen den Ausfahrten Pratteln und Liestal teilweise überdacht werden, fordern zwei parlamentarische Vorstösse. Damit würde Salina Raurica besser an Pratteln angebunden.

Daniel Haller

Verlief die Autobahn A2 bisher am Nordrand von Pratteln und lag einzig das als entfernter Satellit gebaute Längi-Quartier nördlich der Autobahn, so wird sich dies mit dem Bau von Salina Raurica grundsätzlich ändern: 8000 Arbeitsplätze und 1600 neue Einwohner sollen sich im grössten Planungsgebiet des Kantons ansiedeln. Somit wird die Autobahn zum trennenden Element des Prattler Siedlungsgebiets: «Ein Dach über die Autobahn würde das ganze Gebiet aufwerten, das sonst wie durch einen Graben zerschnitten ist», meint Dominik Holenstein (Unabhängige Pratteln).

Holenstein hat eine Motion im Einwohnerrat eingebracht mit dem gleichen Ziel, das Philipp Schoch (Güne, Pratteln) mit einem Postulat im Landrat verfolgt: die Überdachung der Autobahn im Gebiet von Salina Raurica.

Noch kein konkretes Projekt

Dabei geht es den beiden Grünen in erster Linie um die Verbindung der künftigen Ortsteile von Pratteln: «Am Beispiel der Längi hat man gesehen, dass die Integration der Bevölkerung schwierig ist, wenn zu wenig Verbindungen zum Dorf bestehen», erklärt Holenstein. Zwar habe man nun mit der Station Salina Raurica die Anbindung per ÖV deutlich verbessert, meint dazu Schoch. Doch auch für Fussgänger und Velofahrerinnen müsste man attraktive Wege zu den Schulen, Läden und Gemeindeeinrichtungen im Dorf schaffen.

Wo ein solcher Langsamverkehrs- und Sozialkorridor über die A2 liegen und wie er gestaltet sein müsste, lassen die Initianten offen. «Die Gemeinde entwirft dafür Szenarien und Pläne, insbesondere auch für die Gestaltung und Nutzung der überdeckten Autobahnfläche», schreibt Holenstein in seiner Motion, die im Einwohnerrat für den 29. März traktandiert ist. Weiter solle die Gemeinde die entsprechenden Projektstudien vorfinanzieren und das Geld später bei Kanton und Bund - die A2 ist Nationalstrasse - zurückfordern.

Schoch seinerseits fordert den Regierungsrat auf, eine Teil-Überdeckung der Autobahn zu prüfen und mit den Bundesbehörden erste Abklärungen zu treffen. «Man wird sowieso Lärmschutzwände bauen müssen», betont Holenstein. «Deshalb ist es richtig, über ein Dach über die Autobahn zu diskutieren: wenn nicht jetzt, wann dann?»

Bezahlen soll der Bund

Der Anstoss müsse aus der Region kommen. Aber da es eine Nationalstrasse ist, müsste der Bund aus den Geldern für den Strassenbau eine solche Landschafts-Reparaturmassnahme finanzieren.

Die Finanzierung dürfte in der Tat der Knackpunkt werden. Als Nationalrat Hans Rudolf Gysin vor acht Jahren neben dem St-Jakob-Stadion die Autobahn überdecken wollte, um Park-and-Ride-Parkplätze zu schaffen, wurden die Kosten in der Baudirektion mit 100Millionen Franken beziffert. Damit war das Projekt vom Tisch.

Immerhin aber zeigt der damalige FDP-Vorstoss, dass die Mehrfachnutzung des knappen Raumes, indem man Verkehrsinfrastruktur überdacht, keine exklusiv grüne Idee ist. Dies dürfte dem Prattler Autobahndeckel Rückenwind verschaffen, auch wenn Holenstein im Einwohnerrat die Fühler in Richtung der anderen Parteien noch nicht ausgestreckt hat.

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