Priorisierung
Eine Besserung ist in Sicht

Das Bildungsdepartement geht in die Offensive: Ein Info-Schreiben soll bei der Lehrerschaft Goodwill für die Reformprojekte schaffen. Und: Es zeichnet sich eine Priorisierung ab.

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Andreas Walter

Andreas Walter

Solothurner Zeitung

Elisabeth Seifert

Das Departement für Bildung und Kultur (DBK) bleibt nicht von Kritik verschont. Eine Reihe von Vorstössen im Kantonsrat stellen die Planung der zahlreichen Reformvorhaben in Frage und bemängeln die fehlende Information durch das Amt für Volksschule und Kindergarten (AVK).

Wie die Debatte im Kantonsrat Ende Juni zudem gezeigt hat, gelingt es den kantonalen Bildungsstrategen längst nicht immer, die bestehenden Unsicherheiten zu beseitigen: Zurück an den Absender hiess es zur regierungsrätlichen Stellungnahme auf einen überparteilichen Auftrag zur «Priorisierung und Planung der Reformprojekte in der Volksschule».

Kristallisiert hat sich der allgemeine Unmut unter anderem an Umsetzungsproblemem bei der schulischen Integration, sprich: der sukzessiven Auflösung der Einführungs- und Kleinklassen. Die flächendeckende Einführung ist jetzt, wie die Regierung an ihrer letzten Sitzung vor den Sommerferien beschlossen hat, um ein Jahr auf August 2011 verschoben worden.

Aufhorchen lässt vor allem, dass die Verantwortlichen im AVK in ihrer Antwort auf eine Interpellation der Fraktion CVP/EVP/glp zum Fahrplan in Sachen integrativer Unterricht Verbesserungsbedarf im Bereich Information erkennen: «Die generelle Kommunikation konnte bisher aus Kapazitätsgründen nicht immer zufriedenstellend umgesetzt werden», heisst es. Und: Im August soll eine Projektorganisation auf die Beine gestellt werden, welche die Umsetzungsfragen unter Einbezug der verschiedenen Anspruchsgruppen an die Hand nimmt.

Informationen für die Lehrerschaft

Ende letzter Woche verschickte das AVK zudem «Prozessinformationen» zur «Weiterentwicklung des Kindergartens und der Volksschule». Adressaten der umfangreichen Dokumentation sind sämtliche Schulleiterinnen und Schulleiter, der Lehrerverband und der Verband der Solothurner Einwohnergemeinden.

«Nach dem Entscheid der Regierung, infolge der Vernehmlassungsergebnisse zum Bildungsraum Nordwestschweiz auf eine Basisstufe zu verzichte, haben sich etliche Fragen geklärt», begründet Andreas Walter, Vorsteher im AVK, den Zeitpunkt des Info-Schreibens. So werde etwa die integrative Schulung jetzt unabhängig von einer Basisstufe umgesetzt.

Neben Erläuterungen zum Vorgehen im Bereich der schulischen Integration enthält das Schreiben eine aktualisierte - übersichtliche - Tabelle zu den weiteren anstehenden Reformvorhaben. «Wir wollen künftig mit verständlicher aufbereiteten Tabellen den Stellenwert eines Projekts deutlich machen», unterstreicht Walter und reagiert damit auf die Forderung nach einer Priorisierung des bildungspolitischen Programms. Konkret: «Aus unseren Aufstellungen soll zum Beispiel klar hervorgehen, ob ein Projekt bereits beschlossen worden ist, oder sich erst in der Planungsphase befindet.»

Daraus ergebe sich gleichsam automatisch eine Priorisierung, so der Amtschef. Die höchste Priorität haben dabei jene Projekte, die in Umsetzung begriffen sind, aber auch solche, deren Zeitplan durch die interkantonale Zusammenarbeit vorgegeben ist.

2010: Volksabstimmung zu Harmos

Als «absolut prioritär» bezeichnet Andreas Walter die Reform der Sekundarstufe I. «Nach den im Frühling erfolgten Entscheiden zu den Standorten der Sek P sind wir voll auf Kurs.» Gestartet werde im August 2010, wenn die sechsten Primarschulklassen erstmals nach einem neuen Programm unterrichtet werden - ein Jahr später treten die Schülerinnen und Schüler in die neu konzipierte Sekundarstufe I über.

Höchste Aufmerksamkeit schenke das Amt für Volksschule und Kindergarten zudem der schulischen Integration. «Mit der Schaffung einer Projektorganisation haben wir auch einen klaren zeitlichen Ablauf definiert, wodurch die Einführung ab August 2011 realistisch ist», versichert Walter. Bereits in der Endphase der Umsetzung befinde sich ein drittes, prioritär gesetztes Vorhaben, nämlich die Einführung der Geleiteten Schulen, die bis Ende 2010 abgeschlossen sein soll.

Bis Ende 2009 werde das DBK der Regierung zudem Botschaft und Entwurf zu den beiden interkantonalen Konkordaten «Harmos» und «Sonderpädagogik» vorlegen. Zu reden geben werden hier - obwohl in der Vernehmlassung breit abgestützt - vor allem die strukturellen Anpassungen infolge von «Harmos»: Mittels einer Verfassungsänderung soll der zweijährige Kindergarten ins Volksschulgesetz integriert und damit obligatorisch werden.

Weiter wird der Stichtag für die Einschulung um drei Monate vorverlegt. Die Volksabstimmung ist für 2010 vorgesehen. Und geht alles nach Plan gilt ab August 2011 das Obligatorium. Walter: «Wir werden uns intensiv um die politische Vorbereitung der Abstimmung kümmern.»

Frühfremdsprachen: Zeitplan ist machbar

Schliesslich gehört die - heftig umstrittene - zeitliche Terminierung der Frühfremdsprachen zu den Geschäften, die für das AVK prioritären Charakter haben. Grund: Fünf Kantone entlang der deutsch-französischen Sprachgrenze haben auf der Ebene eines Staatsvertrags einen gemeinsamen Fahrplan festgelegt: August 2011 für den Start des Frühfranzösisch in der dritten Klasse, zwei Jahre später dann Beginn mit Frühenglisch in der fünften Klasse. Sollte allerdings ein überparteilicher Auftrag, der die Verschiebung um drei Jahre fordert, im Kantons hatrat eine Mehrheit finden, ist dieser Zeitplan - zumindest für Solothurn - passé.

Zu Unrecht, findet Walter: «Eine Erhebung unter sämtlichen 72 Schulträgern im Kanton hat ergeben, dass der Fahrplan für machbar gehalten wird», sagt Walter. Lediglich sieben Schulträger - Schulgemeinden oder Zweckverbände - sehen «erhebliche Probleme» bei der geplanten Terminierung. Weitere 12 machen einen «grossen Unterstützungsbedarf» geltend. Der Rest beurteilt den Zeitplan als «gut» bis «machbar».

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