Lukas Schumacher

Im komfortabel eingerichteten Sitzungszimmer des Gemeinderats Zufikon tagt am Montagabend jeweils eine reine Männerrunde. Dies seit mittlerweile 12 Jahren. Annalise Schweizer war die letzte Zufiker Gemeinderätin. Sie trat Ende 1997 frustriert zurück. Im ersten Wahlgang war die parteilose Gemeinderätin nicht mehr gewählt worden, worauf sie nicht zum zweiten Wahlgang antrat.

Seit 1982 sass nur eine einzige weitere Frau im Gemeinderat Zufikon: Muriel Bloch von der FDP. Sie gehörte vor rund 25 Jahren dem Gemeinderat an.

Ursachenforschung

Ist Zufikon ein schwieriges Pflaster für Frauen, die sich in der Lokalpolitik engagieren wollen? Oder entsprangen die extrem frauenarmen Gemeinderatszeiten der letzten drei Jahrzehnte dem puren Zufall? Oder lag es vielleicht an unglücklichen politischen Konstellationen? «Eines weiss ich mit Sicherheit», sagt Zufikons Gemeindeammann Jürg Attinger, «in unserer Gemeinde herrscht gewiss keine frauenfeindliche Stimmung. Seit Jahren engagieren sich Zufiker Frauen seht stark in der Schulpflege.»

Die Männerdominanz im Gemeinderat führt Attinger auf einen simplen Umstand zurück: «Nur sehr wenige Frauen in unserer mittlerweile 4000 Einwohner zählenden Gemeinde haben im Gemeinderat mittun wollen. Nebst dem Willen und dem Mut mangelte es auch an der Frauenförderung. Unsere grösseren Ortsparteien schenkten der Frauenförderung nicht genügend Beachtung.»

Vor zwei Jahren fand in Zufikon ein Gemeinderatsersatzwahlkampf Mann gegen Frau statt. Dabei bezwang Christian Baumann (parteilos) Kontrahentin Christine Daborn (SVP) haushoch. Jürg Attinger: «Nicht weil sie eine Frau war, verlor Christine Daborn deutlich. Sondern weil die grosse Mehrheit Christian Baumann für die geeignetere Person hielt.»

«Ein klarer Fall»

Ergebnis einer Blitzumfrage bei drei Personen am Mittwoch auf der Schulstrasse in Zufikon: «Mehr Frauen in der Gemeindepolitik? Ein klarer Fall, das wäre überall wünschenswert, auch in Zufikon.» Ein älterer Passant fügte hinzu: «Es ist leider eine Tatsache, dass viel weniger Frauen ein Exekutivamt möchten als wir Männer.»