Lieni Füglistaller
Eine Hetzjagd auf Füglistaller?

Ein Darlehen ist für SVP-Nationalrat Lieni Füglistaller zur politischen Hypothek geworden. Sein Schuldner bezichtigt Füglistaller als Wucherer. Der SVP-Politiker ist überzeugt: Dahinter stecken die Leute, die ihm sein Nationalratsmandat abjagen wollen.

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Lieni Füglistaller

Lieni Füglistaller

Aargauer Zeitung

Von Urs Moser

Eigentlich könnte die Welt in Rudolfstetten ja endlich wieder in Ordnung sein. Die 20000 Franken, die der Freiämter Nationalrat Lieni Füglistaller einem gewissen Josef Beck aus Zürich geliehen hat, bekam er nach endlosen Schriftwechseln und einer Pfändungsandrohung nun doch noch samt Zinsen zurück.

Aber Bevor der Mann zahlte, hat er eine Strafanzeige gegen Lieni Füglistaller wegen versuchtem Wucher und versuchter Erpressung eingereicht. Josef Beck, der nach eigenen Angaben seit zwei Jahren kurz davor steht, ein revolutionäres Zündungssystem für Verbrennungsmotoren erfolgreich zu vermarkten, hatte im Sommer 2008 erstmals um eine Fristerstreckung zur Rückzahlung des Darlehens gebeten. Lieni Füglistaller war dazu auch bereit, wollte seinen Schuldner dafür aber einen hohen Preis bezahlen lassen. Er setzte einen neuen Darlehensvertrag auf, der für ihn zusätzlich zu den 20000 Franken plus Zinsen einen «Bonus» von 50000 Franken vorsah.

Das hätte er besser bleiben lassen. Nach Darstellung von Lieni Füglistaller wäre der Bonus nur im effektiven Erfolgsfall geschuldet gewesen. Aber seit die Aargauer Zeitung Ende Januar über die Forderung berichtete, ist hinter den Kulissen ein Kesseltreiben gegen den Nationalrat in Gang, der sich gern als zupackender Unternehmer und Unternehmensförderer dargestellt sieht, nun aber als skrupelloser Abzocker dastand. Die Strafanzeige wegen versuchtem Wucher und versuchter Erpressung stellt den vorläufigen Höhepunkt der Eskalation dar. Josef Beck hatte sie erst Mitte Februar eingereicht, nachdem die 50000-Franken-Bonusforderung zwar längst vom Tisch war, Füglistallers Schuldner aber eine Pfändungsandrohung am Hals hatte.

Wer seine Parteifreunde hat, braucht keine Feinde mehr, sagt sich heute Lieni Füglistaller. Über seinen Anwalt beantragt er Nichteintreten auf die Strafanzeige. Und der schreibt in seiner Eingabe, die dem «Sonntag» vorliegt: «Der Beanzeigte geht als im Wahlkampf stehender Nationalrat davon aus, dass der Anzeigeerstatter durch die politischen Gegner des Beanzeigten aufgehetzt, respektive gesteuert wird...» Allein die Formulierung der Strafanzeige zeige, dass Beck offensichtlich juristischen Beistand habe, einen Anwalt könne sich der klamme Mann aber nicht leisten. Im Klartext: Der Rentner dient nur als Strohmann. Vor Gericht wollen Füglistaller seine politischen Gegner ziehen, um ihn fertig und als Nationalrat untragbar zu machen. Damit ist nicht die Linke gemeint, sondern die parteiinterne Konkurrenz. Lieni Füglistaller will das auf Anfrage nicht explizit bestätigen («Es könnte ja auch eine Zeitung gemeint sein», meinte er süffisant), aber es ist offensichtlich.

Kein Geheimnis ist, dass namentlich Andreas Glarner, Präsident der SVP-Grossratsfraktion und Bremgarter Bezirksparteipräsident, Ambitionen auf eine Nationalratskarriere hat. Sollte ein SVP-Vertreter vor den Wahlen 2011 zum Rücktritt gezwungen sein, stünde ihm allerdings Kantonalpräsident Thomas Lüpold als erster Ersatz vor der Nase. Beste Voraussetzungen hätte er dann, wenn für die Wahlen 2011 zwei Vakanzen entstehen. Mit dem Rücktritt von Walter Glur scheint man parteiintern zu rechnen, Lieni Füglistaller gedenkt hingegen keineswegs, das Feld zu räumen.

Andreas Glarner weist den impliziten Vorwurf, Strippenzieher in einem Kesseltreiben gegen Nationalrat Füglistaller zu sein, mit dem Verweis auf diese Konstellation zurück. Wenn schon, so Glarner, müsste sein persönliches Interesse ja eher darin liegen, dass vor dem Wahljahr Ruhe herrscht. Auch der Zürcher Rentner Josef Beck, der mit seinem Gang an die Öffentlichkeit die ganze Sache ins Rollen brachte, besteht darauf, aus eigenem Antrieb gehandelt zu haben. Die Strafanzeige gegen Füglistaller habe er eingereicht, weil er sich mit dem Rücken zur Wand gedrängt fühlte, nachdem Füglistaller nicht auf eine letzte Bitte reagiert habe, das Pfändungsbegehren gegen ihn zurückzuziehen. Zur Begleichung der Schuld habe ihm dann ein Freund aus dem privaten Umfeld geholfen.

Richtig ist allerdings, dass Josef Beck in regelmässigem Kontakt zu Andreas Glarner steht. Er habe den Text seiner Strafanzeige mit ihm besprochen, bestätigt Beck. Dieser Kontakt hatte auch dazu geführt, dass die Bremgarter SVP Lieni Füglistaller als nicht genehmen Referenten an der Generalversammlung ausgeladen hatte. Ein Vorgehen, dass inzwischen von allen Ortsparteipräsidenten ausdrücklich gutgeheissen worden sei, wie Glarner sagt.

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