Oberengstringen
Eine Wahl mit leisen Untertönen

Claudia Trüeb ist die neue Oberengstringer Gemeinderätin, Claudio Piovesan der neue Schulpfleger. Die Wahl für den Schulpflegesitz verlief jedoch nicht ganz ohne Kontroverse.

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Ersatzwahlen Oberengstringen

Ersatzwahlen Oberengstringen

Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

Gleich zwei Siege gab es zu feiern, am Sonntagnachmittag, vor dem Oberengstringer Räbhüsli: Claudia Trüeb (FDP) war in den Gemeinderat gewählt worden, der parteilose Claudio Piovesan in die Schulpflege. Es gab Blumen für die Sieger, man prostete, strahlte und freute sich.

Anfrage auf der Gemeindekanzlei

Doch nebst den Gratulationen war an dem Apéro, an den die FDP eingeladen hatte, ein leiser Misston nicht zu überhören. CVP-Gemeinderat René Beck, der Gemeindepräsident Reto Cavegn vertrat, erwähnte in seiner offiziellen Gratulationsansprache, dass im Vorfeld der Ersatzwahl für den Schulpflegesitz «nicht alle nach den Spielregeln gespielt» hätten. Er appellierte an mehr politische Fairness und betonte, dass Piovesan Mitte Juli im Amt sein könne, «falls keine Stimmrechtsbeschwerde eingehen werde».

Damit sprach Beck den Wahlkrimi an, welcher sich in den letzten Tagen vor der Wahl abgespielt hatte. Nachdem es lange keine Kandidaten für den Schulpflegesitz gab, hatte am Dienstag ein eilig gegründetes Komitee «Pro Tanja Seiler» die FDP-Präsidentin als Schulpflegerin empfohlen. Seiler selber betonte jedoch, sie sei keine Kandidatin - während Schulvorstand André Bender meinte, er sei erstaunt über die Blitzaktion. Schon am nächsten Tag überschlugen sich die Ereignisse: Die SP Oberengstringen verkündete, man habe mit Claudio Piovesan nun einen offiziellen Kandidaten gefunden. Auf den Webseiten der SP und der Schule Oberengstringen wurde Piovesan zur Wahl empfohlen.

«Ich möchte nach vorne blicken»

Aufgrund der Tatsache, dass die Schule Piovesan propagierte, habe sich am Freitag jemand auf der Gemeinderatskanzlei gemeldet, erklärte Beck. Möglicherweise würde der Anfrage eine Beschwerde beim Bezirksrat folgen. Dies müsste jedoch in den nächsten fünf Tagen geschehen - ansonsten ist die Wahl gültig.

Piovesan selber, der mit 99 Stimmen nur 10 Stimmen über dem absoluten Mehr lag, liess sich von den Nebengeräuschen, die seine Wahl begleiteten, nicht irritieren. «Ich möchte nach vorne blicken und meine Energie auf die Ausübung meines Amtes konzentrieren», meinte er. «Ich bin glücklich, dass ich gewählt worden bin und dass mir die Leute so viel Vertrauen entgegen gebracht haben. Ich freue mich darauf, mich für das Gemeindeleben einsetzen zu können.»

Auch Schulvorstand Bender freute sich über die Wahl, wenn er auch betonte, sie sei nicht ganz so gelaufen, wie er sich das vorgestellt habe: «Ich hätte lieber wie im Gemeinderat vorbesprochen, eine stille Wahl durchgeführt, damit man den Kandidat auch richtig hätte bekannt machen können.» Doch sei es positiv, dass mit Piovesan ein motivierter und fähiger Kandidat gewählt worden sei.

Eindeutiges Ergebnis für Claudia Trüeb

SP-Gemeinderätin Käthi Mühlemann war ebenfalls erfreut über die Wahl: «Er ist der richtige Mann für den Job.» Dass der Wahl ein paar turbulente Tage vorangegangen seien, hinterlasse bei ihr keinen bitteren Nachgeschmack, meinte sie: «Es ist mir hundert Mal lieber, es findet ein Wahlkrimi statt, als wenn bloss Totenstille herrscht.»

Ganz ohne Kontroverse war indessen Claudia Trüebs Wahl verlaufen. Als einzige Kandidatin war die FDP-Frau mit 338 Stimmen souverän gewählt worden - das absolute Mehr lag bei 192 Stimmen. «Das ist ein grosser Erfolg, auf den sie stolz sein darf», meinte dazu FDP-Präsidentin Tanja Seiler in ihrer Ansprache. Trüeb bedankte sich bei den Anwesenden für das Vertrauen und versprach, sich für ein lebendiges, attraktives Oberengstringen und für offene Kommunikation einzusetzen: «Ich freue mich auf die Aufgabe.»

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