Zürich
Ein Tunnel von Wohlen nach Zürich?

Eine neue, unterirdische S-Bahn-Linie vom Zürcher Hauptbahnhof via Triemli, Birmensdorf, Bremgarten nach Wohlen – das ist die Vision von Sascha Winterberg. Der junge CVP-Politiker aus Waltenschwil ist überzeugt: «In 50 Jahren ist diese Strecke realisiert.»

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Grafik_Wohlen

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Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

Auf den ersten Blick mutet die Idee reichlich utopisch an: Eine direkte S-Bahn-Verbindung von Wohlen zum Zürcher Hauptbahnhof, zum grossen Teil in drei Tunnels von insgesamt rund 15 Kilometer Länge und zwei neuen, unterirdischen Bahnhöfen in Birmensdorf und Bremgarten. So stellt sich der 27-jährige Sascha Winterberg aus Waltenschwil die künftige Anbindung des Freiamts an die Stadt Zürich vor.

«In den Jahren 1960 bis 1980 wurden in Zürich nur Tunnels nach Osten gebaut (Stadelho-
fen-Stettbach, Hauptbahnhof-Stadelhofen)», sagt er. Der verpasste Tunnelbau gegen Westen ist für den CVP-Jungpolitiker daher «ein historisches Versäumnis». Weiter argumentiert Winterberg: «Alle Zürcher Nachbarregionen im Umkreis von 20 Kilometern ausser dem Westen (Wohlen und Muri) sind heute ans S-Bahn-Netz angebunden.»

Lange Fahrzeiten ins Freiamt

Der junge Freiämter, der für sein Studium selbst oft nach Zürich pendelt, kritisiert die vergleichsweise langen Fahrzeiten (siehe Kasten links). «Die Zusammenstellung zeigt, dass man sich sehr wohl fragen darf, weshalb Wohlen und das Freiamt so schlecht bedient werden nach Zürich HB», sagt er.

Ein weiteres Problem: Die kürzlich gestellte Forderung von Adrian Riedi (Grüne Wohlen), die S3 von Dietikon ins Freiamt zu verlängern, ist gemäss Regierungsrat Peter Beyeler nicht realisierbar. «Es gibt offenbar gravierende Engpässe im Heitersbergtunnel, die es nicht zulassen, diese Achse für den öffentlichen Verkehr ins Freiamt stärker zu nutzen», erklärt Winterberg.

Weil der Bahnverkehr nach Zürich weiter zunehmen werde, müsse längerfristig ohnehin in die Infrastruktur investiert werden. «Es gibt bisher keine Planungen oder Vorinvestitionen für einen Tunnel vom Reuss- ins Limmattal», hält Winterberg fest. Im Moment bestehe noch eine freie Wahl der Tunnelführung, «für das Freiamt könnten daher vorteilhafte Varianten gewählt werden», ist er überzeugt.

Und er macht klar: «Die Bremgarten-Dietikon-Bahn ist heute nahe an der Kapazitätsgrenze.» Zudem sei diese Linie für die Pendler aus Wohlen «eine zu langsame Verbindung nach Zürich», sagt Winterberg.

Unterirdisch rasch nach Zürich

Um das Freiamt besser und schneller mit Zürich zu verbinden, lanciert Winterberg daher seine visionäre Idee einer S-Bahn West. Die Linie soll vom Hauptbahnhof via Triemli verlaufen, wo der erste neue Tunnel beginnen würde. «Das wäre von der Höhenlage her optimal, man würde auf der anderen Seite ziemlich genau in Birmensdorf herauskommen», sagt Winterberg. Dort ist laut seinem Projekt, das er in einer Facebook-Gruppe vorstellt, dann ein neuer unterirdischer Bahnhof vorgesehen. Von Birmensdorf aus soll ein zweiter Tunnel nach Bremgarten verlaufen, wo an der Zürcherstrasse wieder ein Bahnhof unter dem Boden geplant ist.

Bremgarten als Knacknuss

«Die Streckenführung in respektive unter Bremgarten stellt einen Knackpunkt dar», ist sich Winterberg bewusst. Auf Facebook hat er eine mögliche Variante skizziert. Ausser der Brücke über die Reuss und ein paar hundert Meter auf der Westseite der Reuss verläuft die Strecke auch hier durchgehend unterirdisch. Ein dritter neuer Tunnel würde den letzten Abschnitt der Strecke bis nach Wohlen bilden.
«Damit könnte die Agglomeration Wohlen, die heute keinen Schnellzughalt hat, an den Fernverkehr angeschlossen werden», blickt Winterberg voraus. Er hält eine Doppelnutzung «seiner» West-Linie für Intercity- und S-Bahn-Züge für möglich, ungefähr wie beim heutigen Abzweiger nach Solothurn auf der Strecke Mattstetten-Rothrist.

Kosten: «Politischer Entscheid»

Sascha Winterberg ist sich bewusst, dass sein Projekt wegen der unterirdischen Streckenführung hohe Kosten verursacht. Doch er betont: «Auf die neuen Autobahntunnel müssen jetzt auch neue Eisenbahntunnel folgen.» Sonst sei das Verkehrs-
chaos in 20 Jahren garantiert.

«Schon heute geht es morgens in Wohlen zu wie in einem indischen Bahnhof, die Perrons und Züge sind völlig überfüllt», beschreibt Winterberg. Aus seiner Sicht ist es nur ein politischer Entscheid, ob die Idee der S-Bahn West eine Chance habe.

«In der Schweiz werden Milliarden ausgegeben für Bauten im öffentlichen Verkehr, das Geld ist vorhanden», sagt er. Er hofft auf politische Unterstützung für seine Vision. «Die S-Bahn West ist sinnvoller als eine weitere Heitersbergröhre.» Und er ist sicher: «In 50 Jahren ist sie gebaut.»

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