«Comunix» heisst die Eule, die den Niedergang des Schweizer Milizsystems bremsen soll. In einem 28-seitigen Comic erklärt sie Kindern, wie eine Gemeinde funktioniert: «Die Menschen haben irgendwann herausgefunden, dass sie manche Dinge besser gemeinsam erledigen können als alleine. Deshalb haben sie Dörfer gegründet. Aus manchen wurden Städte, teilweise auch grosse Städte. Und manche sind eher klein geblieben. Trotzdem erfüllen sie viele Aufgaben, ohne die dein Leben kaum vorstellbar wäre.»

Das steht am Anfang des Büchleins «Meine Gemeinde, mein Zuhause», das vom Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) herausgegeben wurde und sich an Drittklässler richtet. «Comunix» zeigt ihnen in farbigen Zeichnungen, was eine Gemeindeverwaltung macht, wie die Abfallentsorgung geregelt ist oder dass Gemeinden mit Freibädern kein Geld verdienen.

Milizsystem unter Druck

Was schön aussieht und lustig tönt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn produziert wurde das Büchlein nicht einfach zum Spass, sondern für das «Jahr der Milizarbeit», zu dem der Gemeindeverband das Jahr 2019 ausgerufen hat. Ziel des Projektes ist, mit verschiedenen Aktionen das Milizsystem zu stärken und «fit für die Zukunft» zu machen. Denn dieses gerät zunehmend unter Druck. Viele Gemeinden haben Schwierigkeiten, Menschen zu finden, die sich engagieren wollen. Die Bereitschaft, sich für ein Exekutivamt zur Verfügung zu stellen, nimmt ab.

Der Gemeindeverband setzt darum nun bei den Jüngsten an: Ziel des Büchleins sei, die Kinder zu motivieren, sich mit ihrer Gemeinde zu beschäftigen, sagt Philippe Blatter, Kommunikationsverantwortlicher beim SGV. «Wenn wir ihnen aufzeigen können, was eine Gemeinde alles macht und warum sie wichtig ist, sind sie vielleicht eher bereit, sich als Erwachsene dafür zu engagieren», sagt Blatter.

Die Österreicher machen es vor

Ob das wirklich klappen wird, steht im Moment noch in den Sternen. Eines aber ist schon jetzt klar: Das Büchlein ist ein voller Erfolg. Innerhalb von 25 Tagen waren 95'000 Exemplare weg. «Wir sind positiv überrascht», sagt Blatter. Darum werden nun weitere 50'000 Exemplare gedruckt, die ab Mitte August verfügbar sein sollen. Bestellt werden können sie von Schulen oder Gemeinden.

Als Vorlage diente dem SGV ein ähnliches Büchlein des österreichischen Gemeindebundes, wie Blatter sagt. Eins zu eins konnte dieses aber nicht übernommen werden. «Wir mussten eine eigene Version machen, um die Eigenheiten der Schweizer Gemeinden abbilden zu können.» Im Original spielen zudem ein Hund und eine Katze die Hauptrolle. Warum sich der Schweizer Gemeindeverband für eine Eule entschieden hat? «Das Tier steht für Weisheit», sagt Blatter.