Qualzucht
Eine Stiftung wehrt sich für die Tiere – für die Qualzüchter wird es eng

Kieferschäden, Atemprobleme und Missbildungen – Züchter nehmen bei Qualzuchten in Kauf, dass die Tiere chronisch leiden. Damit soll jetzt aber Schluss sein: Die Stiftung «Tier im Recht» hat sieben Schweizer Züchter angezeigt.

Roman Huber
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Chinesischer Nackthund an einer Ausstellung in St
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Eine Nacktkatze aus Rumänien
Qualzucht
Ein Pekinese in China
Die Zuschauer erfreuen sich an einer Nacktkatze in Israel
Ein Mops an einer Schweizer Hundeausstellung

Chinesischer Nackthund an einer Ausstellung in St

Keystone

Haarlose Katzen oder Hunde, die keine Schnurr- oder Tasthaare mehr haben, oder solche, deren angezüchtete eingedrückte Schnauze Atemprobleme und Kieferschäden bereitet, stellen sich possierlich an Ausstellungen zur Schau. Züchter nehmen mit diesen Missbildungen aus Qualzuchten in Kauf, dass die Tiere dadurch chronisch leiden. Dagegen will die Stiftung Tier im Recht nun vorgehen.

Behördliches Verbot als Ziel

Es sei das erste Mal, dass man in der Schweiz wegen Qualzucht Strafanzeige eingereicht habe, betont Gieri Bolliger, Geschäftsleiter der Stiftung Tier im Recht. Diese will damit gegen eine Tierquälerei vorgehen, die bislang in den Bemühungen des Tierschutzes untergegangen ist. Sieben Anzeigen hat «Tier im Recht» eingereicht, und zwar in den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich. «Damit bezwecken wir, dass das im Tierschutzgesetz verankerte Qualzuchtverbot behördlich durchgesetzt wird», erklärt Bolliger.

Man habe für diese Anzeigen keine langen Recherchen benötig, so Bolliger: «An Ausstellungen sind wir rasch fündig geworden.» Es handle sich dabei um schwerwiegende Fälle der Qualzucht, bei denen man nicht von Kavaliersdelikten sprechen dürfe. Die einzelnen Fälle seien umfassend dokumentiert, fügt Bolliger an.

Vor allem Haustiere betroffen

Die Strafanzeigen sollen exemplarisch wirken, sagt Bolliger. Damit will man gegen Züchter vorgehen, die aus ästhetischen und kommerziellen Interessen schwerst belastete Heimtiere züchten. «Durch die Fehl- oder Defektzucht leiden Tiere oft ein Leben lang und werden in ihrer natürlichen Verhaltensweise massiv eingeschränkt.» Haarlose Katzen und Hunde seien schutzlos Sonne oder Kälte ausgesetzt, die Haut sei sehr verletzlich. Erwähnt werden auch überlange Dackel mit Rückenleiden oder überzüchtete Schäferhunde mit Hüft- und Ellbogen-Dysplasie. Man wolle keine Rassen verbieten, so Bolliger, doch die Rassenclubs seien jetzt gefordert, ihre Standards zu korrigieren. Leider werde dort vieles schöngeredet.

Qualzuchten sind vornehmlich im Heimtierbereich anzutreffen, kommen aber auch in der Landwirtschaft vor. Spezielle gezüchtete Kühe mit überdimensionierten Eutern oder Rinder mit übermässigem Muskelpaket sollen die Erträge verbessern.

Das Gesetz spricht von Qualzucht, wenn bedingt durch das Zuchtziel Schmerzen, Schäden oder Verhaltensstörungen auftreten oder das Tier in der Würde verletzt wird. Als Qualzucht gilt gar, wenn mit solchen Anomalien gerechnet werden muss.