Wohlen
Eine Stadt oder doch eher ein grosses Dorf?

Vor der Abstimmung über die Stadterklärung von Wohlen reden Befürworter und Gegner nicht vom Gleichen.

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Jörg Baumann

Ist eine Stadt ohne Ringmauern und Häuser aus dem Mittelalter auch eine Stadt? Ja, sagt der Wohler Gemeinderat, der in der Abstimmungszeitung für die Stadterklärung von Wohlen wirbt.
Am 17. Mai stimmen die Wohlerinnen und Wohler über die Stadterklärung ab. In der Abstimmungszeitung werden die Argumente dafür und dagegen ausgetauscht. Der Gemeinderat führt einen bisher neuen Begriff ein. Er bezeichnet Wohlen als «Zwischenstadt», währenddem die kantonale Raumplanung der grössten Freiämter und viertgrössten Aargauer Gemeinde den Status der «Kernstadt» zuweist.

Angebot entscheidend

Nicht Stadtmauern und mittelalterliche Häuser entschieden darüber, ob sich eine Ortschaft als Stadt bezeichnen dürfe, meint der Gemeinderat. Wohlen halte einem Vergleich mit anderen Gemeinden mit seinen Freizeit- und Sportangeboten, den Einkaufsläden, einem dichten Dienstleistungsnetz, sozialen Einrichtungen, Schulen und Betreuungsangeboten durchaus stand.

Die Stadterklärung ziehe keine grossen Kosten nach sich, argumentiert der Gemeinderat weiter. Aber Wohlen werde, wenn es als Stadt auftrete, im Bund und Kanton «stärker wahrgenommen und gefördert». Den Anfang hätten unsere Vorfahren im 19. Jahrhundert gemacht, als sie Wohlen wegen der Strohgeflechtindustrie als «Chly Paris» bezeichnet hätten, schreibt der Gemeinderat in der Abstimmungszeitung.

Die Gegner der Stadterklärung zeichnen ein ganz anderes Bild. Wohlen habe keinen attraktiven Steuerfuss und keine hochstehende Einkaufszone, einen veralteten Zonenplan, keine Verkehrsplanung und schon gar keine Schnellzughalte. Allerdings holt die Gemeinde einiges von dem nach, was die Kritiker bemängeln: Zonenplan und Verkehrsrichtplan werden gegenwärtig überarbeitet. Die Bezeichnung «Stadt» wecke nur neue Begehrlichkeiten und führe dazu, dass die Kriminalität ansteige, einzelne Quartiere verslumten, es mehr Sozialfälle gebe und das mittelständische Gewerbe geschwächt werde, halten die Gegner fest. Der Gemeinderat müsse zuerst seine Hausaufgaben erledigen. Das Referendumskomitee sei bereit, die Aufgaben für eine «attraktive, wohnliche und charmante Gemeinde» in Angriff zu nehmen.