neuer Gemeindeammann von Möriken-Wildegg
«Eine Gemeinde ist keine Firma»

Seinen ersten Marathon lief Hans-Jürg Reinhart letztes Jahr in Rom. Der neue Gemeindeammann von Möriken-Wildegg hat auch beim Lösen von Problemen viel Durchhaltewillen.

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«Eine Gemeinde ist keine Firma»

«Eine Gemeinde ist keine Firma»

Irena Jurinak

Berge, Alpwiesen und ein Holzchalet – das Bild, das im Büro des neuen Gemeindeammanns Hans-Jürg Reinhart in Möriken-Wildegg an der Wand lehnt, lässt Feriengefühle aufkommen. «Das ist das Berghaus unserer Gemeinde auf der Bettmeralp», erklärt er. «Es liegt mir am Herzen, unsere Beziehung mit der Bettmeralp zu pflegen.» Der
52-Jährige ist ein begeisterter Skifahrer – und Snowboarder. «Mit dem Snowboarden habe ich während meines Studiums angefangen.»

Seit sieben Jahren ist Hans-Jürg Reinhart (SVP) im Gemeinderat tätig. Er kennt Möriken-Wildegg in- und auswendig, er ist hier aufgewachsen, war in der Feuerwehr, im Zivilschutz und in vielen Kommissionen
aktiv und engagiert sich bei den Freunden der Operette.

Einsatz in der Operettenbar

«Früher habe ich sogar im Chor mitgesungen, seit ich im Gemeinderat bin, habe ich dafür leider keine Zeit mehr», sagt Reinhart. Das kulturelle Leben hat für ihn eine wichtige Funktion im Gemeindewesen. Darum wird man den Gemeindeammann auch weiterhin an den Operettenaufführungen helfend hinter der Bar antreffen. Über die Freunde der Operette fand Reinhart auch den Einstieg in die Lokalpolitik.

Der Chemieingenieur ETH, der in einer leitenden Funktion in der Altlastensanierung bei der BASF (früher Ciba) in Basel arbeitet, war beruflich längere Zeit im Ausland. «Die Auslandaufenthalte haben meinen Horizont erweitert.»

Hans-Jürg Reinhart ist ein kurzweiliger Gesprächspartner – und ein Teamplayer. «Eine Gemeinde wird nicht hierarchisch geführt wie eine Firma, die Entscheide werden gemeinsam gefällt», sagt Reinhart, der den Gemeinderat als Kollegialbehörde sieht. Dass er als Gemeindeammann dem Druck der Öffentlichkeit stärker ausgesetzt ist, nimmt er gerne in Kauf. «Das gehört zu dieser Aufgabe», sagt er gelassen. Man spürt, dass er sein neues Amt mit Lust übernimmt.

Er freut sich darauf, mehr Gestaltungsspielraum zu haben und nach guten Lösungen zu suchen. «Ich betreue gerne grosse Projekte, da kommt mir meine berufliche Erfahrung zugute.»

Lösungen für die Schule

Unter anderem steht in Möriken-Wildegg in den nächsten Jahren die Schulraumplanung an. Der Raumbedarf steigt, ist aber auch abhängig von der Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden Brunegg, Holderbank, Niederlenz und Rupperswil.

«Ich sehe mich als eine Art Lösungsanbieter», sagt Reinhart. Eine weitere Aufgabe, die er anpacken will, ist die Revision der BNO (Bau- und Nutzungsordnung). «Alles Weitere besprechen wir im Rat gemeinsam, wenn wir die neuen Legislaturziele festlegen. Da bringt jeder seine Ideen ein.» Unterstützt wird Hans-Jürg Reinhart auch von seiner Partnerin. «Wir organisieren unsere gemeinsame Zeit jetzt einfach besser.» Sowieso gehe es der Gemeinde gut. «Unser Dorf ist familienfreundlich, hat einen guten Steuerfuss und keine Schulden. Zu den Stärken gehört auch ein sehr stark aufgestelltes Gewerbe», zählt er die Vorzüge seines Wohnortes auf.

Es laufe alles super, er könne sich nun zurücklehnen, scherzte Reinhart am diesjährigen Neujahrsempfang. «Doch das Umfeld verändert sich laufend, die Demografie – unsere Gemeinde wächst – und die Wertvorstellungen wandeln sich.» Aus dem Zurücklehnen wird wohl nichts. «Es ist eine Herausforderung, das Niveau zu halten.» Sein Vorgänger Sergio Caneve habe vieles sehr gut gemacht, die Gemeinde stehe gut da. «Ich trete in grosse Fussstapfen.»

Hans-Jürg Reinhart hat Durchhaltewillen. Den bewies er, als er letztes Jahr in Rom seinen ersten Marathon lief. Er meisterte die 42 Kilometer auf Anhieb. «Das ist nicht ganz einfach, ich habe viel trainiert – auch mental.» Auf Kilometer 38 fange das grosse Sterben an. «Man muss sich im Kopf gut vorbereiten und seine Kräfte einteilen.»

Es überrascht nicht, dass der im Dorf gut verankerte Ammann auch beim Gespräch über das Marathontraining auf die Vorzüge seiner Wohnregion zu sprechen kommt. Denn seine Übungsrunden drehte Hans-Jürg Reinhart rund um den Hallwilersee und am Chestenberg.