Basel
Ein städtebaulich verträglicher Bau

430 Millionen Franken: So viel kostet der Messeneubau nach dem abgeschlossenen Optimierungsprozess. Die Mehrkosten von 80 Millionen gegenüber dem ursprünglichen Projekt übernimmt die MCH Group.

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Messe

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

«Mit einem lachenden und einem weinenden Auge» stellte Ueli Vischer, Verwaltungsratspräsident der MCH Group, das überarbeitete Projekt «Messezentrum Basel 2012» gestern den Medien vor. Positiv sei, dass das vorgegebene Kostendach eingehalten wurde, sich das optimierte Projekt innerhalb des rechtskräftigen Bebauungsplanes bewegt, das architektonische Konzept bestehen bleibt und der Neubau unverändert den betrieblichen Anforderungen genügt. «Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass wir Abstriche gegenüber dem ursprünglichen Projekt machen mussten. Mit der Optimierung nehmen wir betriebliche Einschränkungen in Kauf», sagte Vischer.

Das Kostendach für das Gesamtprojekt - den Hallenneubau sowie alle weiteren Teilprojekte inklusive Vorbereitungsarbeiten, Umzüge, Provisorien, Management - beträgt neu 430 Millionen Franken. Dies ist zwar deutlich mehr als die 350 Millionen der ersten Schätzung im Mai 2006, doch weit weniger als die über 600 Millionen, die das neue Messegebäude ohne Optimierungsprozess wohl gekostet hätte.

Dass die 350 Millionen Franken nicht reichen würden, war schnell einmal klar. «Im Vorfeld der Parlamentsentscheide und Volksabstimmungen in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland ist darauf hingewiesen worden, dass dieser Kostenrahmen wohl gesprengt werde», erklärte René Kamm, CEO der MCH Group. Gleichzeitig sei aber klar kommuniziert worden, dass die MCH Messe Basel für allfällige Mehrkosten aufkäme. Tatsächlich werde die Bauherrin nun die zusätzlichen 80 Millionen Franken vollumfänglich übernehmen.

«Leben nicht im Schlaraffenland»

Im Vorfeld der Medienkonferenz hatte Matthias Müller, Präsident der Avo Session, seinen Unmut über den überarbeiteten Messeneubau geäussert (bz von gestern). Die Messe Schweiz hätte sich nicht an die schriftlichen Vereinbarungen gehalten, sagte er. Gelassen ging René Kamm, CEO der MCH Group, auf die Anschuldigungen ein. Die Eventhalle sei multifunktional und nicht eine ausschliesslich für die Avo Session konzipierte Halle. Es sei verständlich, dass Müller für seine Veranstaltung das bestmögliche herausholen möchte und Maximalforderungen stelle. «Doch wir leben nicht im Schlaraffenland. In der Eventhalle findet nicht nur die Avo Session statt. Wir haben noch andere Partner, die unterschiedliche Anforderungen an die Halle stellen», betonte Kamm. Müller habe seine Träume und Wünsche geäussert, die unmöglich alle zu realisieren gewesen seien. (lv)

9000 m2 weniger Ausstellungsfläche

Doch welches sind konkret die Unterschiede zwischen der ersten Version des Herzog & de Meuron-Baus und der überarbeiteten? Der Baukörper ist auf den Seiten Riehenring und Isteinerstrasse (neben der Rundhofhalle 2) insgesamt rund 16 Meter schmäler sowie rund zehn Meter kürzer als im ursprünglichen Projekt. Die beiden Obergeschosse sind neu jeweils acht Meter hoch und die Zwischenböden respektive -decken etwas dünner, wodurch das Gebäude dreieinhalb Meter weniger hoch wird. Der Hallenneubau weist neu einen Grundriss von rund 220 auf 90 Meter und eine Höhe von 32 Meter auf. Somit weist das gesamte Messegelände eine Bruttoausstellungsfläche von 141 000 Quadratmetern auf, also 9000 Quadratmeter weniger als im ursprünglichen Projekt.

Der Bauablauf sieht vor, dass nach unterirdischen Vorbereitungsarbeiten im Jahr 2010 nach der Baselworld 2011 zuerst die Überbauung des Messeplatzes (die sogenannte City Lounge) realisiert wird; nach der Uhren- und Schmuckmesse 2012 erfolgen dann Abbruch und Neubau des «Kopfbaus» und der Halle 3. Bereits im März dieses Jahres ist entschieden worden, die Eröffnung des neuen Messegebäudes von Januar 2012 auf April 2013 (Eröffnung der Baselworld) zu verschieben.