IS-Dschihadisten
Ein Schweizer Muslim glorifiziert den Kampf des Gotteskriegers in Palästina

Die Dschihadisten ziehen aus aller Welt in den Heiligen Krieg. Hierzulande legt der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) den Islam in radikaler Weise aus und will damit auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Was sagt ihr Sprecher dazu?

Daniel Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Qaasim Illi, Vordenker des Islamischen Zentralrats.

Qaasim Illi, Vordenker des Islamischen Zentralrats.

KEYSTONE

Wie eine Krake hat sich der «Islamische Staat» (IS) in Syrien und Irak ausgebreitet. Ein Reich der Finsternis, in dem Sittenwächter streng über das Leben unter Schariarecht hüten und Gotteskrieger aus aller Herren Ländern für Angst und Schrecken unter Andersgläubigen, Andersdenkenden und Minderheiten sorgen. Irrköpfe aus Grossbritannien, Belgien, Frankreich, aber auch Australien haben sich den Dschihadisten angeschlossen.

In Deutschland wird jüngst die Debatte geführt, ob Rückkehrern aus dem Dschihad mit einem Entzug der Staatszugehörigkeit zu begegnen sei. Auch aus der Schweiz sollen sich gemäss Nachrichtendienst des Bundes (NDB) 15 Dschihadisten in Syrien befinden. Nicht unwahrscheinlich, dass sie sich dort an Kriegszügen des IS beteiligen.

Qaasim Illi im Ferienparadies

Eine wichtige Rolle in der Rekrutierung von Dschihadisten spielen Moscheen und Organisationen, die eine radikale Auslegung des Islam predigen. Hierzulande legt der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) als grösste Organisation den Islam in radikaler Weise aus und will damit auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Qaasim Illi, Vordenker und Pressesprecher des IZRS, umschifft das Thema um die Gräueltaten mordender Dschihadisten im «Islamischen Staat» elegant.

Stattdessen schreibt er über Gaza. So etwa in seinem letzten Eintrag auf der Website des IZRS. Darin glorifiziert er den Märtyrertod des islamischen Gotteskriegers im Kampf gegen Israel als noble islamische Tat. Illi wörtlich: «Sein Kampf dient der Erfüllung des wohl anspruchsvollsten Gottesdienstes: dem selbstlosen, völlig altruistischen Kampf auf dem Weg Allahs. Die Chancen, dass er im Kampf mit den Israelis sein Martyrium findet, stehen ausgezeichnet. Hat er seine Berufung, seine Dienstpflicht gegenüber Allah jedoch richtig verinnerlicht, erfüllt es ihn mit Sehnsucht, mit Eifer.» Den Lohn im Jenseits verspricht sich Illi so: «Die höchste Stufe des Paradieses – Gärten in denen Milch und Honig fliesst.»

Gilt das auch für den Gotteskrieger, der in den Reihen des IS irakische oder syrische Soldaten massakriert, und auch vor der Verfolgung und Hinrichtung Andersdenkender oder Andersgläubiger nicht zurückschreckt? Dazu mag sich Illi auf Anfrage der «Nordwestschweiz» ebenso wenig äussern wie zu den Heerscharen im Westen aufgewachsener junger Männer, die als Dschihadisten nach Syrien gereist sind. An seiner Stelle schreibt schliesslich die Generalsekretärin des IZRS, Ferah Ulucay, zurück. Qaasim Illi weile im Urlaub. Seine Äusserungen bezögen sich aber «klar und deutlich» auf Gaza und nicht auf einen anderen Kontext. Die Tatsache, dass er sich auf keinen anderen Kontext bezogen habe, zeige seine Haltung deutlich genug. Darüber hinaus verweist Ferah Ulucay auf eine Stellungnahme der Organisation. Darin sei alles gesagt, so die Generalsekretärin.

«Alles» ist in diesem Fall ziemlich dünn: «Unter dem Vorbehalt des Rechts auf Widerstand der Völker gegen Besatzung, Ausbeutung und tyrannische Herrschaft verurteilt der Islamische Zentralrat der Schweiz jede Form von Gewalt, Terrorismus oder Diskriminierung namentlich gegen Minderheiten wegen ihrer Ethnizität, Rasse oder Religion», steht darin. Der Islam verbiete die grundlose Gewaltanwendung gegen Menschen – und wichtig: das «unabhängig ihrer Rasse, Ethnizität oder Religion».

Der Nährboden von Terror

Wie aber lässt sich Widerstand gegen Besatzung, Ausbeutung und Tyrannei überhaupt definieren? Wann beginnt, wo endet er? Der IZRS lässt der Öffentlichkeit mit seiner dünnen Stellungnahme viel Interpretationsraum, zumal kein einziges Mal auch nur direkt auf die Gräueltaten im «Islamischen Staat» verwiesen wird.

Weder Qaasim Illi noch seine Organisation verletzen strafrechtliche Bestimmungen. Wie Felix Endrich vom NDB sagt, befindet sich der IZRS nicht einmal auf der vom Bundesrat genehmigten geheimen Beobachtungsliste über Organisationen, welche die äussere und innere Sicherheit der Schweiz gefährden. Trotzdem: Der IZRS vertritt einen extremistischen politischen Islam, der den Nährboden für extremistisch motivierte Gewalttaten bildet. Illi mag nicht direkt zu Gewalt aufrufen oder sie androhen – mit seiner Glorifizierung des Martyriums weiss er aber genau, wen er anspricht: weitere junge Männer, die ihren Weg in die Südtürkei und von da über die grüne Grenze ins «Kalifat» des IS finden werden.