Andreas Hagmann

«Das finde ich ganz witzig, hier hat es viele, mit denen ich einen Kurs besucht habe.» Wiedersehen mit Freude, Kennenlernen mit Spannung und ein Abend mit Hoffnungen. Die Arbeitsgemeinschaft Solothurnischer Jugendverbände (ASJV) vereinigte an diesem Abend Pfadi, Blauring und Jungwacht (Jubla), den christlichen Verein junger Menschen (Cevi) und interessierte Personen aus der offenen Jugendarbeit sowie Politiker von beinahe jeder Farbe.

Die Politiker zeigten bereits mit ihrer Anwesenheit, dass ihnen die Arbeit von und mit Jugendlichen am Herzen liegt. Bis auf die SVP waren alle «grossen» Parteien des Kantons vertreten. Die Linke etwas stärker, die Bürgerlichen etwas dezenter. Aber mit Rolf Büttiker (FdP) stellten die Bürgerlichen den prominentesten Namen. Weiterer «hoher» Besuch waren Brigit Wyss (Nationalrätin, Grüne) und Iris Schelbert (Kantonsrätin, Oltner Stadträtin und kantonale Parteipräsidentin der Grünen).

Arbeitgeber schätzen Jugendarbeiter

Einer weiteren grünen Kantonsrätin, Barbara Wyss, stand die Ehre zu, den Anlass zu eröffnen. Dabei hob sie zwei Begriffe ganz speziell hervor, die ihrer Meinung nach sowohl mit dem Leben als auch mit der ASJV viel gemeinsam hätten: «Das Beziehungsnetz ist eine lebenslange Begleitung und ohne Ehrenamtlichkeit bräche das ganze Verbandssystem in sich zusammen.»

«Auf den gesunden Mix kommt es an», meinte Matthias Weber, Präsident der ASJV. Dies wurde auch in die Tat umgesetzt und so wurden drei Gruppen gebildet, bunt gemischt mit Politikerinnen, Politikern und Jugendlichen, die im Rotationssystem zu drei Themenfragen Diskussionen und kleinere Dispute führten.

Der Grund für ein Engagement in der Jugendarbeit, die gesellschaftliche Akzeptanz der Jugendarbeit sowie die Auswirkungen der veränderten Medienwelt auf die Jugendarbeit waren grob skizziert die drei Oberthemen der Diskussionsrunden. Die grossen Probleme der Jugendverbände, wie beinahe überall bei ehrenamtlichen Tätigkeiten, sind finanzieller und personeller Natur. Lösungen sind deshalb immerwährend gesucht, wie beispielsweise Helfende mit kostenlosen Helferausflügen oder einmaligen Erlebnissen zu belohnen. So ist die Motivation für erneute ehrenamtliche Hilfe viel grösser. Im weiteren sei Pfadi-, Jubla- oder Cevi-Leiter auch ein Ausweis für das Berufsleben. «Bei denen weiss ich, dass sie Sozialkompetenz besitzen, das ist mir als Arbeitgeber sehr viel wert», sagte Georg Nussbaumer (Kantonsrat, CVP). Was die finanzielle Seite anbelangt, waren auch kritische Stimmen zu vernehmen: «Früher war es ein Kampf um Anerkennung. Heute stehen die Gefässe bereit, die Jugendorganisationen kümmern sich aber nicht aktiv darum, dass diese auch genutzt werden.» Andere Stimmen waren sich einig, dass «die Konkurrenz in der heutigen Zeit riesig ist. Es ist nicht einfach, Kinder bei der Pfadi oder in der Jubla halten zu können, wenn auch noch der Fussballverein lockt».

Deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl

Diskutieren ist gut und recht, aber folgt auf Rat und Zustimmung auch eine politische Tat? ASJV-Präsident Weber ist überzeugt: Falls ein Anliegen vorhanden sei, werde auf die Politiker zugegangen, eben auch gerade von der ASJV aus. Und wenn dann versucht werde, die Politiker von den Ideen zu überzeugen, dann würden auch politische Taten folgen. «Für unsere Arbeit für die Jugendverbände ist ein aktuelles Beispiel das Thema Finanzen. Wir haben nun die Liquiditätsgrenze erreicht und benötigen dringend die noch ausstehenden Subventionen vom Kanton.»

Monika Huber von der ASJV deutschte das Thema zum Schluss der Diskussionsrunden aus: «Aufgrund von Umstrukturierungen in den kantonalen Ämtern ist es nicht mehr so einfach, an Subventionen zu gelangen. Die ASJV muss sich immer aufs Neue erklären, was ziemlich ungewohnt ist.» Zudem habe man mit dem Suchtpräventions- und Gesundheitsprojekt Ganzheitlichkeit schweizweite Pionierarbeit geleistet. Ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl an die anwesenden politischen Kantonsvertreterinnen und -vertreter.