Oeschenbach
Eine Schule auf dem Land erhalten

Die Gemeinden Oeschenbach, Ursenbach und Walterswil wollen möglichst lange eine eigene Schule in ihrem Tal führen. Deshalb haben sie sich gegenseitig dazu verpflichtet, die Schule mittelfristig gemeinsam zu organisieren.

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Schule

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az Langenthaler Tagblatt

Jürg Rettenmund

Eine gemeinsame Schule mit einer Schulkommission, einer Schulleitung und mehreren Standorten: Das ist das mittelfristige Ziel der drei Gemeinden Oeschenbach, Ursenbach und Walterswil. Es soll in kleinen Schritten erreicht werden. So jedenfalls schlägt es eine Arbeitsgruppe vor, die sich seit November 2007 mit der Zukunft der Schule in diesem Nebental des Langetentales befasst. «Wir wollen eine eigene Schule auf dem Land behalten», erklärte Annerös Flückiger, Gemeinderätin mit Ressort Schule, an der Gemeindeversammlung in Oeschenbach, das Ziel dieser Zusammenarbeit.

Das Defizit der Rechnung ist kleiner

«Nicht gut, aber besser als erwartet» sei die Rechnung 2008 ausgefallen, stellte Oeschenbachs Gemeindepräsident Peter Haslebacher an der ersten von ihm geleiteten Versammlung fest. Bei einem Umsatz von 934 000 Franken schliesst diese mit einem Defizit von 22 500 Franken ab - das Budget rechnete mit einem Minus von 145 000 Franken. Vor allem höhere Steuereinnahmen (40 000 Franken mehr als im Vorjahr und 62 000 Franken mehr als budgetiert) führten zu dieser Besserstellung. Das Defizit kann dem Eigenkapital belastet werden, das danach noch 593 000 Franken beträgt.
Die übrigen Geschäfte der Versammlung waren nicht bestritten: Eine Teilrevision des Organisationsreglement und des Gebührenreglementes betreffend Datenschutz, ein Reglement für die Übertragung der Aufgaben des Bevölkerungsschutzes an die Zivilschutzorganisation Langenthal als Folge der Auflösung der Zivilschutzorganisation Madiswil, die Auflösung des ARA-Verbandes Lotzwil sowie zwei Kredite für den Ausbau der Schützenhausstrasse und eine Löschwasserleitung zum Löschwasserei im Brocherli (55 000, respektive 22 000 Franken).
18 von 206 Stimmberechtigten (8,7 Prozent) nahmen an der Gemeindeversammlung in Oeschenbachteil. (jr)

Gemeinderäte und Schulbehörden der drei Gemeinden haben den Vorschlägen der Arbeitsgruppe zugestimmt. Gegenwärtig ist diese daran, mit den drei Gemeinden einen Vertrag auszuarbeiten. Er soll die Zusammenarbeit ab dem Schuljahr 2010/11 regeln. Grundsätzlich haben sich die drei Gemeinden auch dazu verpflichtet, die Basistufe in Oeschenbach sowie die Realstufen in Ursenbach und Walterswil so lange wie möglich zu erhalten. Den fakultativen Unterricht wollen sie kombinieren, wenn dies möglich ist. Konkret hat sich Oeschenbach dazu verpflichtet, alle Schülerinnen und Schüler der dritten bis neunten Klasse ab dem Schuljahr 2010/2011 nach Walterswil zu senden. Dieses kann deshalb auf diesen Zeitpunkt eine weitere Primarklasse eröffnen.

Gegenwärtig besuchen die Schüler von Oeschenbach die Primarschule ab dem dritten Schuljahr in Kleindietwil, die Real- und Sekundarschule im Oberstufenzentrum Kleindietwil. Die gemeinsame Primarschule mit Kleindietwil läuft im nächsten Schuljahr aus, dieses arbeitet danach mit Leimiswil und Madiswil zusammen.

Keine Durchlässigkeit mehr

Am Oberstufenzentrum profitieren die Realschüler vom durchlässigen Niveauunterricht zwischen Sekundar- und Realschule. Die Realschüler, die 2010 das Oberstufenzentrum besuchen, werden ihre Schulzeit dort beenden können. Dann läuft diese Möglichkeit für die Oeschenbacher aus. Das sei der Preis, den Oeschenbach für die eigene Schule der drei Gemeinden zu bezahlen bereit sei, erklärte Annerös Flückiger auf Anfrage dieser Zeitung.

Umgekehrt haben Walterswil und Ursenbach zugesagt, die Basistufe in Oeschenbach zu unterstützen, damit diese so lange wie möglich erhalten werden kann. Die wegfallenden Kinder aus Kleindietwil sollen durch Kinder aus Ursenbach und Walterswil ersetzt werden. Das ist jedoch vorläufig nur auf freiwilliger Basis möglich, weil die Basisstufe Teil eines Pilotprojektes des Kantons ist. In der Basisstufe werden Kindergärteler sowie Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet.

Stärker verpflichten

Diese ungleiche Verbindlichkeit - Verpflichtung für Oeschenbach, Freiwilligkeit für Ursenbach und Walterswil - führte an der Gemeindeversammlung in Oeschenbach zu Fragen. Finanzverwalter Ruedi Heiniger und alt-Gemeindepräsident Ruedi Christen verlangten, dass die beiden Partnergemeinden stärker in die Pflicht genommen werden sollten: Wenigstens für den Fall, dass die Basisstufe vom Kanton definitiv eingeführt wird, sollte der Vertrag eine feste Verpflichtung enthalten, gemeinsam eine Basisstufe in Oeschenbach zu führen.

In Walterswil und Oeschenbach werden die Gemeindeversammlungen noch zu den Neuerungen Stellung nehmen können: In Walterswil zur Klasseneröffnung, in Oeschenbach zum Zusammenarbeitsvertrag und zu einer Änderung im eigenen Organisationsreglement. Die Schulen Ursenbach und Gassen erfahren aufs Schuljahr 2010/2011 keine Veränderungen.

Informationsanlass für alle drei Gemeinden: Montag, 22. Juni, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Oeschenbach.

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