Flavio Fuoli

Die offen und meist in fairem Rahmen geführte Diskussion über die Zukunft der Kunsteisbahn Weihermatt hatte zum Schluss einen emotionalen Höhepunkt. Miguel Leemann vom Komitee «Weihermatt für alle» reichte einen Änderungsantrag ein. Er forderte, den über der Initiative liegenden Betrag von 2,11 Millionen Franken um 500 000 Franken pauschal zu reduzieren.

Dies sei jedoch, beschied ihm Gemeindeschreiber Urs Keller, rechtlich nicht möglich. Leemann müsse die einzelnen Posten benennen, die reduziert werden sollen. Nach längerer Diskussion auf dem Podium - die von 195 Stimmberechtigten und vielen Auswärtigen besuchte «Gmeind» war unterbrochen - zog Leemann seinen Antrag zurück.

Einzelne Posten hätten nicht um den ganzen Betrag reduziert werden können, beschied die Versammlungsleitung, also der Gemeinderat, der über Änderungsanträge an einer vorberatenden «Gmeind» zu befinden hat. Wie Leemann später gegenüber der LiZ sagte, behalte er sich rechtliche Schritte vor. Er wolle im Nachgang per Anwalt geklärt wissen, ob dies so korrekt gewesen sei. Wichtig sei ihm jedoch, dass der Betrag im Protokoll platziert sei.

Wenn vor vier Jahren . . .

Gemeindepräsident Werner Gutknecht erinnerte in seiner Begrüssung, dass der Gemeinderat exakt vor vier Jahren ein Projekt zur Sanierung vorgelegt hatte, das von den Eissportvereinen abgelehnt worden war: wegen des fehlenden zweiten Eisfelds. Inzwischen ist die Situation noch etwas vertrackter zwischen Befürwortern und Gegnern, was zahlreiche Bürger in ihren Voten ausdrückten. Liegenschaftenvorstand Urs Rimensberger stellte die Vorlage aus der Sicht des Gemeinderats nochmals vor und erwähnte, dass die Initiative professioneller Grundlagen entbehrt und Berechnungsfehler enthalten habe.

Unterstützung erhielt der Gemeinderat lediglich von den Parteien FDP und SVP, die beide für die Nein-Parole eintreten. Die Allgemeinheit würde viel Geld ausgeben für einen kleinen Teil der Bevölkerung und die Anlage sei trotz Dach energieintensiv. Wohl sei es ein Verlust aus sportlicher Sicht, aber die Finanzen würden erheblich entlastet. Urdorf sei auch sonst sehr attraktiv, auch sportlich, war die Haltung der FDP. Die SVP führte die erheblichen Mehrkosten an. Man wolle keine überregionalen Bedürfnisse bezahlen. Ausserdem seien die Risiken für spätere Folgekosten zu gross.

Ja und Nein und Ja

Eine eigene, eine Art Zwischenhaltung nahm die Grünliberale Partei (GLP) ein. Die Eisbahn sei für die Jugend wichtig. Bemängelt wurden die verwirrenden Infos, die auf beiden Seiten verbreitet würden. Die Ablehnung 2005 durch die Eissportvereine sei ein riesiger Fehler gewesen. Die GLP sei gegen die Stilllegung, aber auch gegen die 2,11 Millionen Franken Zusatzkredit. Bei einem Nein am 29. November würde die Partei eventuell eine weitere Initiative für eine günstigere Eisbahn lancieren.
Die Sozialdemokraten befürworten den Kredit, weil sie schon in den 60er-Jahren den Breitensport gefördert hatten. Dann die Standortförderung: Die Eisbahn gelte stets als Qualität Urdorfs. Schliesslich sei eine Eisbahn so etwas wie ein Naherholungsgebiet. Man müsse nicht mit dem Offroader in die Berge fahren, um Wintersport zu betreiben, was auch ökologisch positiv sei.

Befürworter in der Mehrheit

Wäre vorgestern in der Zentrumshalle abgestimmt worden, der Zusatzkredit wäre hochkant angenommen worden. Es gelang den Eissportvereinen, ihre Sympathisanten zur Teilnahme zu bewegen. So fielen die meisten Voten aus dem Volk denn auch gegen den Gemeinderat und für die Eisbahn aus. Jemand sagte, man habe in früheren Jahren Steuergeschenke verteilt. Nun hätten die bürgerlichen Parteien und der Gemeinderat Angst vor Steuererhöhungen. Die schlechte Finanzlage habe keinen Zusammenhang mit den Sportanlagen. Man erinnerte auch daran, dass Schwimmhalle und Freibad defizitär seien, eine Schliessung nicht infrage käme.
Angesprochen wurde auch die Generationenfrage, da Urdorf dieses Wochenende über einen Kredit von 29 Millionen für den Umbau des Alterszentrums befinde. Othmar Schöb vom Spital Limmattal erinnerte daran, dass sportliche Bewegung schon im Kindesalter von grösster Wichtigkeit sei und bis ins Alter Einfluss habe. Zudem vermisse er beim Gemeinderat eine visionäre Seite. Ein anderer Votant bemängelte die negative Einstellung, die vom Gemeinderat in dieser Sache ausgehe.

Von einer «negativen und tendenziösen, zum Teil falschen Weisung» sprach Miguel Leemann, der Mitglied der Projektgruppe war. Auch sei der vom Gemeinderat beabsichtigte Rückbau der Anlage im Falle einer Ablehnung des Kredits eine Missachtung des Volkswillens (siehe Kasten). Unter anderem monierte er falsch aufgeführte Betriebskosten und die seiner Meinung nach zu tiefen Stilllegungskosten, welche der Gemeinderat mit 1,2 Millionen Franken in der Weisung aufgeführt hatte.

«Schöne Versammlung»

Das Schlusswort hatte Finanzvorstand Thomas Hächler, der von einer «wunderschönen Gemeindeversammlung mit guten Auseinandersetzungen» sprach. Urdorf gehöre zu den fünf ersten Gemeinden im Kanton, die im Durchschnitt pro Einwohner am meisten für den Sport ausgäben. Diese Haltung komme noch von einer Aufbruchstimmung in den 70er-Jahren her, die mit einer zu optimistischen Finanzpolitik einherging.

Heute gibt Urdorf 10 Steuerprozente für seine Sportanlagen aus. «Mit der Eisbahn können wir das korrigieren. Ich will nicht, dass Urdorf in den Finanzausgleich kommt.» Dies könnte die Autonomie, beispielsweise bei Schulprojekten, gefährden.

Dem Konsortium «fairplay», welches das Sanierungskonzept für die Eisbahn erarbeitet hatte, attestierte Hächler gute Arbeit. Der Gemeinderat sei aber verpflichtet, dem Stimmbürger die Risiken aufzuzeigen. Wie der Stimmbürger dies annimmt, wird die Abstimmung am 29. November dieses Jahres an der Urne zeigen.