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Das Haus an der Schindelhofstrasse 18 in Röschenz wurde umfassend saniert und ist nun wieder bewohnt

Asylunterkunft Röschenz

Das Haus an der Schindelhofstrasse 18 in Röschenz wurde umfassend saniert und ist nun wieder bewohnt

Seit 1993 dient das ehemalige Armenhaus der Gemeinde Röschenz als Wohnung für Asylsuchende. Wegen Mängeln am Gebäude wurde die Liegenschaft nach 16 Jahren umfassend renoviert. Sie ist heute wieder bewohnt.

Das Haus an der Schindelhofstrasse 18 in Röschenz stand von Januar bis März leer. Der letzte Bewohner, ein Asylsuchender aus Algerien, musste im Dezember seine Koffer packen. Seine ehemalige Behausung, die sich im Besitz der Gemeinde befindet, wurde daraufhin umfassend saniert. Seit März wohnt jetzt eine sechsköpfige Familie aus Syrien in dem Gebäude, das von der Bevölkerung als «Gmeinds-Hüsli» bezeichnet wird.

Über dem Nebeneingang der Liegenschaft in Röschenz prangt die Zahl 1993. In diesem Jahr wurde das damals seit Jahren nicht mehr bewohnbare und leer stehende Gebäude umgebaut und zu einem Wohnhaus für Asylsuchende umfunktioniert. Das ehemalige Armenhaus der Gemeinde war nun dazu da, in Röschenz wohnhaften Asylbewerbern ein Obdach zu bieten. In den vergangenen 16 Jahren lebten Asylsuchende aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt an der Schindelhofstrasse. Das Haus bot verfolgten Menschen aus Algerien, den Ländern Ex-Jugoslawiens oder Somalia ein Obdach.

Zu Beginn waren es vor allem Familien, die das Gebäude bewohnten, in den letzten Jahren meist Einzelpersonen. «Für uns ist es rentabler, die Asylsuchenden in dem Haus an der Schindelhofstrasse unterzubringen, als für sie Wohnungen zu mieten», sagt Heinz Schwyzer, Gemeindeverwalter des 1700-Seelen-Dorfes Röschenz. Ausserdem stehe das Haus so nicht leer und erfülle einen guten Zweck.

50 000 Franken für Renovierung

16 Jahre und die unterschiedlichsten Mieter hatten ihre Spuren am Gebäude hinterlassen. Das Bad und die Küche mussten renoviert und alle fünf Räume des doppelstöckigen Gebäudes neu gestrichen werden. Der Kredit von 50 000 Franken, den die Gemeinde für die Renovierungsarbeiten am Haus benötigte, wurde an der Gemeindeversammlung vom 15. Januar von der Bevölkerung einstimmig gutgeheissen. Mit dieser Summe werde nur das Nötigste renoviert, hiess es auf die Frage, ob dieser Betrag ausreiche, um die Liegenschaft zweckmässig zu sanieren. Der gesamte Kredit stammte aus dem gemeindeeigenen Asylfonds

«Wir werden uns so schnell wie möglich darum kümmern, das Haus renovieren zu lassen», meinte Heinz Schwyzer damals. Und er hielt Wort. Die Renovation wurde erfolgreich abgeschlossen, und somit war auch der Weg für eine neue Familie frei, die inzwischen im Haus an der Schindelhofstrasse ein Zuhause fand.

Doch bis es soweit war, bedurfte es viel Arbeit, denn das im Dorfkern von Röschenz stehende «Gmeinds-Hüsli» war lange Zeit in einem unbewohnbaren Zustand. Im unteren Stock der Liegenschaft befinden sich mit der Küche und dem Bad die beiden Räume, die am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wurden. An den Wänden des Badezimmers, an der Heizung und vor allem am Kühlschrank griff Schimmel um sich. Auf dem Fussboden des Badezimmers zeigten sich einzelne Löcher und Risse. Ein Zeugnis der starken Belastung des Hauses in den letzten Jahren. All diese Mängel gehören nun der Vergangenheit an.

Vergangenheit als Armenhaus

Begab man sich vor der Renovation ins Innere des Gebäudes, roch es nach Geschichte. In den Ecken der einzelnen Zimmer und auf den Fensterbänken woben unzählige Spinnen ihre Netze zwischen Ansammlungen von Staub und Schmutz. Umrisse an den Wänden deuteten an, wo sich früher einmal die einzelnen Möbelstücke der Bewohner befanden. In den vergangenen Jahren wurde offensichtlich nur wenig für die Sauberhaltung des Hauses unternommen - weder von den im Haus lebenden Asylsuchenden noch von der Gemeinde Röschenz.

Mangelhafte Kontrolle

Gemeindeverwalter Heinz Schwyzer räumt in diesem Zusammenhang auch Fehler bei der Kontrolle des Zustands des Hauses durch die Gemeinde ein. Man nahm es nicht allzu genau, obwohl dem Gebäude an der Schindelhofstrasse 18 eine historische Bedeutung zukommt. Das 1850 gebaute Armenhaus der Gemeinde gab minderbemittelten Menschen ein Dach über dem Kopf. Die Anwohnerin Amalie Steiner erinnert sich beispielsweise an einen Alkoholiker, der zusammen mit seinen Kindern in dem Gebäude lebte. Dass es sich bei der Liegenschaft um das Armenhaus der Gemeinde handelte, war ihr jedoch nicht bewusst.

Die Familie aus Syrien, die heute dort wohnt, wird froh sein, dass die ursprüngliche Funktion des «Gmeinds-Hüsli» also gewissermassen erhalten worden ist.

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