Nach dem Rücktritt von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (59) ist auch in der Bevölkerung die Stimmung gekippt. Nun ist eine klare Mehrheit für einen zweiten SVP-Vertreter im Bundesrat. Dies zeigt die repräsentative SonntagsBlick-Umfrage des Instituts Opinionplus. Nur noch 26 Prozent der Befragten wollen der Wahlsiegerin SVP den zweiten Sitz verweigern. 61 Prozent befürworten, dass Ueli Maurer (64) im Bundesrat ein Parteigspänli erhält.

Das widerspiegelt auch die Stimmung unter den Parteien. Ausser den Linken stellt keine Partei den Anspruch der SVP mehr so richtig in Frage. Noch deutlicher ist die Zustimmung, wenn ein gemässigter SVP-Kandidat zur Verfügung steht. 67 Prozent befürworten die Wahl eines Moderaten in den Bundesrat.

Mühe hätten die Befragten hingegen mit einem Hardliner: Dann würden nur 45 Prozent der SVP den zweiten Sitz zuhalten. Auch der bekannte SVP-Präsident Toni Brunner (41) sehen die Befragten eher nicht im Bundesrat. Nur 19 Prozent sprechen ihm das Format dafür klar zu. Ein Drittel hält ihn für eine mehr oder weniger gute Wahl und
37 Prozent wollen Brunner nicht im Bundesrat. Selbst bei den SVP-Wählern halten ihn nur 48 Prozent für eine «sehr gute Wahl».

Kein Verständnis zeigen die Befragten zudem für die Anti-Widmer-Schlumpf-Klausel der SVP. Die  Partei hatte nach der Wahl der Bündnerin und ihrem Ausschluss aus der Partei die Regel eingeführt, dass jeder SVP-Vertreter, der eine Wahl in den Bundesrat annimmt, obwohl er nicht offiziell von der eigenen Partei vorgeschlagen wurde, sofort aus der SVP-Fraktion ausgeschlossen wird.

Eine klare Mehrheit von 67 Prozent der Befragten sind der Meinung, das Parlament müsse völlig frei sein in ihrer Wahl. Nur 21 Prozent befürworten die Einschränkung auf die offiziell nominierten Kandidaten. Die Ausschluss-Klausel findet sogar bei den SVP-Wählern keine Mehrheit. Nur 33 Prozent der befragten SVP-Sympathisanten stützen die Einschränkung.