«Eine Stadtpräsidentin kann Anregungen geben»

Mit Corine Mauch (SP) hat Zürich erstmals eine Stadtpräsidentin. Die 48-Jährige will in ihrem neuen Amt nicht befehlen, sondern Anregungen geben. Eine Steuerfusserhöhung ist für sie trotz Krise «im Moment kein Thema».

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Limmattaler Zeitung: Frau Mauch, die Stimmberechtigten haben Sie zur neuen Zürcher Stadtpräsidentin gewählt. Wird man merken, dass jetzt ein neuer Wind weht?

Corine Mauch: Hoffentlich! Allerdings kann ich noch nicht genau sagen, in welchen Bereichen man das merken wird. Sicher ist: Ich übernehme das Amt in einer Zeit der Krise; mein Vorgänger Elmar Ledergerber hatte den Vorteil, dass bei seinem Amtsantritt der Aufschwung begann. Aber wir haben immerhin Reserven, um diese Zeit zu überstehen.

Elmar Ledergerber hatte das Vergnügen, in seiner Amtszeit eine Steuersenkung ankündigen zu können. Werden Sie den Bürgerinnen und Bürgern eine Steuerfusserhöhung schmackhaft machen müssen?

Mauch: Ich hoffe nicht. Klar herrscht jetzt Unsicherheit, wie lange die Krise andauert und wie tief sie wird. Eine Steuerfusserhöhung ist aber im Moment kein Thema für mich. Wir müssen uns jedoch anstrengen, dass wir mit dem vorhandenen Mitteln klug agieren, und auch wieder Firmen nach Zürich holen, die hier Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen.

Wird sich der Gesamtstadtrat von einer jüngeren Kollegin, die erst vor sechs Wochen in die Regierung gewählt worden ist, führen lassen?

Mauch: Befehlen kann eine Stadtpräsidentin natürlich nicht, aber Anregungen werde ich geben können. Ich habe in meiner Zeit im lokalen Parlament erlebt, dass der Stadtrat ein hervorragend kooperierendes Gremium ist, das lösungsorientiert arbeitet. Ich habe Vertrauen, dass die Kolleginnen und Kollegen mir als Newcomerin keine Knüppel zwischen die Beine werfen.

Zu Ihrem Aufgabenbereich als Stadtpräsidentin gehört nicht zuletzt die Kultur. Muss man in diesem Bereich nicht auch sparen?

Mauch: Ich finde es nötig, dass man das bestehende breite und hochstehende Angebot jetzt nicht gefährdet. Es hat eine grosse Bedeutung – auch für den Wiederaufschwung.

Gleichstellungsfragen waren Ihnen wichtig. Werden Sie darauf ein besonderes Augenmerk richten?

Mauch: Die Fachstelle für Gleichstellung gehört in meinen Aufgabenbereich. Es ist zwar schon einiges besser geworden, aber ich sehe noch einigen Handlungsbedarf, gerade was die Besetzung von Kaderstellen angeht. Mehr Teilzeitstellen könnten auch hier einiges bewirken.

Wie halten Sie es mit der Repräsentation? Werden Sie auch nach Kunming fahren?

Mauch: Gerade Kunming ist ein gutes Beispiel für eine funktionierende Verbindung zwischen zwei Städten. Davon profitieren beide Seiten. Ich finde es sehr sinnvoll, dass wir da auch etwas im Sinne der Nachhaltigkeit tun können, etwa bei der Entwicklung der Wasserversorgung. Da braucht es Konstanz. Ich bin froh, dass dieses Engagement weitergeht, und auch, dass jetzt der Bund die meisten Kosten trägt.

Sie sind von Beruf Agrarökonomin. Wird man davon bei Ihrer Tätigkeit etwas spüren?

Mauch: Bei diesem Studium ist die Thematik sehr breit angelegt. Es spielen die verschiedensten Disziplinen mit hinein. Auch meine bisherige Tätigkeit war sehr breit gefächert. Das kommt mir jetzt auch als Stadtpräsidentin zugute.

Wird es der zuletzt schwächelnden SP Auftrieb geben, dass es gelungen ist, das Stadtpräsidium zu verteidigen?

Mauch: Klar, das gibt Elan. Wir können den Wahlkampf sogleich weiterführen. In einem Jahr sind ja schon Gesamterneuerungswahlen.

Junge SP-Mitglieder und Jungsozialisten in der Stadt Zürich wollen vermehrt an der Macht beteiligt werden und fordern einen Generationenwechsel – zum Beispiel bei den SP-Stadtratsmitgliedern.

Mauch: Von den Jusos wurde ich ja ausdrücklich unterstützt, ein erster Schritt zu einem Generationenwechsel ist bereits getan. Es ist wichtig, dass wir auch junge Leute nachziehen. Aber das darf nicht übers Knie gebrochen werden. Da sind noch einige Diskussionen nötig.