Stefan Brändle, Paris

Sozialisten, Kommunisten, Grüne von «Europe-Ecologie» und andere Linksparteien feierten in Frankreich am Sonntagabend einen überwältigenden Sieg bei den Regionalwahlen. Nachdem sie schon im ersten Wahlgang vor einer Woche rund 53 Prozent der Stimmen erzielt hatten, legten sie in der Stichwahl erneut auf über 54 Prozent zu. Prominente UMP-Vertreter wie Jean-François Copé räumten eine «wirkliche Niederlage» ein.

Einziger Trost für die regierende Rechte ist das Elsass. An der äussersten Ostgrenze Frankreichs gelegen und historisch mehrmals zu Deutschland gehörig, bleibt nur diese Festlandregion bürgerlich «blau». Ansonsten ist die Frankreich-Karte heute rosa gefärbt. Vom Atlantik bis in den Jura, von industriellen Norden bis zur Mittelmeerinsel Korsika regieren linke Regionalräte.

Da die Linke schon bei den letzten Regionalwahlen 2004 einen ähnlichen Wahlsieg errungen hatte, wechselt die Mehrheit auf dem französischen Festland nur in einem Fall: Neu erhält auch Korsika einen links geführten Regionalrat. Von den 22 Festland-Regionen beherrschen die Sozialisten nun 21Regionalräte. Von den vier französischen Überseegebieten, wo stets besondere Umstände herrschen, konnte die Rechte immerhin die Insel La Réunion im Indischen Ozean erobern.

Der UMP fehlt der Juniorpartner

Es zeigt sich, dass die UMP heute relativ isoliert ist. Anders als früher konnte sie im zweiten Wahlgang kaum mehr von Listenfusionen mit den Zentrumsdemokraten profitieren. Sarkozy hat seit der Präsidentschaftswahl 2007 alles unternommen, um die Mittepartei MoDem zu schwächen - und damit auch ihren Vorsteher François Bayrou, der ihm 2007 gefährlich geworden war. Deshalb ermangelt es der UMP heute an einem Juniorpartner.

Für Sarkozy ist das Wahlresultat eine persönliche Niederlage. Erwartet wird eine Regierungsumbildung. Nur wenige Pariser Medien wie Libération meinen allerdings, dass auch Premierminister François Fillon abgelöst wird. Sarkozy weiss zudem kaum, welche politische Bedeutung er einer Regierungsumbildung geben sollte.

Sozialistische Minister raus?

Viele UMP-Vertreter verlangen von ihrem Präsidenten, dass er die Regierungstaktik einer «Ouverture» mit Sozialisten wie Aussenminister Bernard Kouchner schleunigst aufgebe. Schickt Sarkozy die linken Minister in die Wüste, verstösst er aber gegen das Wählerverdikt, das er respektieren will, wie Fillon gestern sagte. Der Wahlsieg der Linken dürfte der Regierung auch sozialpolitisch Ungemach bereiten. Le Monde kündigte am Samstag einen «dritter Wahlgang» mit Streiks an. Den ersten organisiert die Gewerkschaft CGT am Donnerstag.

Unsicher ist, ob sich für Sarkozy auch die persönlichen Perspektiven bei den Präsidentenwahl 2012 verdüstern. Linke und grüne Kandidaten wie Martine Aubry, Ségolène Royal, Dominique Strauss-Kahn oder Daniel Cohn-Bendit dürften sich nach dem Wahlsieg noch stärker als bisher auf den Füssen herumstehen, während Sarkozy auf der Rechten kaum ernsthafte Rivalen zu fürchten hat.