Harter Winter
Eine tödliche Bedrohung: Das Eis macht auch dem Eisvogel zu schaffen

Der milde Winter fand Anfang Februar ein abruptes Ende. Temperaturen von bis zu minus 35 Grad liessen vielerorts Gewässer gefrieren. Das Eis beschäftigt aber nicht nur uns Menschen. Auch Vögel wie der Eisvogel kämpfen mittlerweile ums Überleben.

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Seit Anfang Februar befindet sich die Schweiz im eisigen Griff der sibirischen Kälte. Bis zu minus 35 Grad wurden in Teilen der Schweiz gemessen. Kappen und Handschuhe sind angesagt, um am Bahnhof auf die verspäteten Züge zu warten oder um das Auto vom Eis zu befreien.

Der Shooting-Star ist bedroht

Doch das Eis macht nicht nur uns Menschen schwer zu schaffen. Auch die Fauna unter dem harten Winter zu leiden. Viele Tiere müssen notgefüttert werden. Doch nicht alle lassen sich von Menschenhand ernähren. Vor allem der Shooting-Star unter den Schweizer Vögeln, der Eisvogel, ist mittlerweile sogar vom Tod bedroht.

Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist wegen seinen schillernden Farben und seiner Seltenheit ein sehr populärer Wintergast in der Schweiz. 2006 wurde er zum «Schweizer Vogel des Jahres» gekürt und gilt als «verletzlicher» Vogel. Aus diesem Grund ist er in der Schweiz geschützt. Der Eisvogel ernährt sich hauptsächlich von kleinen Fischen, von denen er täglich etwa 20 zu sich nehmen muss. Da die Kälte in der Schweiz aber ein Gewässer nach dem andern einfrieren lässt, haben die Eisvögel zurzeit gegen den Hungertod zu kämpfen.

Der Eisvogel vom Eis bedroht

«Vor allem die Schweizer Standvögel haben mit der Kälte zu kämpfen: Wenn der Boden und die Gewässer einfrieren, können sich die Vögel nicht mehr ernähren», sagt Michael Schaad von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Da der Eisvogel sehr standorttreu ist, kann er auch nicht einfach wie die Zugvögel weiterziehen. Der Eisvogel müsse die Kälte durchstehen und auf baldige Besserung hoffen, erklärt Schaad.

Der Eisvogel tödlich vom Eis bedroht? Schaad: «Tönt ein wenig paradox. Doch der Eisvogel hat rein gar nichts mit Eis am Hut, im Gegenteil.» Der Name Eisvogel ist vom altdeutschen Wort «eisan» abgeleitet, was schillernd oder glänzend bedeutet.

Auf der Suche nach der Arche

Um sein schönes Aussehen ranken sich zahlreiche Sagen. Die wohl bekannteste: Noah soll den damals noch grauen Vogel der Taube hinterher geschickt habe, um auszukundschaften ob sich das Wasser bereits zurückgezogen hatte. Um einem Sturm auszuweichen flog der Vogel in die Höhe und immer höher und höher - bis er höher als die Sonne flog. Dabei brannte sich die rote Farbe der Sonne in seinen Bauch, der Rücken nahm die Farbe des Himmels an.

Die Sage erklärt auch, wieso der Eisvogel sich immer beim Wasser aufhält. Weil der Eisvogel nach seiner Rückkehr auf die Erde die Arche nicht mehr finden konnte, sucht er noch heute die Gewässer nach der Arche ab. Bleibt zu hoffen, dass dem herrlichen Eisvogel seine Suche nicht endgültig zum Verhängnis wird. (cht)