Herr Höpflinger, welche Probleme enstehen durch die Überalterung der Bevölkerung?

François Höpflinger: Es ergeben sich vor allem Anpassungsprobleme bei der Sozialpolitik. Die Rentenbelastung der erwerbstätigen Bevölkerung wächst an, ebenso die Knappheit an Arbeitskräften. Ausserdem führt die «Überalterung» zu einem erhöhten Bedarf nach Pflegeleistungen.

Gibt es Rezepte, um dies zu verhindern?

Längerfristig wird eine Erhöhung des Rentenalters notwendig sein. Eine andere Strategie sind sozial- und gesundheitsfördernde Massnahmen, die dazu beitragen, dass auch Menschen über 65 gesund, fit, dynamisch und innovativ verbleiben. Je «jünger» sich ältere Menschen fühlen, bewegen und produktiv bleiben (etwa mit Freiwilligenarbeit), desto geringer ist die Gefahr, dass die Alterung zum sozialen Problem wird.

Könnte man die demographischen Probleme mit einer vermehrten Einwanderung lösen?

Dies war schon nach 1945 die Lösung, um die geburtenarmen 1920er- und 1930er Jahre zu kompensieren. Auch in Zukunft dürfte Einwanderung eine Rolle spielen, allerdings nur, wenn die Schweiz für Fachkräfte attraktiv bleibt.

Und wie können wir die Schweizer dazu bringen, mehr Kinder auf die Welt zu stellen?

Finanzielle Anreize (Elterngeld) haben oft nur eine geringe Wirkung. Am ehesten nützen familienfreundliche Massnahmen, wie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch den Ausbau von Kinderkrippen, Tagesschulen und längeren Elternschaftsurlauben. Deshalb hat beispielsweise Schweden eine höhere Geburtenrate. Solche Massnahmen benötigen aber Zeit, und die Wirkungen ergeben sich erst längerfristig.