Rassismus-Debatte

Eine Migros-Kassiererin sagt, was sie vom «Mohrenkopf»-Entscheid hält

Endlich keine "Mohrenköpfe" mehr auf dem Kassenband bei Migros.

Endlich keine "Mohrenköpfe" mehr auf dem Kassenband bei Migros.

Jennifer ist in der Schweiz aufgewachsen und arbeitet bei Migros. Wie viele andere Mitarbeiter hat sie selbst auch einen Migrationshintergrund. Sie erzählt, warum ihr der «Mohrenkopf» immer Bauschmerzen bereitet hat.

Ich arbeite jetzt schon seit mehreren Jahren für die Migros. Und ich muss sagen, ich bin wirklich froh, dass wir jetzt keine Dubler-«Mohrenköpfe» mehr verkaufen. Ich musste die nämlich den ganzen Tag anschauen, die werden bei uns direkt an der Kasse angeboten.

Ich hatte vor gut einem Jahr eine äusserst unangenehme Begegnung mit einem älteren Mann an der Kasse. Nennen wir ihn mal Herr Brunner. Er sagte mir ins Gesicht, dass es absolut richtig sei, dass diese Produkte «Mohrenköpfe» hiessen. Die Schwarzen müssten wissen, wo ihre Grenzen lägen, schimpfte Herr Brunner.

Ich bin ja eigentlich ziemlich schlagfertig, aber da verschlug es mir die Sprache. Mir ist das Herz in die Hosen gerutscht. Ich finde es deshalb auch ein bisschen irritierend, dass jetzt viele behaupten, sie hätten nicht um die Bedeutung des Wortes «Mohr» gewusst. Ich glaube, einigermassen gebildete Schweizerinnen und Schweizer wissen schon, was mit einem «Mohr» gemeint ist.

«Beim Einräumen der Dubler-‹Mohrenköpfe› haben wir immer wieder die Augen verdreht.»

Seit der Begegnung mit Herrn Brunner hasse ich es, diese Produkte ins Regal einzuräumen. Ich hatte immer Bauchschmerzen, wenn ich das tat. Wir haben auch schon intern über das Thema gesprochen. Eigentlich fanden es alle doof, dass wir das Produkt angeboten haben. Wir konnten aber nichts machen, das wird alles von oben entschieden.

Dazu müsst ihr eins wissen: Bei uns haben die meisten Mitarbeitenden einen Migrationshintergrund. Beim Einräumen der Dubler-«Mohrenköpfe» haben wir immer wieder die Augen verdreht. Und wenn ich einen verkauft habe, fühlte ich mich immer unwohl. Zum Glück wurde ich nie von einem schwarzen Kunden mit dem Thema konfrontiert. Ich hätte ihm wohl gesagt, dass ich nicht hinter dem Produkt stehe.

«Wieso muss man ein Geschäft machen mit einem Produkt, das andere verletzt?»

Ich finde, Herr Dubler könnte sein Produkt jetzt mal umbenennen. «Mohrenkopf» ist ein Wort, das andere verletzt. Dann sollte man doch den Anstand haben, den Namen zu ändern. Bei uns im Kassensystem heisst es zum Beispiel Schokoküsschen. Wieso nennen wir es nicht einfach alle so? Wieso muss man ein Geschäft machen mit einem Produkt, das andere verletzt?

Meine Schwiegermutter meinte immer, das sei halt Schweizer Tradition. Ich habe ihr dann gesagt, dass man hierzulande auch lange Hexen verbrannt und geköpft hat. Anna Göldi und so. Wenn Traditionen veralten, kann man die doch auch einfach abändern oder abschaffen. Die können dann in den Geschichtsbüchern verschwinden.

Auf jeden Fall habe ich mich sehr gefreut, dass ich das Produkt jetzt nicht mehr verkaufen muss. Ich hasse diesen Artikel. Dass dieses Produkt jetzt wegkommt, zeigt, dass sich die Migros offensichtlich viele Gedanken zum Thema Rassismus macht. Das schätze ich sehr.

Wenn Herr Brunner jetzt in die Migros kommt, was er eigentlich jeden Tag macht, kann ich mir ein Schmunzeln wohl nicht verkneifen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1